Aufnahme: 1914
Gedichte aus dem Ersten Weltkrieg
Unser Großvater Peter Worringer (1894 - 1962) hinterließ uns ein handgeschriebenes Buch, eine Kladde von 244 Seiten, in dem er seine Kriegserlebnisse schildert. An vielen Stellen des Textes über die Zeit des Ersten Weltkriegs hat er eigene Zeichnungen und auch Gedichte eingefügt, deren Autoren er nicht nennt; wahrscheinlich gehört er selbst dazu. Solche Kriegsgedichte waren ein Zeitphänomen:
„Der Erste Weltkrieg brachte eine Vielzahl an Gedichten und Liedern hervor. Der Literaturkritiker Julius Bab (1880–1955) schätzte für die ersten Kriegswochen die Zahl der täglich in den Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften eingegangenen Gedichte auf rund 50.000. Auf Grund der Textkürze konnten gerade Einzelblätter leicht produziert und verbreitet werden. Daneben gab es auch eine Vielzahl an Anthologien mit gesammelten Gedichten und Liedern. Durch die Vertonung und gesangliche Aufführung wurden Kriegsgedichte auch schnell mündlich verbreitet.
Viele Soldaten nutzten diese Form zur unmittelbaren Verarbeitung von Kriegserlebnissen. Allerdings waren nur wenige Texte kriegskritisch, sondern zumeist patriotisch und heroisch. Vor allem die Anfangsmonate brachten eine Fülle an kriegerischen Jubelgedichten hervor.“ *
Dann aber „zeigen die Gedichte von Autoren, die 'aus dem Felde' schreiben, einen erkennbar anderen Charakter ... Sie stellen das eigene Erleben der Soldaten besonders in den Vordergrund. Neben der Schilderung von Kämpfen, Sturmangriffen oder Patrouillen sind es oft ruhige Stunden an der Front, die in lyrischen Formen und einer gefühlvollen Sprache beschrieben werden. Der sternenklare Himmel, der frische Frühlingsmorgen oder der warme Sommertag bilden dabei einen bewusst gewählten Gegensatz zu Kanonendonner und Kampfgetöse und sind Ausgangspunkt für Gedanken an die Heimat, die Lieben daheim oder den hoffentlich bald erreichten Frieden.“ **
Die folgenden Frontgedichte bringen in besonders eindringlicher Weise das Kriegsgrauen zum Ausdruck. Wir veröffentlichen sie mit Auszügen aus seinem Tagebuchtext, in den Peter Worringer sie eingebettet hat.
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