Aufnahme: 1915 (
"Herbstliche Dämmerung sang mir ein Lied"
"Am 22. April wurde uns bekannt gemacht, dass die Brotration von 750 Gramm auf 500 herabgesetzt würde, das Koppelschloss musste deshalb um einige Loch mager gestellt werden. Ich bekam den Befehl, bei der Bagage einen Gemüsegarten anzulegen. Abends packte ich und marschierte zur Bagage, quartierte mich dort bei den Handwerkern ein.
Am folgenden Tage suchte ich mit dem Kompaniefeldwebel auf der Kschtschawahöhe geeignetes Ackerland aus und begann mit der Urbarmachung. Schwer habe ich in den kommenden Monaten schaffen müssen, bei mangelhafter Verpflegung. Ich war abgemagert bis auf die Knochen. Habe auf dem Ackerlande Steckrüben, Weißkohl und Kartoffel ziehen müssen, die zur Verpflegung der Kompanie dienen sollten. Bei meiner Arbeit wurde ich oft gestört durch die lebhafte russische und unsere Fliegertätigkeit. Am 28. Mai, es war Pfingstsonntag, belegte der Russe die Kschtschawahöhe mit schweren Granaten. Ich befand mich grade in meiner Gemüseplantage, als der Feuerüberfall erfolgte, und flüchtete zur Artillerie-Beobachtung, die auf Kschtschawa lag. Bei der Bagage war auch dicke Luft.
Schönes kameradschaftliches Einvernehmen herrschte in dem Unterstande, den ich mit bewohnte. Bei trautem Zitherspiel haben wir an unserem schönen Sommerabend den Faden nach der Heimat gesponnen.
Über viel Felder bin ich gegangen,
über viel Felder, zerschossen, zerwühlt,
dort, wo die starrenden Gräben, die langen,
oftmals die Peitsche des Todes gefühlt.
Zwischen den wassergequollenen Trichtern,
zwischen den Gräbern, mit Kreuzen so blank,
unter den zischenden, fliegenden Lichtern,
zwischen des Drahtverhaus wirrem Gerank.
Fern verrollte des Mörser Gewitter,
winkte der Tod über nebliges Feld,
und der Granaten verwundend Gesplitter
sang in die müde, die herbstliche Welt.
Herbstliche Dämmerung, Heimat so ferne,
sang mir ein Lied, da die Heide so leis.
Sang mir vom Leben. Stumm gingen die Sterne
ihren unendlichen, glitzernden Kreis."
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