Französischer Künstler stellt in Oberpleis aus

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1973

Französischer Künstler stellt in Oberpleis aus

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

„Verlorene Unschuld” - So ist der Titel einer Ausstellung des französischen Malers Blaise Patrix, die zurzeit im Sitzungssaal des Rathauses in Oberpleis zu besichtigen ist. 16 Federzeichnungen und Drucke werden gezeigt und können auch käuflich erworben werden. Die Preise pro Kunstwerk bewegen sich zwischen DM 150,— und DM 600,—. Auch Plakate mit einem original Linoldruck, vom Künstler signiert und nummeriert, können zum Preise von DM 10,— pro Stück erworben werden. Ein Teil der Bilder entstand während seines Aufenthaltes bei einem Bekannten auf einem Bauernhof im Westerwald. Frau Hildegard Hank, Gattin des Bürgermeisters, lernte den französischen Künstler in Paris kennen und lud ihn zu einer Ausstellung nach Königswinter ein. Zusammen mit dem Ehepaar Birkhäuser wurden dann die Vorbereitungen getroffen. Bereits am ersten Ausstellungstag wurden mehrere Bilder und Plakate verkauft. Schon die Eröffnung war sehr gut besucht. Zu den ersten Gästen zählten Bürgermeister Hank, Beigeordneter Erich Lichtenberg, der Leiter des Schul- und Kulturamtes Peter-Josef Kneiseler und der Kreistagsabgeordnete Ottfried Hennig. Die Eröffnungsrede hielt Wilhelm Koslar:

„Es ist eine schöne Geste, hier, wo Apollinaire als Einundzwanzigjähriger einmal zu Hause war, einem anderen jungen Franzosen die Möglichkeit zu bieten, sich der Offentlichkeit zu zeigen. Blaise Patrix stammt aus Paris. Sein Vater ist dort Maler und der Begründer einer Künstlergruppe, der schöpferische Menschen aller Sparten angehören. Blaise selbst nennt sich Autodidakt, ist also ein Unabhängiger, vielleicht einer dieser Zuschauer und Hinhorcher, die nichts anderes im Schilde führen, als die Darstellung ihrer eigenen Welt und zwar mit den gerade nächsten Mitteln: hier mit dem Stift und der Feder. Dieses Autodidaktentum entspricht einem unbändigen, fast bedingungslosen Willen zur Freiheit. Wir alle wissen oder können es uns vorstellen, dass eine Schule, Schule im weitesten Sinne verstanden, immer zu einer gewissen Hörigkeit erzieht.

Natürlich ist die Schule nicht grundsätzlich darauf aus. Aber in ihr tritt der Junge in die Fußstapfen des Alten, mag sein, des Bewährten. Vielleicht folgt er dankbar den Spuren des Erfahrenen. Letzteres wäre der positive Verlauf einer solchen gebundenen, Entwicklung. Blaise Patrix ist ein Junger. Und gerade deshalb erstaunt es so, dass er dieses natürliche Geschenk des Vater Sohn-Verhältnisses ausschlug und sich aus eigenem Antrieb lieber dieser unbedingten, wahrscheinlich auch erbarmungslosen Freiheit stellte, damit er leben könne wie etwa ein Mann mit einer Frau: auf Du und Du, zögernd, aber auch mit vollstem Vertrauen. Es wäre barer Unsinn, wenn wir Blaise Patrix ein leichtes Leben wünschen. Es gibt bestimmt Hunderte seines Metiers, aber nur selten finden wir einen, der bereit ist, die Last dieses Berufes und dieser Berufung voll auf sich zu nehmen."

Die Ausstellung ist geöffnet: Samstag, den 20. Oktober 1973, 16 bis 19 Uhr, Sonntag, den 21. Oktober 1973, 16 bis 19 Uhr.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 42 vom 19. Okt. 1973
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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Kulturelles Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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