Aufnahme: 1976
Ehemaliger Passionsspiel-Angehöriger als Missionar in Brasilien
Pater Thad. Hönighausen der früher zur Zeit der Passionsspiele in den Pausen als kleiner Bäckerjunge belegte Brötchen im Kauf anbot, lebt beute als Missionar in Brasilien. In der 110 000 Einwohner zählenden Pfarrei von São Paulo, Villa Clementine, widmet er sich besonders neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit der Ausbildung von Laienhelfern, die in einem so großen Missionsgebiet einen Großteil der Seelsorge mit übernehmen.
Nach monatelanger Ausbildung durch Pater Hönighausen und nach weiterführenden Kurz-Kursen werden diese Laien zu unentbehrlichen Helfern in einem riesigen Missionsgebiet. Nach einem Genesungsurlaub in seiner Stieldorfer Heimat (Pater Honighausen war an Malaria erkrankt) besuchte er auch den damaligen Leiter der Stieldorfer Passionsspiele, Lehrer i.R. C. Emans, in Blankenberg, dem er nach seiner Rückkehr nach Brasilien ein Bild übersandte, das ihn zusammen mit jungen Ausbildungsteilnehmern zeigt. R
Wieder Stieldorfer Passionsspiele? - In drei Jahren 90-jähriges Jubiläum
Heinrich Hillen schafft Archiv
Werden die Stieldorfer Passionsspiele in absehbarer Zeit wieder aufleben? Angeregt durch den früheren Leiter der Stieldorfer Passionsspiele, Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans, heute wohnhaft in Blankenberg, der gerne mit Rat und Tat für die Sache eintreten möchte, stellte die Siebengebirgs-Zeitung dem Vorsitzenden des Volksbildungswerkes Stieldorf, Konrektor Heinrich Hillen, der von der Pfarrgemeinde beauftragt wurde, ein Archiv über die Geschichte der Stieldorfer Passionsspiele zusammenzustellen und aufzubauen, diese Frage. Hillen hat die Arbeit gerne übernommen. Er will dieses Archiv lückenlos bis zum Jahre 1979 auf- und ausbauen. In diesem Jahr nämlich würden die Passionsspiele 90 Jahre alt. Zum ersten Male führten 1889 Stieldorfer Bürger die Leidensgeschichte Christi auf.
Doch Hillen glaubte in einem Gespräch mit unserem Mitarbeiter nicht, daß jemals in Spieldorf noch einmal die Passionsspiele wieder aufgeführt werden. Die Zeiten hätten sich geändert. Die meisten der ehemaligen 300 Mitspieler leben nicht mehr oder sind zu alt, um wieder als Laienspieler aufzutreten - die Schauspieler in dieser Passionsgeschichte dürfen keine Berufsschauspieler sein. Nur wenige Bürger waren bisher Feuer und Flamme, als Schauspieler in Stieldorf wieder die Besucher zu begeistern, denn wer probt heute noch dreimal wöchentlich ohne Honorar? Konrektor Hillen ist der Meinung, und dieser schlossen sich viele Stieldorfer an, daß es heute am notwendigen Idealismus fehle. Aber nicht nur das, auch die nötigen Gelder sind nicht vorhanden. Daher sei es auch nicht möglich, eine den Spielverhältnissen entsprechende Massivhalle zu bauen. Sie müßte wenigstens 600 Menschen Platz bieten.
1928 schlossen die Spiele mit einem beträchtlichen Minus ab, in den darauf folgenden Jahren wechselten sich Defizite mit Überschüssen ab. 1934 war wieder ein Defizit von 37 000,- DM zu vermelden. Dann kam das zweite Jahr innerhalb des Dritten Reiches, das Jahr 1935, mit der letzten Aufführung am 30. Oktober. 40 000,- DM blieben übrig. Dieser Betrag mußte jedoch dem Staate übergeben werden. Nach dem Krieg hätte man daher wieder mit einem Nichts anfangen müssen.
Es kam das Jahr 1953. Man schrieb den 22. März. Ein großes Ereignis in Stieldorf. Man wollte die Passionsspiele wieder erstehen lassen. Es kam auch zu einer kleinen Aufführung der Ölbergszene. Kirchenchor und weitere Künstler wirkten mit. Reporter aus aller Welt kamen nach Stieldorf. Selbst japanische Journalisten besuchten das Dorf am Rande des Siebengebirges. Doch die Hoffnung wurde bald gedämpft. Es blieb bei der einmaligen Aufführung. Alles schlief wieder ein. Sechs Jahre später wurde auch die letzte Hoffnung begraben. Kurz vor Weihnachten, am 15. Dezember 1959, wurde der Stieldorfer Passsongspielverein e. V. unter der Nummer 149 aus dem Vereinsregister des Siegburger Amtsgerichtes gelöscht.
Heinrich Hillen, der die Entwicklung der Spiele auch sehr bedauert, erklärte uns, daß zwischen dem „Geburtstag" der Stieldorfer Passionsspiele und ihrem „Tod" im Jahre 1959 eine Zeitspanne gelegen hat, die für die Pfarre bedeutungsvoll war und noch ist. Die Spiele brachten eine bedeutende Aktivierung innerhalb des Gemeindelebens, vor allen Dingen eine Bereicherung des kulturellen Lebens. Sie machten Stieldorf über Kreis- und Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie ließen tausende Besucher nach Stieldorf kommen und brachten dem Ort den Beinamen „Rheinisches Oberammergau". gst
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