Aufnahme: 1971

Aus der Geschichte von Oberpleis und der Umgebung, 1. Teil


"Dem Wunsche zahlreicher Leser — und hier insbesondere von Neubürgern — entsprechend, beginnen wir heute mit dem Abdruck eines neuen heimatkundlichen Beitrages, der sich über mehrere Folgen erstrecken wird. Diese Abhandlung ist z. T. eine Zusammenfassung von vielen kleineren Berichten, die die Siebengebirgs-Zeitung bereits früher veröffentlicht hat; sie soll aber auch durch Hinzuziehung zahlreicher Literatur eine Ergänzung zu dem bisher Erschienenen darstellen. Möge diese Artikelserie den Neubürgern ein besseres Verständnis für ihre neue Umgebung bringen und den Alteingesessenen den Sinn für die so oft unerkannten und unbeachteten Schönheiten der Heimat öffnen.

Die vorgeschichtliche Zeit
Wann und wie ist Oberpleis entstanden? Leider fehlt gerade in dieser Frage eine ausführliche und genaue Beschreibung. Wann die ersten Menschen das Pleiser Hügelland besiedelten, ist ganz ungewiss. Zunächst wird das unwirtliche Gebiet, das aus großen Wäldern (Eichen und Buchen) bestand, nur der Jagd gedient haben. Dies beweisen Funde von Steinkeulen und Regenbogenschüsselchen sowie keltischen Münzen. Unter anderem wurden gefunden: In Eudenbach drei Steinbeile, zwei Steinfaustkeile und Schmuckbroschen und Perlen. An der Straße von Herresbach nach Berghausen wurde bei Feldarbeiten ein sog. Nephritbeil gefunden. Bei Rodungsarbeiten wurde 1939 in Frohnhardt ein Steinbeil entdeckt. 1905 fand man in Stieldorferhohn und 1950 in Hartenberg beim Dünnen eines Rübenfeldes jeweils sog. „Regenbogenschüsselchen".

Es handelt sich hierbei um „Tropfen des Regenbogens", kleine schüsselförmige Gold-, meist silberlegierte Münzen aus dem zweiten und ersten vorchristlichen Jahrhundert. In Oberpleis wurde ein Bronzearmring gefunden ohne nähere Fundnachricht. Alle diese Funde beweisen zwar die Existenz von Menschen, die vereinzelt als Jäger oder als wandernde Familien durch unsere Heimat zogen, jedoch von einer festen Ansiedlung geben sie nicht Zeugnis. Das Pleiser Hügelland mit dem vorgelagerten Siebengebirge bildete zu jener Zeit ein fast undurchdringliches Urwalddickicht mit Bären, Höhlenlöwen und Höhlenhyänen. Die Urbewohner konnten mit ihren primitiven Steingeräten den Urwald mit seinen Untieren nicht bezwingen und mussten sich deshalb auf die Besiedlung der flut- und waldfreien Dünensäume am Rande der Kölner Tieflandbucht beschränken, die man wegen ihrer Bedeckung mit Heidekraut, die „Heideterrasse" nannte.

Die Besiedelung des Pleiser Hügellandes
Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans schreibt in einer früheren Abhandlung zur Besiedelung des Pleiser Hügellandes folgendes: „Eine Besiedelung kann nicht vom Rheine her, sondern nur von der Kölner Tieflandbucht aus, also von der „Heideterrasse" bei Hangelar und Niederpleis aus, erfolgt sein. Sie folgte dann den Bachläufen des Pleis- und Lauterbaches aufwärts bis zu den Hochflächen der Bergrücken. Diese vollzog sich in jahrhundertelangen Zeiträumen, etwa von 500 bis 1100 n. Chr. Den Franken, die diese Besiedlung kräftig vorantrieben, waren Bronze und Eisen schon bekannt. Sie waren ein naturhaftes Volk von Ackerbauern, das sich unter der festen Regierung ihrer Könige stark vermehrte und sich deshalb ausdehnen musste. Sie kannten schon alle Haustiere und fast alle Getreidearten und bauten feste Holzhäuser in rundumschlossener so genannter „fränkischer" Hofform. Sie brauchten also trockenen, waldfreien Ackerboden, weite Wiesenflächen und in der Nähe Wasser und endlich zur Herstellung ihrer Töpfe den Ton sowie für die Geräte und Waffen das Eisen. 

Dieses alles bot ihnen das Pleistal in reicher Fülle, besonders auch mit den waldfreien, lößbedeckten Hochflächen bei Stieldorf und Rauschendorf und weiter aufwärts. Den Ton fanden sie in den mächtigen Tonlagern bei Niederpleis, Birlinghoven, im Dambroicher Wald und bei Oberpleis. Das Roheisen in Form von kopfgroßen „Knollen" und zentnerschweren zu Eisen „versteinerten Baumstämmen" lagerte reichlich in den Tonschichten. Mit Hilfe der Holzkohle wurde es verhüttet. Davon zeugt eine im Dambroicher Wald aufgezeichnete „Grube Gottessegen". (Messtischblatt) die bis zur Wende des 19. Jahrhunderts tätig war. Da die Franken schon Christen waren und ihre Toten nicht mehr verbrannten und in Urnen einschlössen, sondern sie lang in der Erde begruben, sind deren Gebeine schnell zu Staub und Asche verwittert. Deshalb fehlen bei uns leider die Urnengräber. Aus jener Zeit sind nur ein Steinsarg in Oberpleis und ein Frankengrab, das der Besitzer des Burghofes in Oberholtorf im Acker anpflügte, nebst einigen dabei lagernden Eisenwaffen, bekannt. 

Und so verbleiben uns zur Bestimmung der Zeit, wann die Besiedlung erfolgte, nur die Ortsnamen. Die Franken nahmen zuerst das von ihren Vorgängern verlassene Land auf der Heideterrasse in Besitz, etwa um 500 n. Chr., und es weisen noch einige Ortsnamen mit den Endungen -mar und-lar auf jene hin, z. B. Holzlar, Hangelar, Eschmar. Von da aus stießen die Franken allmählich weiter vor, zunächst nur in Form von Einzelhöfen, die die Eltern ihren aussiedelnden Söhnen bauen halfen und die außer der Endung -hoven - Hufe — noch den Namen der Familie trugen, z. B. Birlinghoven — Hof des Birling. Der Name Hof oder Hufe bedeutet einen Hof für ein Pferd in Größe von etwa 30 Morgen, ohne Wald und Weide. Eine Reihe von Ortschaften, die vorn am Rande der ansteigenden Höhenrücken liegen, tragen den Namen -hoven: Bechlinghoven, Edinghoven, Birlinghoven, Hoven, Edgoven. Ihnen folgten Siedlungen mit nur wenigen Häusern, die man Weiler oder Winkel nannte: Weiler, Winkel, Freckwinkel, Uthweiler.

Dann machte man auch die sumpfigen Stellen durch Entwässerung siedlungsfähig. Diese Orte tragen die Endung -broich und -bruch: Schmerbroich, Dambroich. Im nächsten Zeitraum setzte die Besiedlung in stärkerem Maße ein. Man gründete nach festgelegtem Plan Dörfer, je nach ihrer Anlage als Reihen, Haufen- oder Kreuzungsdörfer. Sie liegen auch noch in der Ebene in einem weiten Ring vor den Höhenrücken: Rhöndorf, Dollendorf, Mülldorf, Stoßdorf und auf den sanft ansteigenden Höhen die Lößböden von Rauschendorf und Stieldorf (600-700 n. Chr.). Somit war man mit dem waldfreien Gelände zu Ende, und man sah sich nun gezwungen, dem Wald zu Leibe zu rücken. Mittlerweile waren die Eisenwaffen und Werkzeuge verbessert und letztere um die Säge vermehrt worden, so dass man den Kampf wagen durfte.

Man fing allenthalben zu roden an, und es liegt ein ganzer Kranz von Dörfern um die Höhenrücken mit den Endungen: -rott, -holz, -busch, -hag, -haen, -höhn, -höhn, z. B. Hoholz, Holtorf, Großenbusch, Sonderbusch, Stieldorferhohn, Pleiserhohn, Rott, Bockeroth, Düferoth, Boseroth, Hasenboseroth, Heisterbacherrott (um 800 n. Chr.) So war man endlich auf den Höhen gelandet, und es tragen nun die neugegründeten Ortschaften naturgemäß die Endung -berg, z. B. Sonnenberg, Nonnenberg, Hartenberg, Hühnerberg, Thomasberg, Aegidienberg, Himberg (900 n. Chr.). Auf der Wasserscheide finden wir dann die Orte auf -scheid: Hüscheid, Döttscheid, Ruttscheid, Sandscheid, Bennerscheid, Orscheid, Wülscheid (um 1000 n. Chr.) und endlich die Namen mit -hausen: Rübhausen, Berghausen, Westerhausen (um 1100 n. Chr.) und so war etwa um 1200 unsere ganze Heimat besiedelt."

Der Name Oberpleis
Der Name Pleis (pleysa, pleisa, blei- sa) galt zuerst dem Bach, denn pleis- aha heißt Pleis-Wasser, Pleisbach. Er ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs, wie auch die benachbarten Bäche und Flüsse: Rhenus gleich Rhein, Siegana gleich Sieg, Hannapha gleich Hanfbach-Hennef und Hunnapha-Hon- nef. Die Kelten waren ein vorgermanischer Volksstamm, der das niederrheinische Gebiet bis zur Nordsee bewohnte. Pleysa hieß zunächst die Siedlung am Unterlauf des Pleisbaches (Niederpleis). Erst als später die Siedlung an der oberen Pleis entstand, nannte man diese ebenfalls nach dem Bache Pleysa (Oberpleis)."
Fortsetzung folgt

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 11 vom 12.03. 1971
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet; Scan: Heinrich Röttgen Die Pfarrkirche von Oberpleis und deren Geschichte
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Ortsgeschichte Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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