Aufnahme: 2016
Handgefertigte Puppe von Elisabeth (Liesel) Heinen (1)
Elisabeth Heinen und ihre Puppenwelt
„Malern standen sie Modell. Ein Bildhauer wollte mit ihnen ein Märchenland eröffnen. Und damit wäre für Elisabeth Heinen der große Traum erfüllt worden, hätte nicht der Krieg auch eine Bombe in ihre Puppenwelt fallen lassen. Ihr Herz aber schlug weiter für ihre 'Lieblinge', die sie bis heute aus alten Wäscheresten, Papier, Wolle und Watte gestaltet. Und das weder nach Vorlagen noch Mustern. Modell stehen ihr dabei Menschen, die, wie sie sagt, irgendwann einmal ihren Lebensweg gekreuzt haben, im eigenen Heim oder auf der Straße, auf der Opernbühne oder in fremden Landen.
Die 75 Jahre alte Dame ist in einer Welt der Puppen groß geworden. 'Meine Mutter hatte eine geschickte Hand, besonders für kleine Stoff-Kinder.' Und von ihr hat Elisabeth Heinen die ersten Handgriffe abgesehen und es schließlich zu der Kunstfertigkeit gebracht, die heute ihre Puppen-Gesellschaft widerspiegelt.
Bajazzos sind Trumpf. Valentin und Felix nennt sie die beiden lustigen Gesellen, die auf einem Bücherbord schaukeln. Daneben im Biedermeier-Look 'Nannerl'. Ihr zierlicher Kopf ist aus 60 Gramm Watte modelliert. Schwarze Locken aus Kunstseide drängen unter dem Spitzenhut hervor. Die beweglichen Glieder umhüllt ein duftiges Seidenkleid.
Gabriella, die Neapolitanerin, besticht nicht weniger mit ihrem sanften Gesicht – Hunderte von Stopfnadelstichen geben erst diesen Ausdruck – und der Tracht ihres Heimatlandes.
'Und das ist mein Liebling.' Die kunstfertige alte Dame stellt uns Marianka vor – das Polenkind. Mit großen traurigen Augen, die Schultern leicht gebeugt, die Hand auf den Rand eines kleinen Korbes gelegt, demonstriert sie Verlassenheit, Heimweh.
'So erlebte ich es einmal während der Kriegsjahre', erinnert sich Elisabeth Heinen: Eine Gruppe von Polen, die um ein Feuer lagerten. Tief beeindruckt von der Szene und der Mentalität dieser Menschen, schuf viele Jahre später die Puppenmutter 'Marianka' in der folkloristischen Kluft ihres Heimatlandes.
Das sind nur einige der Puppenkinder aus der Werkstatt Elisabeth Heinens mit internationalem Anstrich. 'Mich reizt es, meine Puppen als Repräsentanten anderer Völker vorzustellen.' Und viele von ihnen fanden Bewunderung bereits auf zwei Ausstellungen, die Auftrag auf Auftrag brachten.
Dabei habe sie lediglich aus Freude an der Sache stundenlang an den Puppen bis zu ihrer Vollendung genäht, gestopft und gestickt. 'Ich wollte damit anderen eine Freude machen.' Frau Heinen weiß noch genau: 'Meine erste Puppe ging nach Berlin – auch als Trostpflaster gegen Heimweh.'
Schnell aber hatte es sich herumggesprochen, und Elisabeth Heinens Puppengeschäft blühte. Heute sieht alles freilich anders aus: 'Mit 75 Jahren kann man nicht mehr so viel schaffen', die noch rüstige Puppenmutter schüttelt den Kopf. Denn immerhin sind es 50 bis 60 Stunden, in denen sie die Puppen – immer mit der persönlichen Note – schafft. 'Und dann war es erst einmal mein Kind, das leider nur immer wieder das Haus verließ.'
Aber auch Fröhlichkeit wird im Heim der Puppenmutter, die bewundernd von ihrem großen Vorbild Käthe Kruse spricht, groß geschrieben. Leben bringen allein die vielen Besucher, jung und alt, in das Haus und stehen staunend vor den durchschnittlich 70 Zentimeter großen Puppenkindern, die allerdings – so die Kunstgewerblerin – weniger zum Spielen geboren als zum Schauen bestellt seien.“
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.