Abgebildete Personen
Aufnahme: 2002
Die Geschichte des Werbekreises Oberpleis, von Hans Hillen
Der Anlass zur Herausgabe des vorliegenden Buches ist der fünfzigste Jahrestag der Gründung des Werbekreises Oberpleis mit seinen Vorläufern „Interessengemeinschaft für Handel, Handwerk und Gewerbe" und „Gewerbeverein Oberpleis". Der Vorstand des Werbekreises hat den Auftrag erteilt, ein Buch zu erstellen, das über den Rahmen einer üblichen Festschrift hinausgeht, um das Oberpleiser Wirtschaftsleben seit ca. 1850 darzustellen auf der Grundlage von Quellenforschung und Aktenstudium, von Gesprächen und Gedächtnisaufzeichnungen handelnder Personen.
Die einzelnen Themen sind zum Teil Arbeiten von Studenten, die als Magisterarbeiten an den Universitäten Bonn und Köln eingereicht wurden. Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Viele Aspekte bleiben sicherlich späteren Betrachtungen vorbehalten.
Die Geschichte des Werbekreises ist auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte von Oberpleis. Ihm seien daher einige Zeilen gewidmet. Die Vorläufer des Werbekreises reichen bis in die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, als sich in dem Gesellenverein, der späteren Kolpingsfamilie, die Handwerker zusammenfanden. Eine erste große Ausstellung fand am 28. und 29. September 1930 im Saale Lichtenberg (hinter der heutigen Siebengebirgsapotheke Gossen) unter dem Motto „Werkschau des jungen Handwerks" statt. Weitere Ausstellungen folgten bis 1933. Zur 1000-Jahr-Feier von Oberpleis 1948 organisierten die aus dem Krieg heimgekehrten Handwerker und Landwirte die Ausstellung
„Schaffende Hände dienen der Heimat".
In den Jahren 1949, 1950 und 1951 stieß der ortsansässige Handel zu dieser Gruppierung und veranstaltete sogenannte „Gewerbeschauen" gleichzeitig in den Sälen Bellinghausen und Lichtenberg, es kam sogar zu einer mehrtägigen Ausstellung im Saal der Gaststätte Sutorius in Stieldorf.
In dieser Zeit wurde auf einer geselligen Fußwanderung durchs Siebengebirge mit dem Verein zur Heimatpflege (Besitzer der Oberpleiser Hardt), der Kolpingsfamilie und einigen Geschäftsleuten der Gedanke eines Zusammenschlusses zu einer Interessengemeinschaft geboren. Im Jahr 1952 wurde dann die „Interessengemeinschaft Handel-Handwerk-Gewerbe" gegründet. Das Gründungsdokument unterschrieben 42 Personen bzw. Firmen.3 Drei Gründungsmitglieder, Josef Neuhöfer, Franz Vogt und Ernst Dahs, leben heute noch. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf DM 4,- festgesetzt. Maßnahmen sollten durch Umlagen finanziert werden. Erster Vorsitzender war Hans Mies. Leider liegen aus der Folgezeit keine schriftlichen Unterlagen bzw. Protokolle vor. Trotzdem gibt es einige Dokumente, die die Aktivitäten der Interessengemeinschaft belegen. So kam es vom 11. bis 13. Dezember 1954 zu einer großen Weihnachtsausstellung im „Kinosaal und im Saale Hermann Buchholz". Diese Ausstellung wurde unterstützt durch eine farbige, mehrseitige Postwurfsendung, die mit einer Gesamtauflage von 7500 Stück an alle Haushalte verteilt wurde. Am 3. Juli 1953 kam es zur Gründung der Glasnotgemeinschaft zur Finanzierung der Glasbruchschäden an Schaufenstern, zunächst nach dem Umlageverfahren. Nach Streitereien wurde das System am 15. November 1964 auf eine neue finanzielle Basis gestellt, sodass Rücklagen gebildet werden konnten. Nach Erreichen eines Mindestsockelbetrages konnten ab 1990 die Glasschäden aus den Zinserträgen finanziert werden.
Eine weitere Aktivität war seinerzeit die Anschaffung einer Weihnachtsbeleuchtung, dergestalt, dass Lichterketten quer über die Straße von Haus zu Haus gespannt wurden. Die Stromkosten übernahm die Amtsverwaltung. Im Jahre 1958 begann die Arbeit an einer Satzung. Nach mehreren Entwürfen wurde auf einer Generalversammlung am 30. September 1958 die Satzung von den anwesenden Mitgliedern gebilligt und durch ihre Unterschrift auf einem Satzungsexemplar beschlossen. Neuer Erster Vorsitzender wurde Josef Neuhöfer. In den folgenden Jahren befasste man sich mit wichtigen Problemen der innerörtlichen Entwicklung. Straßenbeleuchtung, Gestaltung der Bürgersteige, Bebauungspläne, Probleme der Wasserleitungsgenossenschaft Oberpleis, Weihnachtsbeleuchtung und -werbung waren Themen von Beratungen und Versammlungen. Interessanterweise wurde damals schon die Siegburger Straße als Problemfall behandelt. Ab 2. Dezember 1964 wurde Ferdinand Dohle Erster Vorsitzender. Die letzte Generalversammlung war am 15. November 1965. Danach trat der Gewerbeverein in eine Ruhephase. Das Amt Oberpleis verlor seine Selbständigkeit und ging mit der Neuordnung der Städte und Gemeinden 1969 in der Stadt Königswinter auf.
Die positive wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region hing unmittelbar mit der Gestaltung Bonns als Bundeshauptstadt zusammen. Die Einwohnerzahlen stiegen sprunghaft. Neue Bebauungsgebiete wurden ausgewiesen. Gleichzeitig stieg auch der Bedarf an Schulen. Von der Errichtung des Schulzentrums in Oberpleis gingen auch starke wirtschaftliche Impulse für die Gemeinde aus. Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre gab es eine Umstellung in den Unternehmen, die nachfolgende Generation trat in den Vordergrund, es gab neue, junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die den eingeschlafenen Gewerbeverein wiederbeleben wollten. Und so kam es zur denkwürdigen Einladung des noch immer Ersten Vorsitzenden Ferdinand Dohle zur Neugründungsversammlung am 4. November 1982 im Alten Zoll.9 31 Firmen waren der Einladung gefolgt. Franz Richard Vogt übernahm als Erster Vorsitzender die Führung. Die bestehende Satzung musste „entrümpelt" werden. Der Verein sollte als e.V. eine neue rechtliche Basis erhalten. Am 7. Dezember 1982 fand in der Gaststätte Gertrudenhof im Auel die Neugründung statt. Die neue Gruppierung nannte sich „Werbekreis Oberpleis". Als erste Maßnahme nahm der Werbekreis die Tradition der früheren Jahre wieder auf und beschloss die Durchführung einer Gewerbeschau. Die am 17. April 1983 in der Schulaula veranstaltete Schau war mit ca. 5000 Besuchern ein durchschlagender Erfolg. Eine langfristig angelegte Planung war die Anschaffung bzw. Anbringung der Weihnachtssterne an den Häusern. Es waren dies rein private Investitionen der Mitglieder. Der 1. Adventssamstag gilt in der Region als Sternensamstag, auch heute noch eine sehr beeindruckende Lichter schau in der Weihnachtszeit. Als Vorläufer des „Oberpleis Sonntags" gestaltete man 1985 einen „Oberpleiser Sommer", konzipiert als Handwerkermarkt auf dem Kirchplatz. Heftig diskutiert wurde seinerzeit die Ansiedlung von Supermärkten im Ort. Eine Frage, die sich aus heutiger Sicht mit der Ansiedlung von vier innerörtlichen Großmärkten positiv beantwortet hat. Die vorherrschende Meinung war damals schon, dass man sich diesen Ansiedlungen nicht verschließen dürfe, wenn sie innerörtlich stattfinden. Ladenöffnungszeiten, Verkehrsplanung, Parkplätze, Sauberkeit waren Themen, mit denen man sich regelmäßig beschäftigte. Die entscheidende Frage wurde auf einer Mitgliederversammlung am 7. Oktober 1985 von Doris Hödtke gestellt: „Ob nicht evtl. ein verkaufsoffener Sonntag gemacht werden kann?"
Am 3. Februar 1988 beschloss der Vorstand unter TOP 3 einen jährlich wieder kehrenden verkaufsoffenen Sonntag als sogenannten „Oberpleiser Sonntag" einzuführen. Termin: Erster Sonntag im September. Am 30. März 1993 wurde Hans Hillen zum neuen Ersten Vorsitzenden gewählt. Auf einem vom Werbekreis am 22. Februar 1994 in der Volksbank veranstalteten Hearing zu verkehrspolitischen Fragen in Oberpleis, wurde der Vorschlag eines Kreisverkehrs „Ecke Dollendorfer-Siegburger-Herresbacher Straße" an die anwesenden Fraktionen des Stadtrates herangetragen .12 Obwohl wir auf die Verwirklichung einige Jahre warten muss ten, hat sich die Errichtung der Kreisverkehre sehr bewährt. Um die heimischen Ressourcen für Oberpleis als Mittelpunktstandort in der Bergregion mit einzubeziehen, fand am 6. September 1998 erstmals der „Oberpleiser Sonntag" mit einer „Apfelbörse" statt. Vier Apfelproduzenten aus der Region präsentierten ihre Produkte.
Die Attraktion war eine Wiegeaktion mit Bürgermeister Herbert Krämer und Stadtdirektor Martin Bernert.
Die verkaufsoffenen „Oberpleiser Sonntage" - in diesem Jahr der Fünfzehnte - haben mittlerweile Volksfestcharakter mit starker Ausstrahlung in die Region und steigenden Besucherzahlen. Im Laufe des Jahres 1999 gab es intensive Beratungen im Vorstand über eine Öffnung des Werbekreises in die Region hinein, die konsequenterweise zur Gründung der Interessengemeinschaft der Gewerbevereine der Bergregion Königswinter am 21. 6. 2000 führte. 13 Damit gab es auch eine ausreichende Plattform für einen gemeinsamen Internetauftritt. Vorstandsmitglied Franz Bellinghausen trieb die manchmal recht mühevolle Arbeit voran. Unter der Adresse: www.königswinter-bergregion.com ist inzwischen ein stattliches Vademecum von Firmenauftritten, Werbung und Wissenswertem aus der Bergregion zu finden. Zur Ergänzung des im Herbst stattfindenden „Oberpleiser Sonntag" gelang es dem Werbekreis, einen 2. verkaufsoffenen Sonntag im Frühjahr zu installieren. Am 18. Mai 2001 gestalteten 10 Baumschulbetriebe aus der „Baumschulregion mit Tradition" erstmals den „Grünen Sonntag" mit einer herrlichen Begrünung des Kirchplatzes. „Könnte der Kirchplatz nicht immer so sein," war die tausendfache Reaktion des begeisterten Publikums.
Ein wesentlicher Teil der heutigen Vorstandsarbeit besteht darin, über Zukunftsperspektiven zu diskutieren, Entwicklungen vorauszudenken und Einfluss auf die Gestaltung des Ortes zu nehmen. Der Werbekreis besteht bei Drucklegung aus 120 Mitgliedern.
An dieser Stelle ist allen zu danken, die am Zustandekommen dieses Buches mit gewirkt haben. Besonders danken möchte ich meiner Schwiegertochter Barbara und meinem Sohn Christian, der von Beginn an maßgeblich an der Realisierung beteiligt war. Mein Dank gilt auch den Autoren, die in mühevoller Kleinarbeit die Fakten zusammengetragen haben. Herzlichen Dank allen, die ihre Firmenarchive zur Verfügung gestellt und mündliche Auskünfte erteilt haben. Hervorheben möchte ich die Zusammenarbeit mit den Familien Dahs, Jüngsfeld, Neuenfels und Lichtenberg, der Familie Werner Klein sowie der Familie Walter Pütz, die uns Einblicke in ihre Familienarchive gewährten und seltene Fotos und Bilder zur Verfügung gestellt haben. Für die Beratung zur Drucklegung und technischen Ausführung danke ich unserem Vorstandsmitglied Franz Wilhelm Gladbach, für die Umschlaggestaltung der Werbeagentur Headware. Viele Fotos stammen aus den Privatarchiven von Dietrich Rux und F. W. Gladbach, herzlichen Dank.
Königswinter-Oberpleis, im Mai 2002
Hans Hillen
1. Vorsitzender Werbekreis Oberpleis
Anmerkungen
Neuhöfer, Das Handwerk (Ms. masch.).
2 Gespräch mit Josef Neuhöfer 22. 5. 2002.
3 Archiv Werbekreis.
4 Archiv Werbekreis.
5 Archiv Werbekreis.
6 Brief an die Mitglieder von Johann Hillen.
7 Archiv Werbekreis.
8 Protokollbuch Werbekreis, Sitzung vom 30.9.1958.
9 Archiv Werbekreis.
10 Protokollbuch, Sitzung vom 7. 12. 1982.
11 Protokollbuch, Sitzung vom 7.10. 1985.
12 Sitzungsprotokoll Hearing am 22.2. 1994, 20.00 Uhr, Raiba.
13 Protokollbuch, Sitzung vom 21. 6.2000.
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