Aufnahme: 1917
"Drei Klafter tief in Lehm und Sand"
"Nachmittags musste ich mit noch drei Mann Handgranaten zu den Feldwachen bringen, es mussten 300 Meter Gelände durchlaufen werden, die unter schwerem Feuer lagen. Der Laufgraben war zum Teil zusammengeschossen. Wir erreichten Feldwache 10 in dem Augenblick, als der Stollen eingetrommelt wurde. Beide Eingänge waren verschüttet. Die Feldwache hatte schon zum dritten Mal den Wachhabenden gewechselt, einer lag unter dem Stolleneingang, und zwei Unteroffiziere waren schon verwundet. Die meisten Mannschaften lagen im Stollen mit Gasvergiftung. Es hat für sie schwere Stunden gegeben, und sie konnten erst am Abend nach hinten geschafft werden. Der Transport ging zum Teil über Deckung, der Russe beobachtete uns vom Ruinengraben aus, ohne auf uns zu schießen. Wir lieferten unsere Kisten mit Handgranaten ab und machten wieder die Jagd zurück nach der Hauptstellung. Links und rechts, vor und hinter uns gingen die Erdsäulen hoch, aber wir schafften es und kamen heil bei der Kompanie an. ...
Nachdem ich mich wieder etwas erholt hatte, machte ich den Ritt nochmal nach vorne. Ich hatte 2 Flaschen Rum und Kurzen, die ich zur Feldwache 11 besorgte. Von der Besatzung wurde ich mit großem Hallo empfangen, dann ging es wieder zurück zur Kompanie. Der Russe trommelte bis abends 8 Uhr, dann verlegte er das Feuer nach hinten. Wir schanzten die ganze Nacht durch. Der Kompanieführer-Unterstand und unser Stollen hatten Treffer zu verzeichnen, die mit Eisenbahnschienen und harten Zementstücken ausgebessert wurden. Auf den beiden Feldwachen wurden nachts auch die Stollen verstärkt. Wir hatten gegen Morgen ein Fass mit Wasser gefüllt und am Stolleneingang aufgestellt, als das Feuer wieder begann. Am 22. Juli ab 4 Uhr morgens lag hauptsächlich die Hauptstellung unter Trommelfeuer. Man hockte sich wieder in den Stollen, und wir versuchten, etwas zu schlafen, was uns trotz der Müdigkeit nicht gelang. Die dumpfen Einschläge der schweren Granaten ließen nicht einmal eine Unterhaltung zu. Von Zeit zu Zeit bebte der ganze Stollen.
Drei Klafter tief in Lehm und Sand,
Bei Tag und Nacht Gewehr zur Hand.
Die Ratte pfeift im nassen Stroh,
Das Herz ist keinem frei und froh.
Todmüd' und wund, vom Feind berannt,
Von heißem Heimweh übermannt,
Von Rauch umschwebt, vom Erz umtost,
und doch getreu und doch getrost.
Still glimmt das Lämpchen an der Wand
In all dem Lärm und Höllenbrand.
So halten wir die Wacht, die Wacht
Treu wie das Lichtlein in der Nacht.
Wer weiß, wie bald es kracht und zischt,
Wie bald, wie bald das Licht erlischt
Drei Klafter tief in Lehm und Sand,
Wenn du nur lebst, mein Vaterland.
Am Stolleneingang hatte der Kompanieführer ein Grammophon auf einer Kiste aufgestellt. Man musste das Ohr darüber halten, um etwas davon hören zu können, so wütete draußen die Artillerie. Es spielte immer „Am schönsten ist’s bei Muttern, bei Muttern zu Haus“.
Im Allgemeinen herrschte eine gute Stimmung in der Kompanie trotz des Kohldampfs, den wir hatten. … Nachmittags fuhr trotz dem schweren Feuer die Feldküche bei der Kompanie an. Das Pferd wurde ausgespannt und in einem Unterstande untergestellt, dann gab es etwas Stärkung „Reis mit Marmelade“. Ich bekam den Auftrag, einen Eimer mit Essen zur Feldwache zu bringen, kam auch gut dort an, wenn der Inhalt auch etwas eingebüßt und sich mit Lehm vermengt hatte. Jeder bekam zwei Trinkbecher voll, die wirkten wie ein Tropfen Wasser auf den heißen Stein."
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