Aufnahme: 2007 (Bericht 1995)

Die Sturmglocke im Ehrenmal in Oberpleis erinnert an die Separatistenkämpfe 1923 im Siebengebirge

"Die Separatisten

In ungezählten Berichten und Erlebnisschilderungen wurden im Lauf der Jahre die Separatistenkämpfe im Siebengebirge beschrieben. Der damalige Eudenbacher Hauptlehrer Wilhelm Axer, er war auch Hauptlehrer der Oberpleiser Volksschule von 1932 bis 1934, hat in der Schulchronik die Ereignisse im zweiten Halbjahr 1923 zusammengefaßt.

„Die trostlosen Verhältnisse in unserem geliebten Rheinland, die durch die Besetzung der Gebiete sowie den passiven Widerstand heraufbeschworen wurden, ließen gewisse sonderbündlerische Bestrebungen wieder aufs Neue aufleben. Diese Versuche fanden ihre Hauptstützen in den Herren Smeets, Dorten, Dr.  Cremers (Geistlicher) und Matthees. Sie versuchten im Oktober und November in vielen Orten, wie Aachen, Koblenz, Düsseldorf, Bonn, Königswinter, Honnef, Godesberg u. a. die Verwaltung mit Gewalt an sich zu reißen.

Anfangs hatten sie Erfolg und bald wehte in den meisten Städten und Städtchen des Rheinlandes die grün-weiß-rote Fahne. Für sie galt die unabhängige (von Preußen und Reich) rheinische Republik als Tatsache. Doch die deutschtreuen Rheinländer setzten der Gewalt die Gewalt entgegen. Nirgends fand die phantastische Neuschaffung Anerkennung. Nur die Franzosen sprachen von einem autonomen Rheinstaate, weil bei ihnen der Wunsch Vater des Gedankens war. Die Sonderbündler wurden mit Geld und Waffen unterstützt, wenn auch immer wieder betont wurde sich neutral zu verhalten.

Die Arbeitslosigkeit wurde immer stärker. Von Berlin aus wurde erklärt, die Erwerbslosenunterstützung für das Rheinland und das Ruhrgebiet bald nicht mehr zu zahlen und so blieb es nicht aus, daß die Partei der Sonderbündler immer stärker wurde.

Ein eingehender Bericht über die Kämpfe im Siebengebirge soll zeigen wie schonungslos diese Verbände vorgingen, um dem rheinischen Volke mit aller Gewalt ihre Idee des neuen, autonomen Rheinlandstaates aufzuzwingen und wie man ihnen mancherorts in der rechten Weise begegnete.

Überall läuteten die Glocken zum Sturm und so waren schnell alle Männer des Selbstschutzes bereit, den bedrohten Aegidienbergern zu Hilfe zu eilen. Wir hatten zwei Opfer zu beklagen. Den jungen Peter Staffel und einen Mann aus Aegidienberg, den die Sonderbündler als Geisel benutzt hatten."

Die weiteren Schilderungen von Lehrer Axer beschreiben dann auch weniger ruhmreiches Geschehen um die 130 Toten der Separatistenbewegung."

Quelle
Aus der Broschüre "Leben in und um Oberpleis", Seite 120, Kreissparkasse Oberpleis 1995; Text: Karl Hermann Uhlenbroch
Zur Verfügung gestellt von
Wilbert Fuhr: Broschüre; Foto: Willi Joliet Josef Neuhöfer: Separatisten im Siebengebirge - Die Sturmglocke
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