Aufnahme: 1917
"Kurland zum Abschied"
"Am 28. Juli bauten wir nachts ein neues Drahthindernis aus Spanischen Reitern vor Feldwache 10 und 11. Mittags den 29. Juli wurde ich mit noch einem Kameraden der Kompanie als Gefreiter vorgestellt, nachmittags arbeitete ich auf dem Ehrenfriedhof. Am folgenden Tage nahm ich die Arbeit im Garten wieder auf. In meine Gemüseplantage waren verschiedene schwere Treffer hineingegangen. Bis zum 27. August betrieb ich Ackerbau, dann wurde eingeerntet. Am nächsten Tage wurde unser Regiment abgelöst vom Infanterie-Regiment 103. Es wurde gepackt, und ein neues Leben begann. Das Schützengrabenleben hatte ein Ende. 23 Monate hatten wir in den Schützengräben der Dünafront unsere Pflicht als Soldat getan, es waren viele harte Wochen und Monate darunter, und manchen russischen Ansturm hatten wir bezwungen. Kein Wunder, dass jeder im Regiment eine Veränderung begrüßte.
Kurland zum Abschied!
Lebt wohl, ihr Gräben, ihr Stollen und Sappen,
leb‘ wohl, du bombensicherer Bau,
mit schwerem Gepäck auf Schusters Rappen
durch Wiesen und Wälder, die nass noch vom Tau.
Du Föhrenforst, du Birkenhain,
Kurland, leb‘ wohl, geschieden muss sein.
Wo bin ich am Abend? Was blüht einem morgen?
Welch‘ wonniges Leben in Luft und Licht!
Kein Kauern in Löchern, kein bänglich Verbergen
in Minentrichtern vorm Drahtverhau dicht,
und während des Marsches Bilder umschweben
des freien Gefechtes Vorwärtsstreben.
Wir werden Kurland nicht wieder sehen,
die Spur uns’rer Taten ist bald verwischt.
Eins aber lebt und wird nimmer vergehen,
in der Nacht des Vergessens es nie erlischt.
Dauernder noch als Erz und Stein
ist unserer Toten heilig Gebein."
Foto unten: Peter Worringer (2. Reihe, Mitte) mit seinen Kameraden
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