Aufnahme: 1915 (Januar)
"Aber nicht mehr lange, dann kommt der Tag ..."
"Als in den ersten Tagen des Monats August 1914 der Würgeengel des Ersten Weltkrieges ins deutsche Land einfiel, stand ich im 20. Lebensjahre. ... Viele meiner Jugendfreunde hatten sich in den ersten Augusttagen freiwillig zum Heeresdienst gemeldet. Ich hatte mir auch schon die dazu erforderlichen Papiere besorgt, stieß aber bei der Einwilligung meiner Eltern auf heftigen Widerstand, und das war gut so. ... All die jungen begeisterten Kriegsfreiwilligen aus meiner Heimat haben ihren Wagemut teuer erkaufen müssen. Sie ruhen alle bei Ypern und Cambrai. Als die Nachricht der ersten Gefallenen in der Heimat eintraf, war die Woge der Begeisterung schon merklich beigeebbt. Trotzdem, ich muss es ehrlich gestehen, sehnte ich mich nach dem Tage meiner Einberufung. Mir bangte davor, nicht mit dabei gewesen zu sein, wenn der Krieg plötzlich zu Ende gehen sollte...
Aber er hat noch lange gedauert, und sie ließen nicht lange auf sich warten. Am 17. Dezember erhielt ich meinen Stellungsbefehl. 400 Rekruten aus dem Kreise Solingen wurden am 19. Dezember nach Saarlouis befördert. Wir kamen zum Infaterie-Regiment 30, und ich wurde in die Holzendorff-Kaserne einquartiert. ... Es begann nun eine stramme Ausbildungszeit, Drill vom frühen Morgen bis zum späten Abend.
Die ersten Griffe! War das ein Holz!
Voll Freude krampft sich die Hand um das Holz,
um das Holz, dass die Funken erbeben.
Gar mancher greift jetzt noch daneben.
Aber nicht mehr lange, dann kommt der Tag,
da klappt es, da kracht es, da ist's ein Schlag.
Ein Schlag von dreihundert Händen,
wenn ihn die Feinde auch schänden.
Soldaten! Beim ersten Schlag schon am Morgen
greift drein; es liegt ein Juwel drin verborgen.
Mir ist der Dienst nicht sonderlich schwer gefallen, aber die Verpflegung im Rekruten-Depot ließ viel zu wünschen übrig. In den ersten Wochen wurde mir Gelegenheit geboten, mich als Trompeter bei der neu aufgestellten Bataillons-Musik zu melden ... Als 4 Wochen verstrichen waren, wurde das Rekruten-Depot eingeteilt zum Transport in das Feld. Die Musik rückte nicht mit aus. An einem schönen Januartage zogen die Solinger Jungens mit klingendem Spiel zum Bahnhof. Es gab ein großes Abschiednehmen und für viele von uns ein Nimmerwiedersehen."
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