Aufnahme: 1956 (Bericht)
Die Zivilgemeinde Oberpleis
"Das Gebiet der Gemeinde Oberpleis gehörte jahrhundertelang zum Herzogtum Berg. Bis zur Franzosenzeit galt im Herzogtum Berg die sogenannte Ämterverfassung. Das Land war zuletzt in 16 Amtsbezirke eingeteilt. An der Spitze der Ämter stand der vom Landesherrn ernannte Amtmann. Die uns bekanntesten Ämter waren Blankenberg (Sieg) und Löwenburg. Unser Gebiet gehörte zum Amt Blankenberg. Amtsmann war gewöhnlich ein landtagsfähiger Adeliger. (So i.J. 1370 ein Heinrich von Winterscheid)
Hierzu zwei weitere Beispiele:
Franz Kaspar von Hillesheim aus dem adeligen Geschlecht von Hillesheim, die späteren Eigentümer der Burg Niederbach, war Bergischer Amtmann zu Porz. Wilhelm von Scheid, genannt Weschpfennig, dessen Ehefrau Besitzerin von Gut Elsfeld war, war Bergischer Amtmann zu Burg und Solingen.
Kirchspiele und Honschaften waren die kleinsten damals bekannten Verwaltungsbezirke. So bestand das Gebiet der Gemeinde Oberpleis seit etwa 500 Jahren aus den Honschaften Hasenpohl, Oberpleis, Wahlfeld, Berghausen und Oberhau. Die Honschaft (Hundertschaft) Oberpleis wurde 1555 mit 'Alte Honschaft' bezeichnet. An der Spitze der Honschaft stand der Hon auch Honne genannt. Er hatte bei der Einziehung der Steuern und Abgaben mitzuwirken und für die Unterhaltung der Wege zu sorgen. Im Nachbarbuch der Honschaft Hasenpohl, das noch erhalten ist, wird um 1770 der Hon noch ausdrücklich erwähnt.
Uns ist bekannt, daß das linke Rheinufer bereits 1796 zu Frankreich kam. Mit der wachsenden Macht Frankreichs wurde sein Einfluß auch in unserer Heimat größer. Am 15. März 1806 wurde das Herzogtum Berg an Frankreich abgetreten. Damit war unsere Heimat französisch geworden. Napoleon bildete aus dem alten Herzogtum Berg und noch anderen rechtsrheinischen Gebieten das Großherzogtum Berg und übertrug es seinem Schwager, dem Prinzen Joachim von Murat. Nachdem dieser König von Neapel geworden war, nahm er Berg in eigene Verwaltung. Durch Dekret vom 14. November 1808 teilte er das Großherzogtum Berg nach dem französischen Präfektensystem in die vier Departements von Rhein, Ruhr, Sieg und Ems ein. Das Gebiet des heutigen Siegkreises mit einer kleinen Ausnahme an der oberen Sieg wurde in die vier Kantone Hennef-Sieg, Königswinter, Siegburg und Eitorf eingeteilt. Die Gemeinde Oberpleis kam zum Kanton Hennef und damit zum Rhein-Departement Mülheim. Die Bergischen Ämter und auch unser Amt Blankenberg waren damit aufgelöst. Die Kantone wurden in mairen (Bürgermeistereien) eingeteilt. Die maire Oberpleis wurde gebildet aus den Gebieten der heutigen Gemeinden Oberpleis und Stieldorf.
Die Gemeinde Oberpleis entstand aus dem Zusammenschluß der genannten 'fünf Honschaften'. Mit dem 1. Januar 1810 führte Napoleon auch den Code civil ein, sodaß in unserer Gemeinde das französische Recht bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900 in Geltung war. Der 1. Januar 1810 kann als der Gründungstag der Gemeinde Oberpleis angesehen werden. Mit der Einführung des Code civil führte Napoleon auch die Zivilehe (bürgerliche Trauung) und die Beurkundung des Personenstandes ein. Ab diesem Tage sind die Standesregister vorhanden. Sie tragen in der Franzosenzeit die Bezeichnung in den Überschriften: Großherzogtum Berg, Rhein-Departement, Bezirk Mülheim, Kanton Hennef-Sieg, maire Oberpleis.
Aus den Akten der Amtsverwaltung ist ersichtlich, daß die Grenzen der alten Honschaften mit den der heutigen Katastergemeinden, auch Gemarkungen genannt, übereinstimmen. Kleinere Grenzänderungen sind erst in jüngster Zeit eingetreten. Im Jahre 1911 wurde die Gemeindegrenze auf der Mußer Heide, die gleichzeitige Regierungsbezirks- und Landesgrenze ist, geändert. Kleinere Grenzänderungen brachten auch die Umlegungsverfahren mit sich. So wurden die Gemeindegrenzen zwischen Oberpleis und Stieldorf und Oberpleis-Ittenbach an verschiedenen Stellen begradigt. Von diesen kleinen Grenzkorrekturen abgesehen, kann angenommen werden, daß die Grenzen der Gemeinde Oberpleis seit Jahrhunderten unverändert geblieben sind."
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