Aufnahme: 1916
"Morgengrauen auf Horchposten"
"In der Nacht zum 8. Januar machten wir eine Patrouille gegen den Feind, ein Unteroffizier und 4 Mann in Schneehemden.Wir kamen bis auf 50 Meter an den feindlichen Graben heran, als wir Feuer bekamen. Wir kehrten dann wieder um. Ende Januar wurden die Feldwachen 300 Meter nach vorne gelegt, an den Rand des Vorpostenwaldes. Es wurden durchgehende Gräben angelegt und gute Unterstände gebaut. Die Feldwache war immer von einem Zuge besetzt, jede 3. Nacht ging’s auf Feldwache, dann gab es eine Nacht Ruhe, und die folgende Nacht schanzten wir auf Feldwache oder zogen Stacheldraht. Die Feldwache stellte außer den 4 Doppelposten eine 4malige Patrouille innerhalb der Postenkette, die bis zur Feldwache der rechten Nachbarkompanie zu gehen hatte. Der Zug, der im Zegelnjagraben lag, musste den Horchposten stellen, der links vom Vorpostenwalde auf der noch nicht ausgebauten kahlen Kuppe stand. Der Doppelposten hatte auf dem Wege dorthin 2 Drahthindernisse zu durchqueren.
Morgengrauen auf Horchposten
Wir stehen noch immer im Horchloch zu zwein,
so mutterseelenallein, allein.
Unser Leib ist so müde vom Stehen,
unser Auge schmerzt vom Spähen,
vom Spähen, vom spannenden Spähen.
Langsam und sacht verkriecht die Nacht.
Über grauem Schnee , unter grauem Himmel,
verzieht sich ihr Schleier, ein Schwadengewimmel.
Eine Leuchtkugel knallt und erhellt den Wald.
Ich harre! Verschwindest du duster bald?
Und ängstlich duckt sich’s am Boden dicht,
sucht Deckung vor der Rakete Licht.
Im Osten ein Scheinen zaghaft erwacht;
schon hastet’s den wallenden Schwaden nach.
Wollt ihr ziehen? Wohl fliehen? Geschwind! Geschwind!
Schon hebt sich der fröstelnde Morgenwind.
Wie blässlich flammt die Rakete da.
Es will tagen am Graben vor Zegelnja.
Knack – bumm. Knack – bumm
widerhallt's ringsum.
Ein Gruß, dem Horcher vom Horcher gebracht,
geweckt von den Mannen der toten Nacht.
So tritt der Morgen laut heran.
Horchpostendienst ist abgetan.
Trag du die Handgranaten im Arm.
Ich nehme den Schafpelz mollig und warm,
das Gewehr mit dem Leuchtvisier.
Voran, Kamerad, ich folge dir
hinaus durch den Drahtverhau, zum Graben,
uns im Unterstande am Kaffee zu laben.
Hier ist die Leiter, komm, fass meine Hand.
Unser Tritt widerhallt von der Grabenwand.
Wann kommt der Tag, wie Gott ihn schuf,
der mich wieder am Morgen zur Arbeit ruft?
Herr, schick uns die heilige Wende
und segne das Werk meiner Hände.
Manche lange lange Nacht habe ich vor der kahlen Kuppe im Horchpostenloch gesessen, und es war immer ein zweifelhafter Spaziergang, bis wir im alten Zegelnjagraben im Unterstande landeten. Vergessen seien auch nicht die vielen Tage und Nächte, die ich in der Gruppe W. verlebt habe. So klein und erbärmlich wie unser Unterstand auch war, aber in keinem Unterstande der ganzen Kompanie herrschte Frontsoldatenstimmung und Humor so wie in dem unsrigen. Kein Wunder, dass die Bude so belegt war, es fand sich immer noch ein Plätzchen, wo ein Krieger sein müdes Haupt hinlegen konnte."
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