Aufnahme: 2019
Heisterbacher Grenzstein in Oberpleis-Weiler
Noch bis in die heutige Zeit hinein erinnern grobe, nur leicht behauene Natursteine mit den Insignien CHB, was auf lateinisch: „Conventui Heisterbacensi tertiam partem" (Dem Kloster Heisterbach den 3. Teil) heißt, an den großen Einfluß und die Besitzverhältnisse der Abtei Heisterbach.
Diese Grenzsteine zeugen von einem uralten Lehn- und Pachtverhältnis der Abtei zu den umliegenden Bauern.
Nachdem die Zisterzienser-Mönche den unwirtlichen Petersberg verlassen hatten, nahmen sie das Heisterbacher Tal in Angriff. Durch zahlreiche unterirdische Kanäle leiteten sie das Wasser zum Rhein hin ab und gewannen somit große Teile fruchtbaren Ackerlandes. Mit den Abwässern speisten sie aber gleichzeitig Stauanlagen, in denen sie Forellen und Karpfen züchteten, da die Zisterzienser im allgemeinen Vegetarier waren. Damit nicht genug, sie rodeten die Wälder und pflegten Acker-, Garten- und schließlich den Weinbau.
Immer weiter dehnte sich der Besitz der Abtei aus. Durch Rodung, Vermächtnis, Schenkung, Kauf oder Tausch hatte sie seit ihrer Gründung nach und nach größere zusammenhängende Berghänge, aber auch einen reichen Streubesitz in ihrer Hand vereinigt. Gerade dem Weinbau widmeten die Mönche ihre besondere Liebe. Bis zur Auflösung 1803 war die Abtei Heisterbach ein bedeutender Weinlieferant, und ihre Weine waren in deutschen Landen berühmt.
Sie vergab Ödland und Waldhänge an tüchtige Bauern aus der Umgebung, mit der Verpflichtung, dort innerhalb von vier Jahren Weinreben anzupflanzen. Dazu lieferte die Abtei jährlich eine Fuhre Weinbergpfähle. Die Weinberge selbst blieben Eigentum von Heisterbach und gingen erst später in den erblichen Besitz der Bauern über. Diese mußten die Weingärten nach altem heimatlichen Brauch bebauen und alljährlich den 3. Teil des Ertrages an den Abt abliefern. Daher stammt auch der Name „Heisterbacher Drittelswingerte." An jeden dieser in Erbpacht verliehenen Weinberge setzte die Abtei ihren Grenzstein.
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