Aufnahme: 1975
Leiter der Oberpleiser Volkshochschule ging unter die Schauspieler
Eine weitere Kostprobe seiner Vielseitigkeit gab der Leiter der Oberpleiser Volkshochschule, Fritz Karl Birkhäuser, in der vergangenen Woche als Mitwirkender in dem Einakter "Hughie" von Eudene O'Neile im Bonner Theater Central. Birkhäuser war kurzfristig für den erkrankten Dieter Schneider eingesprungen. In dem Zwei-Personen-Stück spielt Fritz Karl Birkhäuser einen Nachtportier und "Geor " A. Butz einen heruntergekommenen New Yorker Spieler, der offensichtlich nur diesen Nachtportier als „Freund" betrachten kann, bei dem er „seelischen Schutt" abladen kann. Obwohl Birkhäuser zum Proben praktisch kaum Zeit blieb, bot er neben dem „gestandenen" Schauspieler Butz eine beachtliche Leistung und verstand es, eine seinem Mitspieler beinahe ebenbürtige Darstellung zu geben, was das Publikum im Theater Central mit überaus freundlichem Applaus lohnte.
Nachtportier Hughie hatte dabei vor allem mimisch keine leichte Aufgabe, praktisch die ganze Zeit über schläfrig und uninteressiert zu wirken. Nach den langen Sentenzen seines Gegenübers durfte er - ähnlich dem Paukisten im Orchester - den Einsatz nicht verpassen. Die besondere Schwierigkeit dieser Rolle bestand darin, mitzuspielen, den anderen nicht alleine spielen zu lassen, obgleich die Darstellung eben einen todmüden Nachtportier vorschrieb. Dieser Aufgabe entledigte sich Fritz Karl Birkhäuser durchaus mit Bravour. Eine hervorragende und ausgereifte Darstellung brachte Georg A. Butz als New Yorker Type. Dieser Erie, ein heruntergekommener Spieler, den das Glück verlassen hatte, nachdem der frühere Nachtportier dieses Hotels gestorben war, versuchte nun mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln im neuen Nachtportier wieder jemand zu finden, der ihm nicht nur zuhörte, sondern ihm durch seine Worte auch ein wenig Selbstbestätigung geben konnte. Das gelang ihm schließlich auch, da der neue Nachtportier sich ebenfalls fürs Spiel interessierte. Regie bei diesem Stück führte Hans Jürgen.
In einem zweiten Einakter von Jean Cocteau „Der schöne Gleichgültige" spielte Helga Ledebur mit starkem Einfühlungsvermögen eine Frau, die immer wieder ihren Geliebten erwartet, der sich mit anderen herumtreibt. Als dieser endlich kommt, wieder tief in der Nacht, und - nachdem er die Zeitung las - ohne ein einziges Wort zu sagen, wieder geht, obgleich sie verzweifelt versucht, ihn wiederzugewinnen, stürzt sie sich aus dem Fenster. Ihr Partner wurde - wortlos - von Arno Krebs gespielt. Regie führte bei diesem Einakter Claus Marteau. Horst A. Butz ist übrigens in Oberpleis kein Unbekannter. Er spielte hier schon in mehreren Stücken des Theater Central mit, das Fritz Karl Birkhäuser in den Sitzungssaal des Rathauses brachte, wo das kleine Bonner Zimmertheater, das von seinen Initiatoren mit viel Idealismus und künstlerischem Geschick geleitet wird, stets ein dankbares Publikum fand. Man darf hoffen, das Theater Central deshalb bald wieder einmal in Oberpleis spielen zu sehen, womit auch eine echte Alternative zu anderen Theateraufführungen in der Aula im Königswinterer Schulzentrum gegeben wäre. Wilhelm Scheffen
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