Aufnahme: 1943 (ca.)
Die NSDAP im Haus
Die letzten Kriegsjahre über hatte die NSDAP die leer stehenden unteren Räume des "Kemps - Hauses", dort wo vorher Metzgerei und Gastwirtschaft gewesen waren, beschlagnahmt und Büroräume darin untergebracht. Auch die Polizeistation befand sich zeitweise hier.
Als im März 1945 die Amerikaner in Oberpleis einmarschierten, beschlagnahmten sie gleich das Kempsche Haus. Frau Else Birkhäuser, die mit ihrem kranken Vater und dem kleinen Sohn mit Nachbarn die letzten Kriegswochen im Gewölbekeller des Hauses verbracht hatte - ihr Mann und die beiden Söhne waren im Felde - hatte alle Mühe, den Amerikanern klarzumachen, dass sie nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatte.
Bevor die Amerikaner das Haus betraten, hatte Frau Birkhäuser mit Hilfe der jungen Polin Karola, die als Zwangsarbeiterin hier arbeitete, auf deren Anraten Bilder und Inventar des NSDAP-Büros kurz und klein geschlagen. Und Karola war es auch, die die Amerikaner radebrechend davon überzeugen konnte, dass „Frau nix Nazi“ war. Und so konnten Frau Birkhäuser, der kleine Sohn und der schwer kranke Vater, sowie etliche Nachbarn in dem verhältnismäßig großen Gewölbekeller wohnen bleiben, während die Amerikaner das restliche Haus besetzten.
Bis auf einen Blindgänger, der durchs Dach geschlagen war und friedlich auf dem Kopfkissen eines Bettes in der Mansarde lag, und etliche kaputte Fensterscheiben war das Haus verschont geblieben. Den großen Garten hatte es allerdings hart getroffen. Zwölf große Löcher klafften in der Bruchsteinmauer, und zehn riesige Tannen lagen am Boden.
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