Aufnahme: 1977

Über 200 Richtfestgäste - Größte Baustelle der Stadt

"Regierungsbaudirektor Werner Hoffmann hielt die Festansprache beim Richtfest am Schulzentrum der Stadt Königswinter in Oberpleis, das in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und der Bauhandwerker gefeiert wurde. Werner Hoffmann übermittelte die Grüße und Glückwünsche im Namen der Staatshochbauverwaltung des Landes NRW. Trotz vieler unbekannter Größen konnte der Termin des Richtfestes mit mathematischer Genauigkeit eingehalten werden. Hoffmann sprach dann den Dank an alle diejenigen Personen aus, die zum Gelingen dieses Bauwerkes beigetragen haben, daß dieses Haus so gut und termingerecht unter 'Dach und Fach' gebracht werden konnte. Dieser Dank gebühre jedoch an erster Stelle dem Steuerzahler, der es heute überhaupt noch ermöglicht, solche Projekte zu erstellen und zu finanzieren. Dank gebühre dann den mehr als 200 Bauleuten, die an diesem Bau arbeiten.

Diese Bauleute sind Handwerker, die sich in Oberpleis aus allen Gegenden und den verschiedensten Ländern Europas zusammengefunden haben. Hoffmann begrüßte neben den deutschen Bauleuten auch diejenigen aus Jugoslawien, Griechenland, Italien, der Türkei, aus Holland und aus England. Sie alle haben trotz des großen Mangels an Fachhandwerkern im letzten Jahr mit ihrer Hände Arbeit diesen Bau hochgebracht und dafür rund 215 000 Stunden Schalarbeit geleistet, 1111 Tonnen Stahl zusammengerödelt und 15 000 Kubikmeter Beton gegossen. Wörtlich sagte Hoffmann: „Wir befinden uns sicherlich nicht auf einer der größten Baustellen unseres Landes gemessen an Kubikmeter umbauten Raum und Quadratmeter Nutzfläche, mit Sicherheit aber auf einer Baustelle in einer hervorragenden Landschaft, doch vom Blick hinüber zu den sieben Bergen allein wächst keine Baustelle und die großen Schwierigkeiten der beengten Platzverhältnisse auf diesem wahrlich spärlichen Grundstück taten ein übriges. Bis zur ersten Deutsch-Stunde ist noch manches zu tun." Gottlob waren bis zur Fertigstellung des Rohbaues keine Unfälle zu verzeichnen.

Als Architekten zeichnen verantwortlich: Dr. Ing. Strassberger, Ing. Grossheim aus Bonn, Ing. Karl-Heinz Görres und sein Assistent, Herr Brodesser. Das neue Haus ist nicht prunksüchtig, nicht monumental, es ist funktionsgerecht und architektonisch ansehnlich. Das neue Schulzentrum Oberpleis steht nicht isoliert in der Landschaft, sondern es wird als integrierender Bestandteil in der gesamtstädtebaulichen Planung der Ortslage aufgenommen. Das Land NRW hat die technische und geschäftliche Oberleitung, auch für die Schulbereiche der Stadt Königswinter übernommen, betonte Werner Hoffmann in seiner Ansprache. Das Land hat sich ja nach dem Gesetz zur Kommunalisierung der Schulen dazu verpflichtet. Zur Zeit sieht man hauptsächlich den Stahlbetonskelettbau des Schulgebäudes, der dann mit einer Aluminiumfassade geschlossen wird. Diese wird weiß und blau wie die bereits fertige Außenhaut des vorgezogenen Klassentraktes, so dass sich später alle Baukörper im gleichen Farbton präsentieren.

Das Pädagogische Zentrum, Platz für rund 800 Schüler, wird mit seinem schön proportionierten Raum und der Raumgittertragewerkdecke der Mittelpunkt der Schule sein und alle Bereiche zu einer Einheit zusammenfassen. Um die gute Luft in Oberpleis zu erhalten, muss die Schule sehr umweltfreundlich sein, sie wird mit Gas beheizt und hat drei überhohe Schornsteine von fast 35 Meter. Es wird also keinen Ruß und schwarze Wolken geben. Im August 1978 soll der gesamte Komplex eingeweiht werden. Im Anschluss an die großen Ferien in diesem Jahre sollen bereits sechs Klassen dem Gymnasium vorab für den Unterricht zur Verfügung gestellt werden.Hoffmann schloss mit dem Wunsche: 'Mögen in diesem neuen Schul- und Sportzentrum sich alle wohl fühlen und gerne hierher kommen, um zu lehren und zu lernen.' Bürgermeister Hank meinte, daß sich die Bedeutung eines Richtfestes im Laufe der Jahrhunderte ganz erheblich gewandelt hat. Früher hätten die alten Germanen einen Baum mit bunten Bändern am Rohbau eines Hauses aufgestellt, um dadurch die bösen Geister zu vertreiben. Das Richtfest war also Abwehrzauber.

Heute ist von dieser Sitte nur noch die Freude übrig geblieben. Die Stadt Königswinter feiere das Richtfest ihres größten Bauvorhabens, erklärte der erste Bürger der Stadt. Das Schulzentrum Oberpleis werde neben einer dreizügigen Realschule, einem dreizügigen Gymnasium, einem pädagogischen Zentrum, zwei Sporthallen, einem Hallenschwimmbad auch eine Schulsportaußenanlage umfassen. Das ist einmalig im Rhein-Sieg-Kreis und wohl auch im Land NRW, betonte Hank. In der Realschule mit 19 Klassen werden etwa 700 Schüler und im Gymnasium mit 27 Normalklassenräumen etwa 1 000 Schüler unterzubringen sein. Nach endgültiger Fertigstellung des Zentrums werden dort auch die Hauptschulen Oberpleis und Thomasberg ihre neue Heimat finden, so daß das Schulzentrum im Endzustand etwa 2500 Schülerplätze umfassen wird. Von den Gesamtkosten mit über 40 Millionen DM entfallen 50 Prozent auf die Stadt Königswinter und 50 Prozent auf das Land. Hank sprach ebenfalls vielen Personen Dank aus. Er dankte aber auch der Nachbarschaft für das mitfühlende Verständnis, das sie in den vergangenen Jahren an den Tag gelegt hat. Es ist keine schöne Sache, den Baustellenverkehr von früh bis spät ertragen zu müssen. Die Nachbarschaft hat dies getan, dafür kann sie später auf bequemen Wegen die kulturellen Veranstaltungen der Stadt Königswinter sowie das Hallenschwimmbad benutzen.

Dank sagte Bürgermeister Hank auch der Kreissparkasse, die der Stadt für das neue Gebäude DM 50 000,— stiftete. Humorvoll meinte Hank: 'Im Fußball spricht man von der Halbzeit. Die erste Halbzeit ist gut gewesen. Der Trainer ist zufrieden. Ich bin überzeugt davon, dass auch in der zweiten Halbzeit alle Beteiligten ihren Mann stehen werden.' Zum staatlichen Teil des Zentrum gehören das dreizügige Gymnasium für etwa 800 Schüler. Es kann um einen Zug noch erweitert werden. Ferner zählen zum staatlichen Teil die dreiteilige Sporthalle, das pädagogische Zentrum mit 800 Sitzplätzen und der Sportplatz mit der Kampfbahn und die Kleinspielfelder. Insgesamt umfasst dieser Teil, der mit 18,5 Millionen DM vom Staat finanziert wird, 58 000 Kubikmeter umbauten Raumes. Etwa 20 Millionen DM kostet der kommunale Teil mit 62 000 Kubikmeter umbauten Raumes: Realschule, eine weitere dreiteilige Sporthalle, die Schwimmhalle und die Sportaußenanlagen. Die erste Planung für das Zentrum entstand am 20. August 1970. gst."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung 1977
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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