Aufnahme: 1916

"Das Lausoleum"

„In Ktschanev hatte das Bataillon auch ein Lausoleum* erbaut; wir gingen in der kommenden Zeit öfter zur Entlausung, denn Ungeziefer hatten wir alle reichlich. Auf dem Wege dorthin kamen wir an der Artillerie-Beobachtung vorbei, die sich in einem zerschossenen Hause auf einer Höhe befand.

 

Droben steht am Scherenfernrohr**

still und stumm ein Herr vom Stab.

Drunten rennt zum Lausoleum

eine Kompanie im Trab.

Mächtig qualmt der Feuerofen,

und zum Himmel steigt der Rauch.

Herr vom Stabe lächelt leise,

aber plötzlich juckt's ihn auch.

Drunten bringt man sie zu Grabe,

die des Kriegers Last und Qual.

Herr vom Stabe, feiner Knabe, 

dich entlaust man auch einmal.

* Im Volksmund so genannte Sanierungsanstalt, in der die Soldaten entlaust und die Kleidungsstücke und Ausrüstung desinfiziert wurden.

** Das Scherenfernrohr ist eine besondere Art eines binokularen Fernrohrs, bei dem die beiden Objektive durch die scheren- oder v-förmige Konstruktion möglichst weit voneinander entfernt und einige Dezimeter über dem Kopf des Beobachters liegen. Es wird als Periskop verwendet.

Quelle
Peter Worringer: Meine Kriegserlebnisse
Zur Verfügung gestellt von
Edgar Zens, aus dem Nachlass von Agnes Zens, geb. Worringer Das Lausoleum auf Bildpostkarten
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