Aufnahme: 2017 (

Kreuzigungsgruppe am Eingang zum Friedhof in Königswinter-Oberpleis

Totenzettel im Wandel

Totenzettel gegen das Vergessen und als Bitte um ein Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen sind seit Ende des 17. Jahrhunderts nachgewiesen. Sie sollen die Hinterbliebenen, Verwandte und Freunde an den lieben Verstorbenen erinnern. Der Inhalt und die Handhabung der Totenzettel haben sich jedoch im Laufe der Zeit stark verändert, wozu vielleicht auch der im Jahre 1976 beschlossene, zum 1.1.1876 rückwirkende Datenschutz und die Angst um das Preisgeben persönlicher Daten das Seinige beigetragen hat.

Noch vor einem halben Jahrhundert etwa beinhalteten die Totenzettel einen fast kompletten Lebenslauf, der alle Höhen und Tiefen des abgelaufenen Lebens aufzeigte, wie einige noch von der Beerdigung ihrer Eltern und Groß-eltern oder auch von den auf den Totenzetteln geschilderten, bewegenden Schicksalen gefallener Soldaten des Zweiten Weltkrieges her wissen.

Sie enthielten neben den unumgänglichen Angaben wie:
Vor- und Nachname des Verstorbenen,
Geburtstag und Geburtsort, Sterbedatum und Sterbeort, sowie ein schlichtes Kreuzeszeichen.
Den Namen der Eltern.
Das Heiratsdatum und Name des Ehepartners.
Dessen Sterbedatum, falls vorverstorben.
Die Anzahl der Kinder, Enkel und Urenkel.
Die Daten besonderer Festlichkeiten und Ereignisse, sowie sonstiger wichtiger Vorkommnisse im abgelaufenen Leben.
Vereinszugehörigkeiten sowie empfangene Belobigungen und Auszeichnungen.
Den erlernten und ausgeübten Beruf.
Einen Hinweis auf Eigenschaften, Charakter.
Den Erhalt der Sterbesakramente (heute Krankensalbung), soweit der Verstorbene katholischen Glaubens war.
Einen i. d. R. aus der Bibel entnommenen Sinnspruch.

Die Totenzettel wurden den Teilnehmern der Totenmesse ausgehändigt, zur Mitnahme angeboten oder gar jedem einzelnen Kirchenbesucher in die Hand gegeben, wenn er bei der heiligen Kommunion oder nach der Messe vor den Altarbereich trat, um dort dem aufgebahrten Toten seine letzte Ehre zu erweisen und den Hinterbliebenen seine stille Teilnahme zu bekunden, oder auch nur, um gesehen zu werden. Auch konnte man so durch die Anzahl der ausgegebenen Totenzettel die genaue Anzahl der Messebesucher feststellen.

Der Totenzettel wanderte dann in das jeweils eigene, persönlich Gebetbuch, das ein jeder besaß, zu Hause aufbewahrte und zu den Gottesdiensten mitbrachte. Er wurde einsortiert auf die Seite eines häufig gesungenen Liedes oder eines persönlich ausgesuchten Gebetes und erinnerte so wiederkehrend an den Verstorbenen.
Der Inhalt früherer Totenzettel ist heute eine wahre Fundgrube für den Einstieg in die eigene Ahnenforschung.

Die heutigen Totenzettel, soweit überhaupt welche ausgegeben werden, sind dagegen schlicht und enthalten meist neben dem Namen lediglich das Geburts- und Sterbedatum und manchmal noch ein Bild des Verstorbenen sowie einen kurzen, frei gewählten Sinnspruch und/oder ein das Leben des Verstorbenen verdeutlichendes Symbol.

Gebetbücher hat heute kaum noch jemand zu Hause, denn die liegen in den Kirchen aus. Also wohin mit dem Totenzettel? Meist verschwindet er für kurze Zeit in der Manteltasche, in einer Schublade oder liegt ein paar Tage auf dem Schrank und geht dann früher oder später den Weg alles Irdischen.

Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt (Text) Der Totenzettel
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