Aufnahme: 1916

"Auf Feldwache"

"Am 19. Juli lösten wir die 4. Kompanie auf Podlipniki in Stellung ab. Podlipniki war ein auf einer Anhöhe gelegenes zusammengeschossenes Gehöft. Die Stallungen und Bäume, die im November 1915 noch standen, waren dem Erdboden gleich gemacht. Die Höhe umfasste Feldwache 6+7 und lag rechts vom Vorpostenwalde. Begünstigt durch eine vorliegende Mulde, versuchte der Russe oft, in den Besitz der Höhe zu kommen. In der Märzoffensive war es ihm auch gelungen, in den Graben einzudringen, wurde aber wieder blutig hinausgeschlagen. Er fühlte auch öfters mit starken Patrouillen vor, aber unsere Wachsamkeit brachte ihm keine Erfolge. Unsere Kompanie lag den Sommer über bis zum November in dieser Stellung. Es gab reichlich Arbeitsdienst, und jede dritte Nacht wurde eine Feldwache geschoben.

Auf Feldwache

Meine Berge und Felder,

die fern im Mondlicht stehn,

meine grünen Heimatwälder,

werd ich sie wiedersehn?

Die trauten Kirchenglocken,

hör ich sie noch einmal

zittern und frohlocken

über dem Wuppertal?

Während ich denke des lieben

Friedens, den ich verlor,

richtet vielleicht schon drüben

einer auf mich das Rohr.

Sei’s. Ich will mich betten

gern im kühlen Feld,

wenn wir dich nur retten,

herrliche Heimatwelt.

Wenn ich auf Feldwache war und am Tage nicht auf Posten stand, so saß ich im Artillerie-Beobachtungsstand am Scherenfernrohr, da gab es für einen Frontsoldaten viel Interessantes zu sehen. Man konnte den Feind auf Greifweite heranholen und ihn hinter der Schießscharte stehen sehen. Mitte Juli schossen wir mit unseren Granatwerfern die Sandsackbarrikaden zusammen, die sich im Versammlungswalde befanden. Unsere Verluste in der Potlipniki-Stellung waren gering, hin und wieder gab es mal schwere Brocken und Schrapnellfeuer, aber im Allgemeinen ließ sich die dicke Luft aushalten. Was nur der Russe nicht lassen konnte, waren seine nächtlichen Artillerie- und Infanteriefeuerüberfälle. Er kam dann nicht mehr zur Ruhe, bis unsere Artillerie dazwischenfunkte."

Quelle
Peter Worringer: Meine Kriegserlebnisse
Zur Verfügung gestellt von
Edgar Zens, aus dem Nachlass von Agnes Zens, geb. Worringer
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