Aufnahme: 1918
"Urlaubsträumerei"
"Im Allgemeinen waren es schöne Tage, die wir auf Villa Seewald verlebt haben. ... Ich war mit bei den Urlaubsverdächtigen, denn 18 Monate hatte ich schon wieder hinter mir, und das war eine lange Zeit.
Urlaubsträumerei
Kennst du den Apparat der tausend Räder,
der dich dem Herzen Deutschlands näher bringt?
Fast ist zu schwächlich meine kleine Feder,
den Sang zu schreiben, der im Innern klingt
Jawohl, ich weiß, es fühlt von euch ein jeder,
wem um das Herz so ist wie mir, der singt:
Das Donnern und das Schießen und das Roden
bleibt hinter uns; vor uns der Heimatboden.
Entlaust, entstaubt und ledig aller Flecken,
die Stiefel lehmfrei, vorschriftsmäßig blank,
in meiner Rechten den Wachholderstecken,
so ziehe ich den Russenweg entlang.
Und niemand darf mich stillen Träumer wecken,
denn in Gedanken sitz‘ ich auf der Bank
im Wagen schon, der mich ja bald nach Hause
zu meinen Lieben fährt in meine Klause.
Am 3. April mittags 12 Uhr fuhr ich ab baltischem Bahnhof in Urlaub... und kam am 6. April abends 6 Uhr in der Heimat an. Wir waren mit 6 Mann von der Kompanie gefahren und hatten damit ein besonderes Glück gehabt, denn schon am 6. April war unser Bataillon auf Eisbrechern nach Finnland transportiert worden, wo viele Kameraden ihr Leben lassen mussten.
Mein Urlaub dauerte bis zum 1. Mai. In der Heimat stand es nicht besonders gut, der Krieg ging dem vierten Jahre entgegen, und mit der Ernährung war es schlecht bestellt. Diejenigen, die es verstanden, besonders Geschäftsleute, ließen sich von den Farben-Fabriken reklamieren, um sich vor der Front zu drücken. Die Bevölkerung fing an, kriegsmüde zu werden, man sehnte sich nach dem Frieden. In der Straße, wo ich wohnte, war bereits in jedem Hause einer gefallen. Mit gemischten Gefühlen nahm ich am 1. Mai mal wieder Abschied von der Heimat. Ich fuhr ungern zur Truppe zurück."
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