Aufnahme: 2022
Winterscheid(t) - eine historische und genealogische Zusammenfassung von Paul Winterscheidt
Was bedeutet der Name „Winterscheid(t)“
Er setzt sich zusammen aus den Begriffen „Winter“ und „Scheid(t)“.
Bei der Deutung des Begriffs „Winter“ denkt jeder zunächst an die kalte Jahreszeit.
Dies ist in diesem Falle jedoch unter Namensforschern strittig.
Die überwiegende Meinung der Heimatforscher ist, dass dieser Begriff „Winter“ von Wingert, vom lateinischen „Vinitorium“ (Weingarten) abzuleiten sei, wie auch die Stadt Königswinter, (Wengte) als des Königs Weingarten interpretiert wird. Es gibt unzählige weitere Fakten und Interpretationen, die diese These bestätigen.
Der Wortteil „Scheid(t), der bei Ortsnamen insbesondere im Bereich des Rhein-Sieg-Kreises sehr oft vorkommt, bezeichnet eine Scheide/Trennung/Grenze.
Demnach ist „Winterscheid(t)“ als Weinberggrenze zu interpretieren.
„Winterscheid(t)“ als Familienname kommt in Gesamtdeutschland etwa 600-mal vor,
überwiegend im Bereich des ehemaligen Herzogtums Berg und allein im Rhein-Sieg-Kreis etwa 150-mal.
Diese Konzentration lässt darauf schließen, dass der Familienname in unserer Region entstanden ist und vermutlich im Ort Winterscheid in einem Seitental des Bröhltals seinen Ursprung hat.
Es gibt noch zwei weitere kleine Orte in Deutschland mit dem Namen Winterscheid; einen in Hessen im Kreis Ziegenheim und einen in der Eifel, westlich von Prüm.
Der Familienname entstand wohl, als vor langer, langer Zeit ein Bewohner des Ortes Winterscheid (nur mit einem Vornamen benannt) in einen anderen Ort zog und dort zur Unterscheidung von einem dortigen Bewohner, der den gleichen Vornamen besaß, den Beinamen „der Winterscheider“ erhielt. Die meisten Personen hatten damals nur einen Vornamen, und bestenfalls einen nicht vererbbaren Beinamen, wie es diese auch heute noch vereinzelt gibt.
Dies geschah etwa vor 1600, also vor Beginn des 30-jährigen Krieges, in dessen Verlauf erst in Deutschland die Annahme eines vererbbaren Familiennamens üblich wurde.
Der vererbbare Name „Winterscheid(t)“ ist jedoch viel, viel älter und war und ist zumindest im Bereich des Adels ein Begriff.
So wie der Ort Winterscheid bei Hennef-Sieg bereits wenige Jahrhunderte nach Christi Geburt genannt ist, gab es bereits um das Jahr 1000 n. Chr. eine adelige Familie derer von Winterscheid, deren Existenz bis ins Jahr 1800, wenn auch nicht lückenlos, nachverfolgt werden kann.
Hier eine Auswahl durch Urkunden belegter Adeliger mit Namen von Winterscheid:
Die Schreibweise variiert von Winterskeit, Wintersceth, Wynterscheid, Wynterscheit, Wenderscheid bis zum heute verwendeten Winterscheid mit (d) oder (dt)
1240 beurkunden die Gebrüder Konrad und Bruno von Winterscheid diverse Verträge
mit dem Kloster Haina, (im Hessischen) u.a. Grundstücksübertragungen zum
Zwecke der Sicherung ihres Seelenheils. (Landesarchiv Trier)
1345 ist Gerhard von Winterscheyt Amtmann der Grafen von Berg im sauerländischen
Rüthen und schloss in dieser Eigenschaft einen militärischen Beistandspakt mit dem
Erzbischof von Köln, dem Kommandanten der Festung Recklinghausen, dem
westfälischen Marschall Johann von Reifferscheid und verschiedenen
Stadtbürgermeistern.
1358 am 17.2. ist in einer Urkunde Diderich von Winterscheid als Deutsch-Ordens-Ritter
und Kommandeur der Kommende Ramersdorf benannt.
1370 am 22.11. siegelte Heinrich van Wynterscheid, vermutlich ein Sohn des Gerhard,
als Amtmann von Blanckenbergh (Sieg) einen Vertrag des Ritter Johann von Stein
mit dessen Landesherren, dem Grafen von Berg.
So könnte das verlorengegangene Wappen ausgesehen haben.
Es ist nachgezeichnet den Stilelementen des vorhandenen Siegels von 1370.
Das Siegel des Heinrich von Wynterscheid zeigt einen steigenden
Löwen, ähnlich dem derer von Berg (vielleicht bestanden da auch verwandtschaft-
liche Bindungen), sowie 6 Merletten im Wappenrand. Das sind amselähnliche Vögel,
jedoch ohne Schnabel. Dies bestätigt, dass Vorfahren derer von Winterscheid an
Kreuzzügen teilgenommen haben und dort verwundet worden sind, woraufhin ihnen
diese Merletten im Wappen zu führen, verliehen wurde.
1387 hat Heinrich von Wynterscheid in weiteren Urkunden mitgewirkt, die im Archiv
des Kreishauses Siegburg erhalten sind, so u.a. eine Schöffengerichtsordnung.
1458 erwarb ein Johann van Wynterscheid das Bürgerrecht der Stadt Köln,
in dem er dieser ein Darlehn gewährte. (Stadtarchiv Köln)
1461 heiratete ein Wilhelm van Wynterscheid, Lederreider, also Leder-Zubereiter,
in Köln eine Adelheid von Aich. (Aich, spr. Aach/wie Aachen). Arnd/Arnt von Aich,
ein berühmter Nachkomme derer von Aich`s , hatte in Köln bis 1526 einen großen
Namen als Buchdrucker.(siehe Wikipedia-Arnt von Aich)
1482 am 22.5. erwarb ein Coirt (Kurt) van Wynterscheid ebenfalls das Kölner
Bürgerschaftsrecht, wobei er vermutlich auf seinen Adelstitel verzichtete.
1491 ist in einem Streitfall in einer Urkunde vom 22.4. ein Johann von Winterscheid
als Schwiegersohn des Johann von Hillesheim benannt, der seinerseits Amtmann
in Blankenberg (Sieg) und ein Bruder des auf Burg Niederbach (Oberpleis)
residierenden Wilhelm von Hillesheim war.
1483, am 28.5. ist in der Siegburger Urkunde Nr. 670 des Landesarchivs Düsseldorf
ein Loetze (Ludwig) von Wendescheid als Schöffe in Blankenberg benannt.
1526 sind in einer weiteren Urkunde die Herren Loitze (Ludwig) und Merthen (Martin)
von Wynterscheit ebenfalls als Schöffen des Amtes Blankenberg benannt.
1624 bis zum Ende des 30-jährigen Krieges i.J. 1648 führte Johann von Winterscheid
im Auftrag des katholischen Lagers eine Kriegsschar von etwa 800 bis 1000 Mann.
Er war General-Feldwachtmeister in der Kurbayerischen Reichsarmee.
Seine militärische Laufbahn ist in den staatlichen Archiven in Wien minutiös
verzeichnet.
So war er zeitweise Kommandant auf der Festung Marienburg/Würzburg
und Stadtkommandant von Memmingen. Er starb 1654.
1656 wurde sein Bruder Johann Conrad von Winterscheidt, - Kapitän der Reichsarme
vom damaligen Kaiser Ferdinand dem III. vom einfachen Landadel in den
nächsthöheren Adelsrang (Freiherr/ Baron) befördert und es wurde ihm ein neues
Wappen verliehen.
Die handgeschriebene Urkunde ist im Original erhalten und wird im Landesarchiv Trier
aufbewahrt.
Männliche Nachkommen dieses Johann Conrad von Winterscheidt sind bis ins Jahr
1799 nachverfolgbar.
Die beiden letzten Namensträger, zwei Brüder, starben unverheiratet, womit dann jedoch die Familie derer von Winterscheidt in der Manneslinie ausstarb.
Ob heute noch lebende Personen mit dem Familiennamen „Winterscheid(t), möglicherweise als Nachkommen der Winterscheider von Köln, oder sonst wie genealogisch mit den Adeligen von Winterscheid(t)`s verwandt sind, ist nicht nachweisbar, aber nicht ausgeschlossen.
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