Aufnahme: 1986
Königswinterer Delegation in Cleethorpes - „Mayor making" (Bürgermeister-Einführung).
FDP-Vorsitzender Peter Gola überreicht einen Scheck. Rechts kniend der neue Bürgermeister von Cleethorpes, der Liberale Norman Cole.
gst. Das war der Höhepunkt, den eine offizielle Delegation der Stadt Königswinter und eine Delegation der FDP in der englischen Stadt Cleethorpes erlebten. Noch nach altem Ritus findet der alljährliche Bürgermeisterwechsel in England statt. So erscheint der Bürgermeister nach alter Väter Brauch in roter Robe. Mit einem Gebet wird die Wahl und die Einführung begonnen. Der offiziellen Delegation gehörten neben stellvertretendem Bürgermeister Herbert Krämer und Stadtdirektor Schmitz Vertreter der einzelnen Fraktionen im Rat der Stadt Königswinter an. Mit Handschlag wünschten alle Teilnehmer dieser feierlichen Handlung dem neuen Bürgermeister, Norman Cole, einem Liberalen, eine glanzvolle Amtszeit. Ein Empfang im Rathaus der Stadt Cleethorpes schloß sich an.
Bürgermeister Norman Cole betonte in seiner Antrittsrede, genau wie zuvor die scheidende Bürgermeisterin Field, daß die nunmehr elfjährige Partnerschaft zwischen Königswinter und Cleethorpes eine der erfolgreichsten in der Geschichte der beiden Völker sei. Jedes Jahr finden Reisen von Bürgern und Vereinen von hüben nach drüben statt. Es habe sich schon eine recht freundliche Atmosphäre gebildet. Und das spürten die Besucher aus der Drachenfelsstadt. Denn mit einer noch nie dagewesenen Herzlichkeit wurden sie empfangen und während der fünf Tage Aufenthalt betreut. So war Norman Cole bereits zum Hafen von Hull gekommen, um seine deutschen Freunde willkommen zu heißen. Die Hinfahrt von Hull nach Cleethorpes erfolgte über die weltweit bekannte Humber-Bridge, die mit einer Spannweite von über 1,4 Kilometer die größte ihrer Art in der Welt ist. Durch die Vermittlung von Normann Cole konnten die Siebengebirgler den Kontrollturm besichtigen und trugen sich in das Gästebuch der Kontrollwache ein. Der Weg auf die andere Seite des Humber erfolgte zu Fuß. Am Abend war man Gast der Cleethorpes Liberalen.
Der Samstag bescherte den Besuchern aus dem Rheinland nach zwei Tagen mit Sonnenschein unaufhörlichen Regen bei der Fahrt nach York. Dort wandelte man auf der Fährte der Vorfahren bei Führungen durch das alte York. Dazu gehörte auch ein Besuch der Kathedrale, die ·im vergangenen Jahr teilweise durch einen Brand zerstört wurde. Bei einem Shopping und Bummel durch das alte und neue York galt der Besuch auch mehreren Museen, darunter auch dem erst kürzlich eröffneten unterirdischen Wikinger-Museum. Seit 20 Jahren lebt eine Dame in einem Cleethorper Behindertenheim. Ihr überreichte Professor Peter Gola einen Scheck zur Verschönerung des Heims, der Erlös aus den FDP Preisskat-Abenden. Ein erster Höhepunkt der Gäste von Königswinter war am Abend der Städtepartnerschaftsball im „Winter Gardeil". Einem gemeinsamen Essen für 270 Freunde der Partnerschaft folgte ein Tanzvergnügen, bei dem die Deutschen mit den Engländern manches Tänzchen drehten. Doch zu Beginn des Abends erklang die englische Nationalhymne, Punkt 24· Uhr schlug die Polizeistunde. Noch einmal hörte man die Nationalhymne der englischen Freunde und die Kapelle spielte dann die Nationalhymne der Bundesrepublik. Eine Überraschung boten die Engländer den Rheinländern: Zwischen englischen Weisen erklang das „Eins, zwei Gesuffa", „Trink, trink, Brüderlein, trink" und schließlich „Einmal am Rhein ". Zur Verlosung hatte stellvertretender Bürgermeister Krämer sechs Flaschen Siebengebirgswein mitgebracht. Als Gastgeschenk überreichte er der scheidenden Bürgermeisterin Field 340 Mark, das sind 100 englische Pfund für einen von Frau Field ins Leben gerufenen Sozialfonds. Zu Beginn dieses Jahresfestes der Cleethorpes Freunde mußten Frau Field ihr Mann sowie das Ehepaar Krämer zahlreiche Hände der Freundschaft schütteln.
Im vorigen Jahr wurde in Cleethorpes ein Altenheim eingeweiht. Es erhielt den Namen „Königswinter". Groß und herzlich war die Freude bei den Senioren. Erstaunlich: Sie lernen zur Zeit Deutsch, denn 12 der 50 Bewohner des schmucken Heimes kommen im Oktober zum Winzerfest nach Königswinter. In der Eingangshalle hängen Bilder aus Königswinter und Oberdollendorf. Stellvertretender Bürgermeister Krämer brachte nun ein weiteres mit: Eine Ansicht des Klosters Heisterbach. Die FDP Delegation erfreute die Heimbewohner mit einer Probe Dollendorfer Weines und einem Blumengruß. Wein hatte auch Krämer für seinen Amtskollegen Norman Cole mitgebracht. Nach herrlichen Pfingsttagen in Cleethorpes war der Regen ständiger Begleiter auf dem Heimweg von Cleethorpes bis Königswinter. Norman Cole hatte sich so sehr gefreut über den Besuch der Königswinterer, daß er schon in aller Herrgotts Frühe zum Hotel kam, um sich noch einmal mit vielen Küssen und Umarmungen von seinen deutschen Freunden zu verabschieden. London galt noch ein zweistündiger Besuch. Dabei sah man die Tower-Bridge, doch hatte man infolge der Kürze der Zeit nur noch Gelegenheit sie bei einer Themserundfahrt zu betrachten, dazu den Tower, St. Paul's Cathedrale, Royal Festival-Hall, Queen Elizabeth Hall, Westminster-Abbey, Hous of Parlament, Churchill-Denkmal und Big-Ben. Die Hinfahrt führte mit der Fähre von Zeebrügge nach Hull. Die Rückreise von Dover nach Zeebrügge. Viele Mitreisende hatten auf der Hinfahrt mit der Seekrankheit zu kämpfen.
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