Aufnahme: 1994

Geschichtlicher Rückblick

st. Gewöhnlich schaut man zum Jahresanfang auf das verflossene Jahr zurück und artikuliert seine Erwartungen für das neue Jahr. In den nachfolgenden Ausführungen soll aber einmal an das erinnert werden, was im Jahre 1994 als geschichtliches Jubiläum betrachtet werden kann.

859 wird ein Bauernhof am Pleisbach im Auelgau urkundlich genannt, dem Gau, zu dem auch Königswinter gehört. Der Auelgau ist unter Karl dem Großen gegründet worden. Er erstreckt sich nach Süden bis zum Engers- und Niederlahngau, nach Osten hin bis zum Haigergau und nach Westfalen, nach Norden bis zum Deutzergau, im Westen ist der Rheindie Grenze. Der erwähnte Hof mit Haus und Scheune wird dem Cassiusstift in Bonn geschenkt. Es handelt sich um den Bönnschenhof im kleinen Ort Wahlfeld.

1059 nimmt der Kölner Erzbischof Anno II. nach dem Sieg über den Pfalzgrafen Heinrich den Wütenden den Fronhof Oberpleis in kirchlichen Besitz. Er überträgt ihn als Gründungsgut der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg in Siegburg. 1064 erhält die Siegburger Abtei Besitz in Wintere zugesprochen.

1134 läßt sich der Klausner Walther mit Genehmigung des Kölner Erzbischofs Bruno II. auf dem Stromberg, dem heutigen Petersberg, als Einsiedler nieder. Ihm schließen sich bald einige Gleichgesinnte an, und der Erzbischof verleiht ihnen die Regel des Augustinerordens.

1144 werden in einer Urkunde König Konrads 11. erstmals die beiden Orte Dollendorf unterschieden. Seitdem gibt es bis auf den heutigen Tag Ober- und Niederdollendorf, die aber längst miteinander verwachsen sind. In der Urkunde werden die beiden Orte ebenso wie Königswinter im Süden als Filialen des Stiftes Vilich bestätigt. Die Urkunde nennt für jeden Ort eine Pfarrkapelle, auch für Königswinter.

1149 wird die zur Hälfte fertiggestellte Burg auf dem Drachenfels durch ihren Erbauer, den Kölner Erzbischof Arnold 1. von Randerath, früher Randerode, auf  Bitten des Bonner Propstes Gerhard von Are dem Cassiusstift in Bonn übertragen. Das Stift vollendete in den zwei folgenden Jahrzehnten den Bau der Burg.

1189 ziehen zwölf Zisterzienser-Mönche aus dem Kloster Himmerod in der Eifel auf Bitten des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg und auf Weisung ihres Abtes Eustachius auf den Petersberg, der damals noch Stromberg hieß. Am 22. März kommen sie auf der Höhe an. Sie sind Nachfolger von Propst Walther und weiterer Stiftsherren, die den Stromberg schon vor 1176 wieder verlassen haben und sie übernehmen deren Gebäude.

1199 tritt Cäsarius, der um 1180 geboren wurde und seine Jugendzeit in Köln verlebte, als Mönch in das Kloster Heisterbach ein. Er wird der berühmteste Gelehrte, der je in Heisterbach gewirkt hat. Er selbst schreibt seinen Namen immer „Cesarius".

1249 wird die Burg auf der Rosenau durch das Kloster Heisterbach abgerissen.

1269 ist urkundlich bezeugt, daß es einen Weingarten in Wintere gibt, also Königswinter. Es liegt unterhalb des Drachenfelses und wurde vom Cassiusstift in Bonn dem Kantor Ulrich des Kölner Domkapitels verkauft.

1274 erlaubt der Burggraf Gottfried von Drachenfels in einem besonderen Vertrage dem Domkantor Ulrich zu Köln das Steinebrechen am Drachenfels, vorerst für die Dauer von vier Jahren.

1359 wird in einer in deutsch abgefaßten Urkunde Rauschendorf in der Form Ruschendorff erwähnt.

1414 wird der Malteserhof in Römlinghoven als Lehnshof des Grevenhofs in Oberdollendorf ineinem Weistum erwähnt.

1429 wird in Königswinter ein Siegel benutzt, das bis auf den heutigen Tag gut erhalten ist. Es zeigt eine Mauer mit zwei Türmen, Zinnen und Tor. Daraus geht hervor, daß der Ort schon damals ummauert gewesen ist.

1444 gibt der Herzog von Berg den ihm gehörenden Bungertshof in Oberdollendorf dem Grafen Nesselrode zum Pfand für ein Darlehen von 11000 Gulden.

1484 geht die Herrschaft Löwenburg, zu der Ober- und Niederdollendorf seit der Mitte des 13. Jahrhunderts gehörten, an das Herzogtum Berg über.

1624 wird in Oberdollendorf ein Weistum errichtet, in dem Bestimmungen über Gedinge, Gerichtstage, Pachten und Zinsen zu einer Art Ortssatzung zusammengefaßt sind.

1634 wird die Burg auf dem Drachenfels auf Betreiben des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs zerstört, nachdem sie im Dreißigjährigen Krieg zum Zankapfel und Schlupfwinkel der in- und ausländischen Truppen geworden war.

1659 werden in Oberdollendorf die St.-Sebastianus-Männerbruderschaft und die gleichnamige Junggesellenbruderschaft neu gegründet. Sie sind dieältesten noch heute bestehenden Gemeinschaften des Ortes.

1689 wird Königswinter durch französische Truppen eingenommen und gebrandschatzt. Dreiviertel der Häuser wurden vernichtet. Etwa 600 Reiter und Fußvolk setzten am Mai von Westen her bei Oberkassel über den Rhein, plünderten diesen Ort und zogen über Niederdollendorf nach Königswinter und schließlich weiter nach Honnef.

1694 erhält der kurkölnische Rat Franciscus Achatius als Lehnsträger vom Cassiusstift in Bonndas Lehnsgut Langenburg in Niederdollendorf übertragen. Das Gut hatte damals vier Morgen Weingarten und einen Morgen und sechs Pinten Wiese. Heute steht dort ein Teilder Lemmerzwerke.

1734 wird in Quirrenbach eine Kapelle erbaut, damals aus Fachwerk, das 150 Jahre später durch Mauerwerk ersetzt wird.

1764 wird die Kapelle auf dem Petersberg zu Ostern durch den Abt Hermann Kneusgen konsekriert.

1779 wird die jetzige katholische Pfarrkirche in Königswinter erbaut.

1784 ereignet sich am Schalttag des Jahres das bis dahin höchste Hochwasser.

1814 wird der Notar Giemens-August Schaefer Bürgermeister von Königswinter als Nachfolger des kurz vorher verstorbenen Maire von Schall. 1814 wird ein Jahr nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Drachenfels das Landsturmdenkmal eingeweiht. 1814 wird in Königswinter eine Mineralquelle entdeckt, nach einem Bericht aus dem Jahre 1832 von Bernhard Hundeshagen aus Bonn „die erste und alleinige des sonst so wundersamen Siebengebirges".

1819 erhält Rauschendorf eine selbständige von Stieldorf nicht mehr abhängige Schule. Dafür setzte sich der Gemeindevorsteher Wilhelm Birkhäuser gegen den bis dahin zuständigen Schulvorstand in Stieldorf durch.

1834 wird auf dem Drachenfels etwas unterhalb der Burgruineein Wirtshaus errichtet.

1839 schreibt Ferdinand Freiligrath im Alter von 29 Jahren das Gedicht „Auf dem Drachenfels".

1859 wird der „Strücher Dom" geweiht. Dies ist eine scherzhafte Bezeichnung eines kleinen Kapellchens mitten in Thomasberg.

1864 wird der Bau der evangelischen Kirche in Königswinter vollendet.

1869 wird im Hotel „Zum Stern" in Bonn der Verschönerungsverein für das Siebengebirge gegründet.

1879 wird das Königlich-Preußische Amtsgericht in Königswinter errichtet. Es tritt an die Stelle des Friedensgerichtes des Kantons Königswinter.

1879 wird auf dem Petersberg ein Ringwall aus Basaltblöcken entdeckt.

1884 wird der Bau der Drachenburg auf halber Höhe des Drachenfels durch den Kaufmann Stephan Baron von Sarter vollendet.

1889 werden dem Ort Königswinter, der seit Jahrhunderten als Stadt angesehen wird, offiziell die Stadtrechte nach der Städteordnung für die Rheinprovinz verliehen. 1889 finden in Stieldorf erstmals öffentliche Passionsspiele statt. Sie wurden durch den Stieldorfer Bürger Michael Weyler angeregt, der 1880 Oberammergau besucht hatte.

1894 wird die Bröltalbahn über Oberpleis hinaus bis zum Herresbacher Bahnhof verlängert. 1894 ist die sorgfältige Restaurierung der Pfarrkirche von Oberpleis beendet. Mit ihr ist die schöne Krypta unter dem Querhaus und dem Chor der Kirche wiederhergestellt worden.

1914 wird der 1912 begonnene Neubau des Hotels auf dem Petersberg durch Ferdinand Mülhens, der das Gelände 1911 erworben hatte, vollendet. Dabei wird der frühere Hotelbau der Frau Nelles einbezogen. 1914 stellt die alte Heisterbacher Ölmühle im Mühlental von Oberdollendorf, „ldyllenmühle", ihren Betrieb ein.

1919 gründet Johann Lemmerz in Königswinter einen Betrieb, aus dem sich unter ihm und seit 1935 unter seinem Sohn Paul die bedeutenden Lemmerzwerke entwickeln.

1929 wird Heinrich Horn Bürgermeister von Stieldorf und bleibt es bis zur kommunalen Neugliederung im Jahre 1969. Der Rat der Gemeinde ehrte ihn damals durch die Ernennung zum Ehrenbürger von Stieldorf.

1944 wird am 4. Februar bei einem Bombenangriff die Rosenau durch drei Sprengbombenstark beschädigt. Am 20. März fallen drei Minen auf das Stadtgebiet am Rheinufer. Am 22. April geht ein schwerer Angriff amerikanischer Bomber auf die Altstadt nieder, der Norden der Stadt wird schwer getroffen. 254 Bomben fallen, 56 Menschen werden getötet, 600 Bürger verlieren ihr Heim. Auch Oberdollendorf, Niederdollendorf und Heisterbacherrott erleiden Schäden. 1944 stellt die Reichspost die Postbeförderung mit Kraftwagen ein, weil nicht mehr genug Benzin zur Verfügung steht. Gottfried Koll übernimmt den Postdienst mit einem Pferdefuhrwerk. Von 1944 bis 1945sind in verschiedenen Königswinterer Hotels behelfsmäßig mehrere Kliniken der Universität Köln untergebracht.

1949 wird das Hotel Petersberg zum Sitz der Alliierten Hohen Kommission bestellt, die dort bis März 1952 bleibt.

1949 errichtet man im Nachtigallental ein Denkmal zur Erinnerung an Willi Ostermann, den großen Text- und Tondichter von Karnevalsliedern.

1964 wird Friedrich Müller Bürgermeister von Heisterbacherrott. Er bleibt es bis zur kommunalen Neugliederung.

1969 (am 1. August) wird aus der alten Stadt Königswinter durch Zusammenlegung mit nördlich und östlich von ihr gelegenen Nachbargemeinden die neue Stadt Königswinter gebildet. Seit diesem Tag umfaßt die Stadt Königswinter mehr als 50 Ortsteile. Das Stadtgebiet reicht jetzt vom Rheinufer und den daran liegenden Orten im Westen bis nach Rauschendorf im Norden und bis zum Flugplatz Eudenbach im Osten. Von Westen nach Osten sind es 15 Kilometer und von Norden nach Süden 10 Kilometer. Nach der kommunalen Neuordnung hat Königswinter 31000 Einwohner, 1979 sind es bereits 35000.

1969 wird der Rechtsanwalt Günter Hank zum Bürgermeister gewählt. Er tritt an die Stelle von Dr. Richard Faßbender, der seit 1961 im Amt war. Stadtdirektor der neuen Stadt wird Franz-Josef Schmitz, der zuvor Kreisdirektor im ehemaligen Kreis Bonn­ Land war.

1974 wird zwischen der Stadt Königswinter und der englischen Stadt Cleethorpes, an der Nordseeküste nahe der Humbermündung gelegen, ein Partnerschaftsvertrag geschlossen. Davon künden u.a. der Name eines Platzes in Königswinter und zwei englische Fernsprechzellen in der Altstadt und in Rauschendorf.

1979 wird die gesamte Einrichtung des Hotels auf dem Petersberg unter großer Beteiligung versteigert. Kauflustige waren sogar aus Amerika gekommen. Besonderen Anklang fanden der große Teppich aus der Eingangshalle sowie das Bett, in dem Königin Elisabeth, der Schah von Persien, Breschnew und viele andere Staatsgäste übernachtet hatten.

1984 wird in der Altstadt auf der Rheinallee der Eselsbrunnen aufgestellt. Als spaßhaftes Wahrzeichen der Stadt hat ihn der Oberdollendorfer Bildhauer Ernemann Sander geschaffen. 1984 wird das Siebengebirgsmuseum nach Erweiterung durch einen Anbau und nach großzügiger Neugestaltung wiedereröffnet. 1984 enthüllt die Stadt am Lord-Byron-Platz am Heimatmuseum eine Gedenktafel für den englischen Dichter Lord Byron, der sich um Königswinter verdient gemacht hat.

1989 beschließen die Stadt Königswinter und die französische Stadt Cognac eine Städtepartnerschaft, in deren Folge viele Kontakte hüben und drüben geknüpft wurden.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 1 und 2 vom 06.01. und 13.01.1994; Text: Günther Steeg
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Rudolf Pieper (SZ)
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