Abgebildete Personen
Aufnahme: 2014 (Bericht von 1995)
Oberpleis
"Oberpleis mit seinen zugehörigen Ortschaften ist im Pleiser Hügelland und, wenn man so will. am verlängerten Fuße der höchsten Erhebung des Siebengebirges, dem Ölberg, gelegen und wird umgrenzt vom nördliche n Westerwald und dem Kölner Tiefland. Zwischen dem höchsten Punkt oberhalb von Berghausen (249,2 m ü. NN.) und Uthweiler (111,2 m ü. NN.) liegt es auf einer mittleren Höhe von 140 m. Im geografischen Einschnitt werden die Wasser des Pleisbaches hinunter bis zur Sieg getragen. Von den Wald- und Heideflächen, die zu Zeiten von Pleysa im Auelgau existent waren, ist nicht mehr viel übriggeblieben. Als zusammenhängende Waldflächen sind nur noch die sogenannte Pleese Harth zwischen Herresbach und Sandscheid sowie der oberhalb von Nonnenberg gelegene Heisterbusch erwähnenswert. Die ehemals kleinbäuerlichen Ackerflächen sind durch Flurbereinigung, Kauf und Anpachtung zu halbwegs rentablen Bewirtschaftungsarealen geworden. Die teilweise schon über hundert Jahre bestehenden Baumschulbetriebe haben durch Mechanisierung zu einer rationellen Arbeitsweise gefunden.
Modernes Denken und Handeln schlägt sich auf allen Gebieten nieder. Der kleine und mittlere Handwerksbetrieb muß einen fast rücksichtslosen Existenzkampf führen, um nicht von Großunternehmern erdrückt zu werden. Wachstum, Rezession und Boom wechseln einander ab und müssen durchlebt werden. Das wichtigste Glied einer jeden Gesellschaftsform, die Familie, erfährt eine Umstrukturierung, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Im aus dem Amerikanischen kommenden ‚In-Bereich‘ sind die nachstehenden Errungenschaften ‚up to date‘.
Infrastruktur und Ökologie haben ihre Vor- und Nachteile. Mit Wehmut bleibt der Gemischt- oder Weißwarenladen auf dem Dorf in der Erinnerung haften. Supermärkte, Einkaufszentren, Großgaragen und Entsorgungsbetriebe bestimmen Zeit und Leben eines jeden Einzelnen. Grund- und Hauptschule, Realschule, Gymnasium mit Aula, Hallenbad und Turnhallen, Sonderschule für Behinderte, Senioren- und Pflegeheime, Geschäftszentrum mit Tiefgarage, Freizeitzentrum, Freibad und Sportplätze, draußen und in der Halle, und zwei Gewerbegebiete sind nicht mehr wegzudenken.
Genügend Verbindungsmöglichkeiten nach Bonn, Siegburg, Königswinter, Hennef und Asbach sowie Schulbusse nach allen Richtungen bietet ein weitverzweigtes Verkehrsnetz. Beide christlichen Religionsgemeinschaften haben über die Gottesdienste hinaus ein reiches Angebot an sozial-, musisch- und gemeindedienlichen Einrichtungen, Kindergärten, Seniorenbetreuung und viele Vereine und Institutionen mit mehr oder weniger offiziellem Charakter ergänzen ein gut florierendes Gemeindeleben. Aussiedler, vorwiegend aus dem osteuropäischen Raum, haben in städtischen Neubauten Aufnahme gefunden. Es wäre abwegig, wollte man Kirche und Geschichte voneinander trennen.
Über die Jahrhunderte kommt fast alles Überlieferte von der Kirche und den Klöstern. Aus dem Jahr 1028 (Erzbischof Anno II.) kommt folgender Bericht: ‚Im Namen der heiligen und unzerteilten Dreifaltigkeit. Da das Kloster des hl. Pankratius, Pleysa genannt, uns durch vorzügliche Liebe und Sorgfalt verbunden ist , so nehmen wir die Güter desselben, die in verschiedenen Orten unserer Diözese zerstreut liegen, und welcher unser geliebter Sohn Propst Gerhard und seine Vorgänger zu ihrer Präsenz besessen haben, unter des hl. Petrus und unsern eigenen Schutz. Von diesen sind einige neu erworbene besonders zu nennen‘. Es folgt ei ne ausführliche Liste. Wir möchten uns nur auf die im Bereich der Oberpleiser Pfarrei liegenden beschränken: ... ein Hof in Buseroth, gekauft von Ritter Dudo von Menden, zahlt 6 Schillinge und ein Malter Weizen; ein Hof des Godebert in demselben Ort zahlt ebenso viel; ein kleines Hofgut zu Berghausen, gekauft von Heinrich zu Pleis, zahlt 2 Schillinge. Ein Hofgut von Heribord von Weiler zahlt 3 Schillinge, der Hof zu Bellinghausen, gekauft von Arnold von Eitorf, zahlt jährlich 3 Schillinge ... Alle diese Güter sind frei von Steuerauflage und Vogteirecht und sollen es nach des Erzbischofs Willen auf ewige Zeiten bleiben.
Aus 1309: Abt Theoderich von Siegburg verkauft Güter bei Siegen, der Propstei in Oberpleis zugehörig, dem Grafen Heinrich von Nassau, den 22. Januar. Im Jahre 1487 erwarb die Propstei von Ludwig von Rott eine Mühle zu Oberpleis gegen eine Rente von sieben Malter Korn und auf St. Markus tag 1489 die Gerechtsame des Bonner Cassiusstifts an dem Buch ‚dat Heynchen im Kirchenspiel Oberpleis‘ gegen acht Morgen zentfreier Länderei im Weilerfeld und gegen Verzicht auf eine Zinsgerechtigkeit von einer in den Bonner Capitelshof zu Wahlfeld hörigen halben Weidgewald. In der ersten umfangreichen und allgemein verständlichen Niederschrift über den hiesigen Raum hat Pfarrer German Hubert Christian Maaßen am Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts berichtet, daß der Pfarrbezirk Oberpleis im Jahre 1773 1619 Seelen und 1422 Communikanten zählte."
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