Aufnahme: 1974
Kammermusikabend des Kammerorchesters Oberpleis
Ein Konzert wohltuender Atmosphäre mit hohem künstlerischem Niveau erlebten die ca. 80 Zuhörer am Samstag, dem 12. Oktober 1974, beim Kammerkonzert im Rahmen der Rathauskonzerte des Kammerorchesters Oberpleis im Oberpleiser Rathaus. „Mit dieser Art Konzerte soll der Versuch gemacht werden, die Rathauskonzerte zu bereichern", sagte Kammerorchester-Dirigent Kurt B. Wirtz zu Beginn des Konzertes. Und dieser Versuch kann heute schon als gelungen angesehen werden.
Wolfgang Roth, ein gebürtiger Heidelberger, jetzt wohnhaft in Heisterbacherrott, zeigte mit seiner kultivierten Technik und Musikalität die Früchte seiner Studien in Heidelberg, Tübingen und Mannheim, vor allem aber jene Reife, die ihm sein Förderer Wolfgang Fortner mit auf den Weg gegeben hat.
Wolfgang Roth ist nach seiner langen Kriegsgefangenschaft nicht wieder in den Musikerberuf zurückgekehrt und betreibt seine jetzigen Studien nur als Hobby. Um so erstaunlicher fiel seine nuancierte Interpretation sowohl in Händels Sonate d-dur, als auch in Franz Schuberts Sonatine in a-moll opus 137 Nr. 2 auf, wobei Roths Stärke für Schubert auffiel.
Mit Uta Westphal, einer gebürtigen Kölnerin, die jetzt ebenfalls in Heisterbacherrott wohnt, erlebten die Zuhörer die Solo-Cellistin des Kammerorchesters Oberpleis mit der Sonate in d-moll von Willem Defesch, einem Stück, in dem der große Ambitus eines Violocellos deutlich wurde, und die Hobby-Künstlerin wunderschöne Cantilenen und spritzige Finger- und Bogentechniken souverän beherrschend zeigte.
Im Trio Nr. 1, G-dur, von Joseph Haydn, bewies der „Oberpleiser Sohn" Reinhard Meurer auf seiner neu erworbenen wertvollen französischen Geige überraschend, technisch und musikalisch gut, sein Können.
Das Ensemble, mit Margot Kremer, Klavier; Reinhard Meurer, Violine und Uta Westphal, Violoncello, erwies sich als homogener Klangkörper, der nach dem Rondo all' Ongarese mit herzlichem Beifall bedacht wurde.
Den Hauptanteil an diesem Kammermusikabend hatte die Oberpleiserin Margot Kremer-Dahs. Aber nicht nur deshalb muß sie hier besonders erwähnt werden, sondern wegen ihrer absoluten Sicherheit, wie sie mit beherrschender Technik und unterordnendem musikalischen Empfinden die Solisten begleitete. Sicherlich hätte ihr ein guter Flügel zugestanden, anstelle des von der Musikschule zur Verfügung gestellten Klaviers. Der große Beifall am Schluß des Konzertes bewies ein dankbares Publikum.
Am 19. November d. J. findet im Rathaus ein Orchesterkonzert statt mit Werken von Vivaldi, Mozart und Schubert. Der neu gegründete Kammerchor Oberpleis stellt sich vor in Verbindung mit dem Kammerorchester Oberpleis in einem Weihnachtskonzert am 3. Adventssonntag, dem 15. Dezember 1974, 17 Uhr, in der Pfarrkirche zu Ittenbach. W.
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