Aufnahme: 1971
Aus der Geschichte von Oberpleis und der Umgebung, 5. Teil
Die Oberpleiser Wasserburg um 1300, von Westen gesehen. So glaubt Herr Gottfried Emans, habe die Burg Pleis ausgesehen. Er ist fest davon überzeugt, dass sie auf dem Gelände des heutigen Hauses Niederbach gestanden habe.
In den vorausgegangenen vier Folgen schilderten wir die vorgeschichtliche Zeit, die allmähliche Besiedelung des Pleiser Hügellandes und versuchten den Namen Oberpleis zu deuten. Wir schilderten weiter, wie es zur Gründung einer Propstei in Oberpleis kam; und über den Kampf der Pröpste mit ihren Vögten, den Grafen von Berg. In diese jahrzehntelangen Zwistigkeiten fällt auch die Zerstörung einer Burg, die irgendwo in Oberpleis gestanden haben soll. Wir versuchten den Standort dieser Burg herauszufinden, indem wir zahlreiche Verfasser zitierten. Einer von ihnen, Herr Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans, ist fest davon überzeugt, dass diese Burg, als Wasserburg auf dem heutigen Gelände des Hauses Niederbach in Oberpleis gestanden habe. Unsere letzte Folge Schloss damit, dass wir versuchten durch eigene Nachforschungen und Besichtigungen die Theorie des Verfassers zu bekräftigen.
Wo hat die Burg Pleis gestanden?
Wir sagten uns, wenn die Theorie des Verfassers unseres Heimatberichtes stimmt, dann müssten doch an irgendeiner Stelle noch alte Mauer- oder Fundamentreste zu finden sein. Eine solch große Anlage kann nicht restlos vernichtet werden. Bei einer ausführlichen Besichtigung des Gebäudes und seiner Anlagen entdeckten wir dann tatsächlich im Kellergewölbe des Hauses Niederbach eine Fensternische, deren Mauerwerk evtl. auf alte Überreste der ehemaligen Burganlagen schließen lässt. Das Mauerwerk ist an dieser Stelle etwa 2 m dick. Die Fensteröffnung verjüngt sich nach außen hin und schließt mit einem Eisengitter ab. Von hier aus führt ein Luftschacht außen bis zur Erdoberfläche. Das Gemäuer unterscheidet sich von dem übrigen Mauerwerk des Gebäudes durch seine dunkelbraunen, feuchten und etwas glitschigen Steine. Eine Gesteinsprobe, die wir durch den Geologen, Herrn Dieter Lang, Bonn, Venusberg, prüfen ließen, ergab, dass es sich hierbei um Grauwacke handelt, die ja bekanntlich zum Bau von Burgen in früher Zeit verwendet wurde. So wurde ja beispielsweise die Burg Blankenberg ebenfalls aus Grauwackesteinen erbaut.
Die weißen Mörtelstreifen zwischen den einzelnen Steinen des Mauerwerkes ist sogenannter Trass. Da unsere Vorfahren noch keinen Zement in der heutigen Form kannten, wurde als Bindemittel ausschließlich Trass gebraucht. Trass hat die Eigenschaft im Wasser zu versteinern und war deshalb ein vollkommener Zementersatz. Trass ist ein Bodenerzeugnis der Eifel und wird in der Gegend von Kruft/Plaid auch heute noch in wenigen Mengen gefördert. Er wird als Steine gebrochen, wird aufgeschichtet und muss mindestens ein Jahr an der Luft trocknen, bis er gemahlen werden kann. Früher war auch bei Heisterbach ein Trass vorkommen; es heißt dort heute noch im Volksmund: „An der Traßmöll". Das übrige Mauerwerk des Hauses Niederbach besteht aus einem wesentlich helleren Gestein. Laut Prüfung durch den o. g. Geologen handelt es sich hierbei um einen quarzitischen Sandstein, der erst in späterer Zeit zu Bauzwecken Verwendung fand.
Könnte also diese Fensternische (s. Bild unten) nicht tatsächlich noch ein Überbleibsel der ehemaligen Wasserburg darstellen, zumal solche unnormal starken Fundamente seit Jahrhunderten in dieser Art nicht mehr gebaut werden? Natürlich sind alle bisherigen Ausführungen letzten Endes nur bloße Vermutungen. Einen wirklich hundertprozentigen Beweis für die Lage einer Wasserburg an der Stelle des Hauses Niederbach könnten nur umfangreiche geologische und wissenschaftliche Ausgrabungen und Nachforschungen erbringen.
Pastor Erwin Düster (früher Kaplan an St. Pankratius zu Oberpleis) schreibt in der Festschrift zur Tausendjahrfeier 1948 über den Ringwall und die vermeintliche Wasserburg folgendes:
„An der Stelle, wo diese Grenze (Oberpleiser Gemeindegrenze) unterhalb von Bennerscheid (= Scheide des Bannes von Oberpleis und Uckerath) den Weg zwischen Neuglück und Altglück etwa 200 m unterhalb Neuglück schneidet, liegt rechts vom Wege in einem Tannenbestand ein alter Ringwall, der sofort an der Grenze gerade noch auf Uckerather Gebiet liegt. Man hat darin einen germanischen Ringwall zu erkennen geglaubt, vielleicht ist aber die Ansicht richtiger, dass hier die Befestigung stand, die Theoderich von Heinsberg als Graf von Sayn und Besitzer von Blankenberg und Löwenburg bei Pleyse angelegt hat und nach dem Vertrage vom 18. Februar 1268 mit ihren Gräben und all ihren Wehren von Grund auf zerstören sollte, weil sie dem Lande des Grafen von Berg (als Inhaber der Vogtei über den Gerichtsbann in Oberpleis) zu nahe lag. Dann hätte es sich aber wohl kaum um eine ausgebaute Burg gehandelt, sondern um eine provisorische Befestigung in dem vorausgegangenen Kampf zwischen den Grafen von Berg und denen von Heinsberg."Die gleiche Ansicht, dass an der Stelle des Ringwalles in Bennerscheid die ehemalige Sayn'sche Burg gestanden habe, vertritt auch Pastor German Hubert Christian Maaßen in seinem Buch: „Geschichte der Pfarreien des Dekanats Königswinter."
Dagegen bezweifelt Herr Dr. Robert Flink, ein Sohn userer Oberpleiser Heimat der in den recht spärlichen Überlieferungen unserer Heimatgeschichte einen erfreulichen Lichtblick durch seine äußerst interessante Dissertation: „Die Geschichte von Oberpleis" erbrachte die Angaben der beiden vorgenannten Verfasser. Seiner Meinung nach kann in einem etwa 1 m hohen Wall von etwa 50 Schritt Durchmesser niemals eine Burg gelegen haben. Er schreibt hier unter anderem: (S. 120) „Die Zerstörung der Burg Pleis 1268. Im Zusammenhang der Fehden und Kämpfe, die für lange Zeit das Merkmal fast einer Epoche wurden, muss die Zerstörung der Burg Pleis gesehen werden. Theoderich von Heinsberg als Erbe des Landes Blankenberg war Besitzer der Burg in Pleis. In welchem Pleis stand die Burg? U. E. ist kein Beweis zu erbringen, dass diese Burg in Oberpleis gestanden hat. Es kommt auch Niederpleis in Frage. Beide Orte besitzen eine Burg. Auf Grund der viel verkehrsgünstigeren Lage von Niederpleis und des Sitzes des Propstes in Oberpleis, der Landesherr war, möchten wir eher eine Burg in Niederpleis annehmen. Sollte sie doch in Oberpleis gelegen haben, dann möchte man sich auf Grund des Textes und der Geländeverhältnisse und Flurnamen in Oberpleis für eine Wasserburg auf dem Grundstück der heutigen Wahlfelder Mühle entscheiden."
An anderer Stelle (S. 33 Anm. 31) schreibt Herr Dr. Robert Flink: „In dem „übersichts Handriss der Flur Nr. 1 Elsfeld" von 1825 der an Ort und Stelle aufgenommenen Gemarkungen für die preußische Katastrierung heißt eine Parzelle an der Wahlfelder Mühle „Auf der alten Burg". Ist mit dem Burgfeld zur alten Burg gehörendes Ackerland gemeint? Die Parzelle „Auf der alten Burg" käme eher für die Lokalisierung der 1268 geschleiften Burg in Frage als die Motte (Ringwall) bei Bennerscheid. Die Burg scheint eine jüngere Gründung zu sein, zu der nur wenig Land gehört haben wird. Sie wird nur militärischen Zwecken gedient haben. Sie verschwand daher völlig mit ihrer Schleifung. Die Burg an der Mühle in Wahlfeld kann man vielleicht mit dem (späteren) Rittersitz Niederbach in Verbindung bringen. Man könnte an eine Verlegung bzw. Fortführung denken." Soweit die Ausführungen von Herrn Dr. Robert Flink, der also auch die Möglichkeit nicht ausschließt, dass die Oberpleiser Wasserburg auf dem Gelände des Hauses Niederbach gestanden hat.
Der Untergang der Oberpleiser Propstei
1198 betraf Deutschland ein schweres Unglück: die Fürsten wählten zwei deutsche Könige, den Staufer Philipp von Schwaben und den Weifen Otto IV. Es entstanden furchtbare Bruderkriege, die besonders im Rheinland verheerend wüteten. Wahrscheinlich ist in diesem Thronstreit auch Oberpleis nicht verschont geblieben. Die Propstei scheint in Brand geraten zu sein. Dadurch geriet die Propstei in Notlage und 1206 wurde die Pfarrkirche der Propstei unterstellt, in der nun ein Mönch den Pfarrgottesdienst versah. Die durch den Brand zerstörten Teile der Propstei wurden unter dem größten und bedeutendsten aller Oberpleiser Pröpste, Gerhard, zwischen 1220 und 1250 in neuer Pracht wiederhergestellt. Unter Propst Gerhard hat die Propstei den Höhepunkt ihres äußeren Glanzes erreicht.
Erzbischof Engelbert I, Graf von Berg und Vogt von Oberpleis, weilte oft mit großem Gefolge als Gast in der Propstei. Propst Gerhard Muss auch in enger Beziehung zu Caesarius von Heisterbach gestanden haben, weil er diesem Wundergeschichten erzählt hat, von denen Caesarius in seinem „Dialogus miraculum" berichtet. Diese Weltaufgeschlossenheit und Weltsicherheit scheint aber dem klösterlichen Leben nicht zuträglich gewesen zu sein. Schon 1256 ist die Propstei dem wirtschaftlichen Untergang nahe. Der alte strenge Geist des Klosters ging rasch äußerlich und auch innerlich bergab. 1329 erließ der Siegburger Abt ' Wolfhard strenge Weisungen an den Propst, Prior und die Mönche von Oberpleis.
Herr Dr. Robert Flink hat in seiner Dissertation: „Die Geschichte von Oberpleis" die wichtigsten Bestimmungen des Abtes angeführt:
1. Allen (Privat)-Besitz haben die Mönche anzugeben und abzugeben. Keiner durfte in der gestellten Frist irgendetwas abtreten.
2. Außer den Kranken haben Prior und alle Mönche täglich gemeinsam die Mahlzeiten im Refektorium einzunehmen, alle Zimmer und Häuser sind aufzugeben.
3. Alle, außer den Kranken, haben im Dormitorium zu schlafen.
4. Keiner darf ohne Erlaubnis das Kloster verlassen und in die Städte, Dörfer oder Höfe gehen.
5. Niemand darf ohne Erlaubnis des Priors außerhalb des Klosters essen.
6. Alle Mönche, die ein Amt verwalten, haben jährlich ordentliche Rechnung abzulegen.
7. Niemand darf das Mönchsgewand ablegen.
8. Niemand darf für sich oder andere Rechtsangelegenheiten vor geistlichen oder weltlichen Gerichten vollziehen.
9. Es folgen Vorschriften über die Mönchskleidung.
10. Von Vergehen dieser Art kann nur der Abt die Absolution erteilen.
11. Chorgebet bei Tag und Nacht, Fasten, Schweigen und Meidung jeglicher Geschäfte in der Klausur werden eingeschärft.
12. Der Pförtner soll ohne Betrug die Türen zur gewohnten Zeit schließen
13. Nur bei dem Prior und zwei oder drei bestimmten Mönchen darf gebeichtet werden, außer lässlichen Sünden.
14. Jedem, der gegen diese Anordnungen verstößt oder sich gegen das Gemeinwohl des Klosters vergeht, wird die Exkommunikation angedroht.
15. Der Abt hält sich in besonderen Fällen die öffentliche Lossprechung selbst vor.
16. Der Abt fordert die Hebung der Klosterzucht, damit der Erzbischof keinen Anlass habe, die Propstei mit Visitationen oder anderen schweren Strafen zu belegen." Aus diesen Weisungen lässt sich ermessen, wie wahres Klosterleben sein soll und wie es einst in Oberpleis war. Der innere Zerfall des Klosters aber setzte sich immer weiter fort und die Propstei löste die Klostergemeinschaft schließlich ganz auf. Vom 15. Jahrhundert an lebte nur noch ein Propst allein in Oberpleis, um hier ein mehr oder weniger adelig-sorgloses Leben zu führen. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Propstei zeitweise ganz verweist. Das Ende der Propstei Oberpleis kam endgültig mit der Säkularisation im Jahre 1803.
Fortsetzung folgt
Unser Bild zeigt die alte Fensternische an der nordöstlichen Seite des Hauses Niederbach.
Photo: Wicharz
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