Aufnahme: 1978

Aus der Geschichte von Oberpleis und der Umgebung, 2. Teil

"Oberpleis wird zum ersten Male urkundlich erwähnt.

Am 9. November 859 wird Oberpleis erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit bestand aber schon längst der Propsthof, der die „Gemarkung an der oberen Pleis" beherrschte. Der Besitzer des Propsthofes war ein Graf Rembald. Dieser Graf schenkte am obengenannten Tage dem Cassiusstift (Bonner Münster) in Bonn „einen Hof mit Hütte und Scheune", der in „Walevelt" lag. Es handelt sich hierbei um den Bönnschenhof in Wahlfeld.

Nach dieser Urkunde ist also der Propsteihof unzweifelhaft der Urhof, das Zentrum, das Herz der Geschichte von Oberpleis. Aus diesem Urhof entstand später das Dorf Oberpleis. Seltsamerweise ist schon recht früh von Besitztümern in und um Oberpleis die Rede, von einer Kirche jedoch hören wir nichts. Zu welcher Kirche der Oberpleiser Besitz gehörte, lässt sich nicht genau bestimmen.

Vom Bonner Cassiusstift her wird die kirchliche Organisation des Auelgaues geordnet worden sein. Das Stift in Bonn hatte durch vielerlei Schenkungen überhaupt sehr viel Besitztum im Pleistal. Die erste Nachricht von einer in Oberpleis bestehenden Kirche bringt uns eine Urkunde des Kölner Erzbischofes Wichfried aus dem Jahre 948, die in einer Abschrift auf Pergament erhalten geblieben ist:

(1) Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit.
(2) Wichfried, der heiligen Kölner Kirche durch göttliche wohlwollende Gnade Erzbischof.
(3) Der Eifer aller gegenwärtigen wie auch zukünftigen (Gläubigen) der heiligen Kirche    Gottes soll wissen,
(4) wie wir von der Liebe zu Gott getrieben, im neunhundertachtundvierzigsten Jahre nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus, in der sechsten Indiktion, im 13. Jahre der Regierung des glorreichen Königs Otto,
(5) die unten genannte Grenzbestimmung vollzogen haben und als unverletzlich aus der Fülle unseres Amtes für die Kirche der heiligen Märtyrer Primus und Felicianus und des heiligen Bekenners Augustinus, die erbaut wurde auf dem Hofgute, das Pleis genannt wird, im Gau „Aualgau" unter der Grafschaft des Grafen Herimann in Ewigkeit als Besitz festlegen,
(6) dass alles, was vorher zu derselben (Kirche) abgetrennt worden war, unverändert verbleiben soll
(7) und die neugerodeten Äcker, die an diese Kirche angrenzen und bisher unbestimmt waren, dorthin fest gehören sollen.
(8) Das ist von der Quelle des Blankenbaches aufwärts nach Wellesberg und von dort nach Sundunberg (Eudenberg), bis Hanf und wie die Hanf (Hanf-Bach) fließt bis zur Quelle des boletrebiechi und dem Liwenstein und von dort zur Quelle des merbiechi und so aufwärts bis zur Quelle des Quirrenbaches und so bis zum thassesberg (Daasberg) und von dort bis zum Hintberg (Heimberg), und vom Himberg bis zur Hunophorepleisa, und wie die Pleis fließt bis zum Argenbag (Labach) und von dort bis zum Wizonstein (kleiner Ölberg) und so bis nach blikardaroth bis zur Quelle des Notarbeichi (Lauterbach) und wie der Notarbag (Lauterbach) fließt bis zum Watanbrunnon (Mattepützchen), und von dort bis zum Fulkinesberg (Rotberg oder Scharfenberg), bis zum Hennisbag und vom Hennisbag bis zur Pleis und vom Blankenbach bis zur Pleis,
(9) und vom Herrenhof des Wiching (Wichelshof) zu Bonn der Zehnte,
(10) und von dem Hof zu Liudendorf des Franko den Zehnten.
(11) Und damit diese Grenzbestimmung rechtskräftig und unverändert bleibe, haben wir sie durch die Hand edler Männer bezeugen lassen.
(12) Wenn aber jemand, was wir keineswegs glauben, von dieser amtlichen Willensäußerung unserer Entscheidung abzuweichen oder sie nichtig zu machen wagen würde, so soll er Blick auf Pfarrkirche und den Propsteihof, den Urhof von Oberpleis. Aus ihm entstand später das Dorf Oberpleis.
dem Gerichte des heiligen Geistes verfallen.
(13) Zeichen des Erzbischof Wichfrid, Zeichen des Propstes Gevard, Zeichen des Propstes Hildibert.
(14) Ich, Adalbert, ein unwürdiger Diakon, habe diese Carta (Urkunde) geschrieben.
Wir verdanken die erneute Übersetzung dieser Urkunde dem früheren Kaplan an St. Pankratius zu Oberpleis, Erwin Düster. Er hat im lateinischen Text der Urkunde nicht nur das „u" und „e" an den entsprechenden Stellen auf die heutige Schreibweise in „v" * und „ae" abgeändert, sondern auch die Satzzeichen dem Sinn entsprechend nach heutigem Gebrauch eingesetzt. Außerdem hat er den Text der Originalkopie, der durchlaufend ist, durch sinngemäße Absätze mit vorgesetzten Zahlen übersichtlicher gestaltet. Auf Grund dieser Urkunde feierte Oberpleis im Jahre 1948 seine Tausendjahrfeier. Gemäß dieser Urkunde gehörte zum Urhof (Propsteihof) eine vermutlich im 9. Jahrhundert erbaute Kirche, die den drei Heiligen Primus, Felicianus und Lupianus geweiht war. Sie erhielt von Erzbischof Wichfrid die Rechte auf den zehnten Teil der Frucht vom neugerodeten Land. Außerdem wurde nun der Pfarrbezirk genau umgrenzt. Er umfasste die früheren Gemeinden Oberpleis und Aegidienberg. Im Zuge der von Honnef ausgegangenen Rodungen und Besiedelungen (Honneferrode) ergab sich aber im 12. Jahrhundert die Notwendigkeit, in Aegidienberg eine neue Pfarre zu begründen. Zu dieser Zeit schied also die Pfarre Honneferrode Aegidienberg aus dem Oberpleiser Pfarrverband.

Die Gründung eines Klosters in Oberpleis
Etwa um 1060 hören wir wieder von Oberpleis. Erzbischof Anno II, dessen Gebeine in der Abtei Michaelsberg in Siegburg ruhen, besiegte den Pfalzgrafen Heinrich den Wütenden, der damals den Auelgau beherrschte, zu dem auch Oberpleis gehörte. Zur Deutung der Bezeichnung „Auelgau" und dem Sitz des Gaugrafen schreibt Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans: „Zur Zeit Karls des Großen und dessen Nachfolgern wurde das neubesetzte Land in Gaue und diese wieder in Markgenossenschaften und Honschaften eingeteilt. An der Spitze des Gaues stand der Gaugraf. Dieses hohe Amt wurde ihm vom Kaiser übertragen und war nicht erblich. Er hatte seinen Sitz auf dem Siegburg, später Michelsberg genannt. Nach der zweimaligen Teilung des fränkischen Reiches (843 und 870) verblieben wir mit Niederlothringen im ostfränkischen Teil, dem späteren Deutschland. Von nun ab nannte man die Gaugrafen Pfalzgrafen.

Der Name Auelgau kommt von dem Worte Auel her, das ist eine fruchtbare Wiesenlandschaft an Seiten eines Flusses oder Baches. So liegen viele Orte dieses Namens inmitten der Sieg-und Aggerlandschaft: Lützgenauel, Bülgenauel, Oberauel, Auel, Schachenauel, Rosauel, Haus Auel usw. Manche Historiker möchten den Ölberg als Sitz des Gaugrafen gelten lassen. Doch das ist unwahrscheinlich, da doch der Ölberg auch nie eine Burg getragen hat und ganz an der Peripherie des Gaues lag. Auch hätte man besonders beim Betrieb der beiden großen Steinbrüche, die ja bis zur Spitze des Berges hinaufreichten irgendwelche Reste an Schutt oder Bausteinen finden müssen. Die gleiche Ansicht vertrat auch der ehemalige Hauptlehrer Schonauer, der über vierzig Jahre lang als Geologe das Siebengebirge betreute. Dagegen liegt der Michelsberg mitten im Zentrum des Gaues.

Sollte der Name Auel mit dem Töpfergewerbe zusammenhängen, so würde das für Siegburg mit dem Michelsberg in besonderem Maße zutreffen als Mittelpunkt der berühmten Siegburger Töpferei. Der beste Beweis aber ist der, dass der letzte Pfalzgraf auf dem Michelsberg seinen Sitz hatte, bis ihn Erzbischof Anno II. von Köln im Jahr 1060 diese Burg nahm und daraus ein starke Klosterfestung errichtete." Erzbischof Anno II. übernahm als Beutegut nicht nur den Michaelsberg sondern auch den Oberpleiser Urhof mit seiner Kirche. Wahrscheinlich hat die immer mehr zunehmende Zahl der Mönche im Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg dann zur Gründung eines Tochterklosters St. Pankratius Oberpleis geführt.

Außerdem boten der große Besitz, den die Siegburger Abtei aus dem pfalzgräflichen Besitz in und um Oberpleis übernommen hatte, günstige wirtschaftliche Grundlagen zur Unterhaltung einer Propstei die dazu räumlich sehr nahe bei dem Mutterkloster lag. über die Oberpleiser Propstei als Baudenkmal werden wir im weiteren Verlauf unseres heimatkundlichen Beitrages ausführlich berichten. Wir wollen uns zunächst einmal mit der politischen Seite der Propsteigründung beschäftigen."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 12 vom 19.03. 1971
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter / Clemens Bröhl
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Ortsgeschichte Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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