Historischer Festzug zur Tausendjahrfeier

Aufnahme: 1948

Historischer Festzug zur Tausendjahrfeier

„Burgfräulein, Herolde und – Karussells
Ausklang der Tausendjahrfeier in Oberpleis – Ein historischer Festzug

Die Woche der Tausendjahrfeier in Oberpleis ist vorüber, sie fand ihren Abschluss am Sonntagmorgen zunächst einmal mit einem Dankgottesdienst, den Pfarrer Wichert abhielt und wozu der Kirchenchor unter Joh. Schenk eine Messe von Lotti mit beachtlichem Können sang.

Der Nachmittag dagegen war nach einer kurzen Dankandacht mehr dem Auge gewidmet, denn während um die Kirche herum die Karussells sich zu drehen, die Schaukeln sich zu bewegen und die zahlreichen Lautsprecher zu ertönen anfingen und zwischen all diesen Dingen Jung und Alt aus der näheren und weiteren Umgebung in sonntäglichem Staat zu promenieren begannen, formierte sich am Rande des Ortes ein historischer Festzug durchweg junger Leute, die in ihren farbigen Kostümen das Zeitrad um tausend Jahre zurückdrehen wollten. Und unter den schmetternden Klängen einer allerdings nicht kostümierten Kapelle zogen sie kurz darauf durch die Straßen von Oberpleis, durch das Spalier vieler Schaulustiger, die wiederum manchen guten alten Freund plötzlich um tausend Jahre gealtert wiedererkannten.

Voraus ein berittener Herold im Harnisch mit dem Wappen von Oberpleis und hinter ihm, ebenfalls auf Pferden oder Wagen, all jene Figuren, die vor etwa tausend Jahren durch unsere Lande gezogen sein mögen: Ritter, Vögte, ja selbst Bischöfe und andere Geistliche, wie Mönche usw. und viele nette Burgfräulein, die sich vor allem um eine recht geschickte Nachbildung der Burg Blankenberg, unter deren Gerichtsbarkeit die Gegend zu jener Zeit stand, gruppierten.

Vorweg wandelte hinter einem sehr plastischen Modell der alten Kirche von Oberpleis eine Schar „Mönche“. Auf anderen Wagen wiederum sah man das Gewerbe jener Jahre, das zum Teil noch heute betrieben wird, u. a. die Kannenbäcker und die Tonstecher, die auf eigens dazu hergerichteten Wagen bei der Arbeit beobachtet werden konnten. Auf einem anderen Gefährt türmten sich die herrlichen Obstsorten, die Mutter Natur bekanntlich nicht nur unserem Jahrhundert beschert hat. Alles in allem: ein ebenso munteres wie auch lehrreiches Bild, für dessen Gestaltung dem Leiter des Festzugs, dem Keramiker Wagner, ein besonderer Dank gebührt..

Mit dem üblichen Kirmestreiben ging der Tag und damit die Feier zu Ende. Am Abend wurde man Zeuge einer neuen Wiederholung des Festspiels von Werner Heinen, in dem noch einmal die tausend Jahre übersprungen wurden. Dann begann es langsam still zu werden in Oberpleis, und nur die Frage bleibt: Wie wird wohl nach einem weiteren Jahrtausend so eine Feier gestaltet werden, wie wird der Festzug aussehen und wie die Menschen, die ihm zuschauen? Aber das hat ja noch tausend Jahre Zeit…“

(Kölnische Rundschau, Heimatteil Siegkreis, vom 28.09.1948)

Quelle
aus dem Nachlass von Pfarrer Wichert (Foto) und Alfred Pickel (Text)
Zur Verfügung gestellt von
Herbert Krämer bzw. Margret Pickel
Räume & Galerien
Tausendjahrfeier Kulturelles
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