Oberpleis mit Blick auf den Oelberg XI. Folge

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1966

Oberpleis mit Blick auf den Oelberg XI. Folge

Unseren zahlreichen Neu-Lesern möchten wir zunächst kurz den bisherigen Verlauf unseres Heimatberichtes erläutern. Herr Gottfried Emans, Hauptlehrer i. R., schilderte in den ersten Folgen die Vorgeschichte unserer Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft, ihre Be­siedlung und allmähliche Entwicklung. Danach beschäftigte er sich mit dem Rittersitz Niederbach und versuchte anhand umfangreicher Unterlagen zu belegen, dass die ehemalige stolze Wasserburg, die irgendwo im Oberpleiser Raum gestanden haben muss, ihren Standort auf dem Gelände des heutigen Hauses Niederbach hatte.

Wir stellten den Darlegungen unseres Autors Ausführungen von anderen bedeutenden Verfassern gegenüber, so u. a. von Herrn Oberstudienrat Dr. Robert Flink und Hochw. Herrn Pfarrer Erwin Düster. Danach befragten wir den langjährigen Verwalter der Gräflich von Hillesheim-Spee'schen Besitztümer, Herr Johann Bennerscheid aus Eisbach, in dessen Besitz sich zahlreiche Unterlagen und Urkunden befinden, um hierdurch die Geschichte der „Burg" Niederbach bis in die Jetztzeit ver­folgen zu können.

Wir werden in der nächsten Ausgabe dieses Thema beschließen um unseren Autor wieder zu Wort kommen zu lassen. Herr Gottfried Emans wird uns im Verlauf seines Beitrages noch über weitere Rittersitze, Kornmühlen und dergl. mehr berichten. Einleitender Text: Heinz Wicharz
  

Die Landschaft um Oberpleis

Der älteste Sohn von dem vorhin genannten Grafen Wilhelm von Hilles­heim, Freiherr Franz Dietrich von Hillesheim erbte Niederbach, er starb 1681 und wurde zu Sinzig beerdigt. Es folgte Franz Caspar Wilhelm von Hillesheim: Graf von Hillesheim, Freiherr zu Hohenfels, Reypoltskirchen und Ingweiler, Herr zu Arendahl, Franken, Caldenborn, Gladbach, Niederbach, Sommersberg, Weierburg und Berkum, kaiserlicher wirklicher Geheimer Rat etc. (Der damaligen Zeit ent­sprechend war es üblich, diese Titel alle am Anfange der Schreiben anzu­führen.) Er starb 1748 im Alter von 75 Jahren.

In der Erbteilung fiel Niederbach an das 6. Kind von Franz Caspar Wilhelm von Hillesheim, Charlotte Elisabeth Regina Gräfin von Hillesheim, Siftsdame in Vilich. Sie überlebte noch 3 Jahre die Aufhebung des Stiftes Vilich und starb 1807. Kurz vor ihrem Tode übertrug diese Stiftsdame ihr gesamtes Vermögen, einschl. Niederbach an ihren Großvetter Franz, den Grafen von Spee. Damit ist die Burg Niederbach in den Besitz der Familie Spee gekommen.

Die Grafen von Spee sind auch heute noch Besitzer der „Burg" Niederbach, der Wahlfelder Mühle und all der umliegenden Ländereien. Früher, in der zehntpflichtigen Zeit, war das Land von der Burg bis an den Wald vor Pleiserhohn, links und rechts der Straße in Gesamtgröße von 207 Morgen den Grafen Hillesheim, nachher Spee zehntpflichtig, d. h. von dem Aufwuchs des Landes gehörte der zehnte Teil der Ernte dem Grafen, wie das in der damaligen Zeit überall üblich war. Der Zehnt wurde von den Bauern an den Grafen in Geld abgeführt; er betrug jährlich 58 Thaler, 13 Silbergroschen und 6 Pfennige. Dafür hatte der Graf die Auflage, sich an den Unterhaltungskosten der Pfarrkirche in Oberpleis zu beteiligen. Am 8. Juni 1853 wurde dieser Zehnt — Berechtigung und Verpflichtung — für den Grafen aufgehoben.

Da die Burg in früheren Jahren eine ausgedehnte Ökonomie (Landwirt­schaft) besaß, kann man mit Sicherheit annehmen, dass ausgedehnte Ökono­miegebäude vorhanden waren, die wohl südlich des jetzigen Hauses gestanden haben. Bei Anpflanzung der Obstbäume südlich der Burg im Jahre 1925 stieß man stellenweise noch auf Fundamente, die aber nicht so stark waren, dass sie auf eine großangelegte Burg schließen ließen. Es werden Überreste der vorgenannten Ökonomiegebäude gewesen sein.

Der landwirtschaftliche Betrieb in der Burg Niederbach hatte Anfang des 19. Jahrhunderts mit schweren wirtschaftlichen Krisen zu kämpfen. Die ur­alten Gebäude waren in sehr schlechtem Zustande und zerfielen immer mehr. Nach und nach wurden die Gebäude — deren Herstellung zu viel Geld ge­kostet hätte  abgebrochen und die Ländereien verpachtet. Um 1850 wurde schließlich auch das Burghaus verpachtet. Zunächst war hier einige Jahre eine Apotheke untergebracht; später be­wohnte ein Landwirt Weiler das Gebäude. Er unterhielt eine kleine Land­wirtschaft.

Von 1882 bis 1903 hatte die Gemeinde Oberpleis die Burg Niederbach gepachtet. Sie stellte das Gebäude einer landwirtschaftlichen Winterschule zur Verfügung. In dieser Schule wurde den Landwirtssöhnen der näheren und weiteren Umgebung Unterricht in den Grundfächern Deutsch und Rechnen erteilt. Betriebslehre, Vermessungen und die allwöchentlich stattfindenden praktischen Übungen vermittelten den Junglandwirten ein umfassendes Bild ihres Berufsstandes. Bei dem geringen Bildungsstand der damaligen Zeit und dem Fehlen der heute vorhandenen Berufsschule, kam dieser landwirtschaft­lichen Winterschule große Bedeutung zu. Auch dem Obstbau widmete man unter tatkräftiger Mitwirkung der damals aufkommenden Baumschulfirmen im Oberpleiser Raum eine nachhaltige Beachtung. Aus jener Zeit stammen auch die zum Teil heute noch vorhandenen Weiher rings um das Burggelände. Sie wurden zwischen 1880 und 1890 von der Firma Dahs & Reuter in Jüngsfeld mit entsprechender Anlage zur Verschönerung des Gesamtbildes angelegt.

Nach 21jährigem Bestehen wurde die landwirtschaftliche Winterschule in Oberpleis am 1. Juni 1903 nach Hennef verlegt. Maßgebend für diese Ver­legung waren erhebliche Differenzen, die zwischen der Gemeinde Oberpleis (sie war zur Stellung der Schulräumlichkeiten verpflichtet) und dem Besitzer des Schulgebäudes (Graf von Spee) entstanden waren. So paradox es klingt; die Gemeindeväter fast ausschließlich Bauern einigten sich nicht; der Graf von Spee kündigte den Mietvertrag und die Schule musste verlegt werden. In Kreisen fortschrittlicher Bauern des Oberpleiser Gebietes wurde noch jahrelang danach dieser Schritt des Gemeinderates, der zum Wegzug der Schule führte, arg bedauert.

Von 1903 bis 1906 hatte der Dachdecker Peter Bürling aus Oberpleis die Burg Niederbach gepachtet. 1907 bezog Paul Humbert die Gebäude und richtete hier eine Korkstopfen­fabrik ein. Es war ein kleiner Zwei-Personen-Betrieb, der nur Handmaschinen zur Verfügung hatte. Die Korkstopfenfabrikation war deshalb auch nicht von langer Dauer, denn schon 3 Jahre später verließ Paul Humbert die Burg.

Anschließend mietete sie von 1910 bis 1916 ein Rentner August Höfer­mann aus Elberfeld. Ein Jahr lang (1916—17) diente sie dann einem „Hühneraugenoperateur'' namens Albert Heiligendorf als Unterkunft und „Klinik". Von 1917 bis 1919 lebte ein Hauptmann Schuttig hier, der während des 1. Weltkrieges eine leitende Stelle an der damaligen Geschoßfabrik in Siegburg innehatte und von 1919 bis 1924 hatte sich der pensionierte Ober­postdirektor Strömer eingemietet.

1925 bis 1940 lebte der pensionierte Gräflich von Spee'sche Oberförster Hegener auf Burg Niederbach. 1940 wurde sie Sitz einer religiösen Gemeinschaft; der; Marianischen Schwesternschaft. Die Schwestern hielten Einkehrtage ab und bildeten Nach­wuchsschwestern aus. In den schweren Jahren des 2. Weltkrieges suchten viele Flüchtlinge, Ver­letzte und Verwundete Unterkunft bei den hilfsbereiten Schwestern.

So lebte auch der Hochw. Herr Abt Ildefons, der gezwungen worden war, die Abtei auf dem Michaelsberg in Siegburg zu verlassen, drei Jahre lang auf Burg Niederbach. Ihm ist es auch wohl zu danken, dass das Burggebäude, mit Ausnahme kleinerer Beschädigungen, vor der Zerstörung bewahrt wurde. Als die vor der amerikanischen Übermacht zurückweichenden, zersplitterten deutschen Einheiten auch durch Oberpleis zogen, versuchte ein junger Leut­nant mit seiner Truppe die Burg zu besetzen, um hier einen Stützpunkt zu bilden.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 41 vom 14.10.1966
Zur Verfügung gestellt von
Anno Schoroth (Bild); Fotograf: unbekannt Die Geschichte von Oberpleis
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