Aufnahme: 1988

Abifahrt als EG-Reise

gst. Der Leistungskurs Sozialwissenschaften am Gymnasium am Ölberg in Oberpleis gestaltete seine Abiturfahrt zu einer EG-Reise durch Belgien, Holland, Luxemburg und Frankreich. Nachdem die Genehmigungen der zuständigen Stellen vorlagen und die Finanzierung gesichert war, setzten sich die 12 Abiturienten und zwei begleitende Lehrer in den Zug, der sie in die EG-Länder brachte. In Brüssel besuchte man die Verwaltung des Europarates und erfuhr von einem Referenten viel über die Erfolge der Gemeinschaft und ihre angeblich ungerechtfertigte schlechte Presse.

Im europäischen Nato­-Hauptquartier bei Mons informierten sich die Jugendlichen über militärische Dinge. Diskutiert wurde über die Struktur und die Aufgaben der Verteidigungsallianz. In Holland wurde dies im Brunssumer Advent­-Zentrum fortgesetzt. Die Weltstadt Paris brachte natürlich zahlreiche kulturelle Leckerbissen, aber auch die Notwendigkeit von Flexibilität und Durchhaltevermögen bei den abenteuerlichen Erkundungen mit sich. Das Thema Entwicklungshilfe war Gesprächsstoff bei einer freiwillig auf mehrere Stunden ausgedehnten Diskussion mit einem nigerianischen Mitarbeiter der Weltbank.

Mit einem Beamten des Europäischen Parlaments wandelte man auf den Spuren des großen Europäers Robert Schuman, dessen Geburtshaus in Luxemburg besichtigt wurde. Mit demselben Beamten wurde auch ein intensives Gespräch über die Zukunftschancen der EG geführt. Über die Vision der „Vereinigten Staaten von Europa" mit all ihren Vorteilen, aber auch den Problemen wie der Agrarpolitik schrieben die Schülerinnen und Schüler nach ihrer Reise eine sechsstündige Klausurarbeit. Kurslehrer Studienrat Alfred Förner: „Allein aus diesen zehn Reisetagen mit vielen Erlebnissen und enormer Stimmung kann ich die Motivation für den Lehrstoff zweier Monate aufbauen."  Alle Fahrtteilnehmer sahen als überzeugte Bürger Europas das Unternehmen sehr positiv.

Aus finanziellen Gründen werden jedoch ab diesem Jahr derartige Abiturfahrten wegfallen müssen, da das Land Nordrhein-Westfalen aufgrund der schlechten finanziellen Lage für diese Unternehmungen keine Zuschüsse mehr genehmigen wird. Dies trotz geballter Proteste der Schülervertretungen, der Lehrer- und Elternschaft. Die Schulkonferenz am Gymnasium am Ölberg hat sich auf Vorschlag des Lehrerkollegiums und mit Zustimmung der Schülervertretung dazu entschlossen, nur noch die pädagogisch wichtigen Unterstufenfahrten durchzuführen, entweder nach Berlin oder in die DDR.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 1 vom 07.01.1988; Bericht: Günther Steeg; Fotograf unbekannt
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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