Abgebildete Personen
Aufnahme: 1988
Zum Anhören: "Rötsch mer jet" und die Möschtijallen
Dass Willi Ostermanns launiges Lied "Rötsch mer jet, Angenies" schon früh zum Repertoire des Singkreises Möschtijall gehörte, hat mit einer Bank im Siebengebirge zu tun. Elmar Heinen erzählt:
"Der bekannte Kölner Liederdichter Willi Ostermann (1876-1936), dem wir zahlreiche der besten Karnevalslieder verdanken, war, wie wohl jeder echte Kölsche, ein Freund des Siebengebirges. Besonders angetan war er von der Löwenburg und vom Löwenburger Hof, wo er oft zu Gast war. Für die Karnevalssession 1929 schrieb er das Lied "Rötsch mer jet", das sich die Not der kleinen Leute zur Zeit der damaligen Weltwirtschaftskrise vornimmt: Ein Ehepaar hat nur ein einziges Bett; dort muss sich der dünne Ehemann gegenüber seiner dicken Frau Agnes den Platz zum Schlafen erkämpfen. Der Refrain lautet:
'Rötsch mer jet, Angenies, rötsch mer doch jet; du sühs doch, ich han kein Plaaz em Bett.
Ich lije me'm Rögge he op der Kant, vun morjen av schlofen ich ahn der Wand.
Rötsch mer met, Angenies, rötsch mer doch jet; du sühs doch, ich han kein Plaaz em Bett.
Ich schlofe statt ovends jetz op der Kant vun morjen av ahn der Wand.'
Ostermanns Lied hatte großen - wie er selbst sagte, kolossalen - Erfolg, und aus Freude und Dankbarkeit stiftete er eine Bank für das Siebengebirge, die auf ihrer Rückenlehne die Inschrift "Rötsch mer jet" trug.
Jahrzehnte später, 1986, brachte die Honnefer Volkszeitung in einem Rückblick 'Vor 50 Jahren' eine Notiz vom 8. August 1936, zwei Tage nach Ostermanns Tod, die an die Bank erinnerte und dazu bemerkte, dass die Inschrift auf der Lehne "Rötsch mer jet" zu verwittern beginne.
Damit war die Frage aufgeworfen: Gab es die Bank noch? Wenn nicht, wo hatte sie gestanden? Über den Standort fanden sich nur dürftige und unklare Hinweise. Anfragen beim VVS und bei einigen alten Honnefer Heimatfreunden brachten kein Ergebnis. Eifriges Suchen im Wald führte schließlich zum Ziel: An einem alten, heute längst aufgelassenen und zugewachsenen Fußweg von Honnef zur Löwenburg fanden sich zwei Stützen einer ehemaligen Bank. Nach Lage der Dinge mussten das die Überbleibsel der Ostermannbank sein. Der herrliche Ausblick zum Himmerich und Leyberg, den der Zeitungsartikel von 1936 gerühmt hatte, wäre von dem Standort aus gegeben, war aber längst zugewachsen.
In der 1981 gegründeten Sproch- und Spelljrupp Niederdollendorf, die unter der Leitung von Margret Leischner in Niederdollendorf und der Spielleitung von Hildegard Heinen in Heisterbacherrott stand, reifte der Plan, die Ostermannbank zu erneuern. Aus dem Erlös ihrer Aufführungen des von Wilhelm Schneider-Clauss geschriebenen Stückes "Et jruße Loss" waren Mittel verfügbar, und so wurde unter Mitwirkung des VVS die Bank aus Eichenholz gefertigt mit dem in der Rückenlehne eingeschnitzten Zitat "Rötsch mer jet" und einem Schild, das auf Willi Ostermann und die Sproch- un Spelljrupp hinweist. Da der alte Standort nicht mehr in Betracht kam, wurde ein neuer gesucht, der entsprechend dem Standort der alten Bank im Umfeld der Löwenburg liegen und einen schönen Ausblick nach Süden bieten sollte. So entschied man sich in Absprache mit dem VVS und der Stadt Bad Honnef für den Standort am oberen Rand der Skiwiese. Am 8. Juli 1988 weihte die Sproch- und Spelljrupp die Bank mit einer von Hildegard Heinen entworfenen szenischen Aufführung ein, die vom Singkreis Möschtijall unter Leitung von Edgar Zens aus Oberpleis musikalisch umrahmt wurde."
Welches Lied gesungen wurde? Natürlich "Rötsch mer jet" (Foto oben)!
Wie ging es mit der Bank weiter? Elmar Heinen: "Im Jahre 2009 erneuerte sie der VVS, und so wird sie hoffentlich noch viele Jahrzehnte lang die Besucher des Siebengebirges erfreuen und erinnern an Willi Ostermann, die Sproch- un Spelljrupp und den VVS."
Der Gesang der Möschtijallen gehört dazu; man kann sich über den Link unten ihre Liveaufnahme des Liedes aus dem Jahr 1996 anhören, als der Singkreis Möschtijall im kath. Pfarrheim Stieldorf sein zehnjähriges Bestehen feierte und auch "Rötsch mer jet" anstimmte (Begleitung: Manfred Bosse und Raimund Harth, Gitarre; Michael Tamme, Bassgitarre; Edgar Zens, Klavier).
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