Aufnahme: 1966

"Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans, der Verfasser unseres neuen Heimatberichtes"

Einleitung zu den Berichten:
„Unser Titelbild zeigt Herrn Gottfried Emans, Hauptlehrer i. R., Museumsleiter und Präsident des Heimat- und Verkehrsvereins der Stadt Blankenberg. Auf die alte Stadtmauer gestützt schweift sein Blick gedankenverloren zu den Höhen hinüber, hinter denen das Siebengebirge liegt. Dort in der Landschaft um Oberpleis und Stieldorf hat er viele Jahre seines Lebens verbracht. Und es gibt wohl wenige Menschen, die das Siebengebirge besser kennen als er. Gottfried Emans, der sich als Heimatforscher weit über die Grenzen des Siebengebirges hinaus einen Namen gemacht hat, schrieb für die Siebengebirgs-Zeitung einen neuen großen Heimatbericht, mit dessen Abdruck wir in der nächsten Ausgabe beginnen.


Ein Besuch bei Gottfried Emans, Hauptlehrer i. R., in Stadt Blankenberg
Von Heinz Wicharz

Während ich die enge, steile kurvenreiche Autostraße von Stein aus aufwärts zur Stadt Blankenberg hinauffahre, kommt mir unwillkürlich in den Sinn, dass dieser so herrlich gelegene Berg die Ritter der damaligen Zeit zum Bau einer Burg förmlich herausfordern musste, denn die nach drei Seiten steil abfallenden Berghänge bieten nicht nur gute Sicherheit, sondern erlauben auch eine hervorragende Sicht bis weit ins Land hinein.
Der Name ‚Blankenberg‘ lässt sich eigentlich leicht aus der geographischen Lage des Ortes erklären; liegt er doch auf einem blank (= frei) in das Siegtal hineinspringenden Bergrücken, etwa 180 m ü. d. M. Im Jahre 1171 wird der Ort Blankenberg zum ersten Male urkundlich erwähnt; und zwar erwarb in diesem Jahre die Äbtissin des Klosters Sankt Ursula in Köln von dem Rittergeschlecht derer von Olpe Haus und Hof in Blankenberg mit etwa 45 Morgen Grundbesitz.

Die gewaltige Festung auf dem ‚Blankenberg‘ wurde um das Jahr 1182 von den Grafen von Sayn, Heinrich II. und Eberhard II., erbaut. Sie ist mit ihren zwei Vorburgen und dem Hauptschloss eine der größten Burganlagen des Rheinlandes. Angelockt durch die stattliche Burg, siedelten sich bald Menschen in ihrer Nähe an, jedoch erwies sich das heutige Gebiet der ‚Altstadt‘ als bald zu klein für die immer stetig wachsende Bevölkerung, so dass schon nach einem halben Jahrhundert ein weiteres Gelände, die heutige ‚Neustadt‘ zur Besiedelung herangezogen wurde. Um auch dieses zu ihrem Territorium gehörende Siedlungsgebiet vor etwaigen Feindeinfällen zu schützen, umbauten die Burgherren die neue Stadt mit einer starken Mauer, die sie durch fünf Tore auflockerten. Eines dieser Tore, das Katharinentor, auch Portzenturm genannt, ist heute noch erhalten und beherbergt das reich ausgestattete Heimatmuseum der Stadt.

Im Jahre 1245 verlieh Heinrich von Sayn dem Ort das Stadtrecht. Damit erhielt Blankenberg das Markt-, Zoll- und Münzrecht sowie ein Stadtgericht. Von der stolzen Festung aus verwalteten zunächst die Grafen von Sayn und später die Grafen von Berg das große Gebiet, das zum Verwaltungsbezirk des Amtes Blankenberg gehörte. (Auch die Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft zählte hierzu.) In den damaligen kriegerischen Zeiten sah sich die stolze Burg oft von Feinden umlagert. über den genauen Zeitpunkt der endgültigen Zerstörung der Burg und der Stadt liegen keine genauen Unterlagen vor. Einige behaupten, dass die Stadt einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen sei, wieder andere führen ihre Zerstörung auf den 30jährigen Krieg zurück. Das Letztere dürfte eher den Tatsachen entsprechen, denn Urkunden besagen, dass die Stadt im Jahre 1632 von den Schweden zerstört wurde. Der Herzog von Berg ließ um 1860, die bis dahin unzerstörte Burg schleifen (zerstören). Damit war auch der restlose Verfall der einst so wohlhabenden Stadt nicht mehr aufzuhalten. Sie verlor mehr und mehr an Bedeutung und wurde bald von den Orten Hennef und Eitorf überflügelt. Heute künden nur noch die Ruinen der Burg und der Stadtmauern von dem blühenden Leben, das sich vor Jahrhunderten auf diesem herrlichen Fleckchen Heimaterde abgespielt hat. Ein paar Hühner flattern aufgeregt über den Weg, als ich die letzte große Kurve passiert habe und in die kleinste Stadt Europas einbiege, deren Straßen und Gässchen so eng und schmal sind, dass sie kaum einem PKW Platz bieten.

Doch für Fernseh-Regisseur Paul May bedeutete Blankenberg mit seinen idyllischen Fachwerkhäusern gerade die richtige Kulisse für seinen Fernsehkrimi ‚Melissa‘. Am 10., 12. und 14. Januar sahen Millionen Fernsehzuschauer, wie der verzweifelte Ehemann Guy Faster auf der Suche nach einem geheimnisvollen Mr. Antrobus in Elvingdale (so hatte man Blankenberg umgetauft) auftauchte, wie er vor einer Tankstellenatrappe seinen schweren englischen Wagen auftankte, wie er auf dem kleinen Blankenberger Marktplatz der Sprechstundenhilfe Joyce Dean begegnete und schließlich in einem Friseurladen den sagenhaften Pitter Antrobus traf. Die Stadt Blankenberg bietet nicht nur vielen Filmregisseuren einen willkommenen Hintergrund für ihre Dreharbeiten und wird deshalb besonders gern als Handlungsort gewählt, sie hat auch, was noch viel wichtiger ist, sehr viele Freunde, die sie oft und gerne besuchen. Unter ihnen war auch der erste Bundespräsident Prof. Theodor Heuß, der 1957 in Blankenberg weilte. Als die Stadt 1946/47 ihr siebenhundertjähriges Bestehen feierte, war unter den Glückwünschen auch ein Telegramm des Oberbürgermeisters von London.

Hinter dem großen Hotel Korff nahe der Stadtmauer, auf wohl einem der schönsten Plätzchen Blankenbergs, steht das schmucke Landhaus von Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans. Von hier hat man eine herrliche Fernsicht weit ins (Siegtal hinab. Wenn Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans aus seinem langen bewegten Leben erzählt, schweift sein Blick gedankenverloren zu den Höhen hinüber, hinter denen das Siebengebirge liegt. Dort in der Landschaft um Oberpleis und Stieldorf hat er viele Jahre seines Lebens verbracht. Und es gibt wohl nur wenige Menschen, die das Siebengebirge besser kennen als er. Als Beweis liegt vor mir ein in Leder eingebundenes, umfangreiches Buch, eine Kostbarkeit für alle Freunde der Heimatforschung. Es ist eine biologische, geologische und geographische Abhandlung über das Siebengebirge, mit vielen Zeichnungen und Photos ausgeschmückt, die Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans im Jahre 1930 zur Mittelschullehrerprüfung an der Pädagogischen Akademie in Bonn vorlegte.

Gottfried Emans wurde am 26. Februar 1888 in Merten an der Sieg geboren. Er besuchte dann zunächst die Volksschule in Süchterscheid. Danach Vorbereitung auf das Lehrerseminar. Von 1905 bis 1908 besuchte er das Lehrerseminar in Brühl, wo er im August 1908 die Volksschullehrerprüfung ablegte. Seine I. Lehrerstelle erhielt Junglehrer Emans an der einklassigen Volksschule in Orscheid bei Aegidienberg. Hier blieb er jedoch nur kurze Zeit, da er als Musketier nach Trier einberufen wurde. 1909 wurde er als 1. Lehrer an der zweiklassigen Volksschule in Wellerscheid bei Much eingestellt.  'Ich war der 6. Lehrer innerhalb kurzer Zeit, der es an dieser Schule versuchen wollte‘, erzählt Herr Emans, 'meine Vorgänger waren alle an der äußerst schwierigen Klasse gescheitert. Man glaubte, dass auch ich höchstens ein halbes Jahr aushalten werde. Nun, es wurden immerhin 15 Jahre, die ich dort blieb, und es waren nicht die schlechtesten. Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis ich endlich das Eis brechen konnte und das Vertrauen meiner Schüler gewann. Aber dann gingen die auch für mich durch's Feuer, kann ich Ihnen sagen. Sogar heute noch besuchen mich ehemalige Wellerscheider Schüler.'

Und wer Herrn Emans in seiner schlichten, stillen Art kennt, glaubt ihm dies auf's Wort. 1924 kam Gottfried Emans als Hauptlehrer an die vierklassige kath. Volksschule nach Rauschendorf, Gemeinde Stieldorf. Hier verbrachte er nach seinen eigenen Worten, zwar die schönsten, aber zeitweilig auch die schwersten Jahre seines Lebens. Hier lernte er Matthias Schonauer, den damaligen Hauptlehrer von Thomasberg kennen, von dem Herr Emans sagt, dass er der beste Kenner des Siebengebirges gewesen sei. 'Wir streiften in jeder freien Minute gemeinsam durch die Felder und Wälder, kannten bald jeden Weg und Steg, saßen oft stundenlang in den entlegensten Winkeln, ‚kloppten‘ Steine, fingen allerhand Getier und erfreuten uns an Gottes schöner Natur.'

In Wirklichkeit betrieben die beiden ein intensives geologisches, geographisches und biologisches Studium. Die berühmte ‚Schonauer'sche‘ Gesteinssammlung ist heute im Siebengebirgs- Museum in Königswtinter untergebracht. 1930 absolvierte Gottfried Emans seine Mittelschullehrerprüfung an der Pädagogischen Akademie in Bonn. Alle späteren Angebote, als Realschullehrer eine Anstellung anzunehmen, lehnte er ab. Er wollte im engen Kontakt mit seinen Schülern und seiner Heimat bleiben.

In die Zeit seiner Tätigkeit in Rauschendorf fallen auch die Stieldorfer Pasisionsspiele, die nicht zuletzt durch Gottfried Emans erst Leben und Gestalt annähmen. (Die Siebengebirgs-Zeitung wird in Kürze auch einen umfangreichen heimatkundlichen Beitrag über die Stieldorfer Passionsspiele abdrucken.) 1946 verließ Gottfried Emans Rauschendorf und kehrte in seine engere Heimat an der Sieg zurück. Er wurde als Hauptlehrer an der 3-klassigen Volksschule in Stadt Blankenberg angestellt. Hier war er zunächst maßgeblich an der Gestaltung der 700-Jahr-Feier der Stadt Blankenberg beteiligt. Dann baute er im Katharinenturm ein Heimatmuseum auf, das heute im siegrheinischen Raum große Beachtung findet. Hier ist auch die Gesteinssammlung untergebracht, die Hauptlehrer Emans in seiner Rauschendorfer Zeit gesammelt hatte.

1952 trat Gottfried Emans in den wohlverdienten Ruhestand. Aber auch dann ruhte er nicht, er betrieb weiter sein Hobby, die Erforschung der Heimat. Er wurde ferner Leiter des Heimatmuseums und Präsident des Heimat- und Verkehrsvereins der Stadt Blankenberg. Für die Siebengebirgs-Zeitung schrieb Gottfried Emans einen Heimatbericht unter dem Titel: 'Aus der Vorgeschichte der Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft'. Hierin schildert er die geographische Lage der Landschaft, seine Besiedelung, die Entstehung der einzelnen Ortsnamen und ihre Bedeutung und schließlich die politische Entwicklung. Anhand von massiven Unterlagen versucht Gottfried Emans im weiteren Verlauf des Beitrages zu beweisen, dass die große Wasserburg, die irgendwo in oder bei Oberpleis lag, auf dem Gelände des heutigen Hauses Niederbach (Förderschule) gestanden haben muss. Wir freuen uns schon darauf, diesen reich bebilderten Bericht unseren Lesern zur Diskussion stellen zu können und hoffen, dass er gut ‚ankommen‘ möge.“ 

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 15 vom 15.04. 1966
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Scan: Heinrich Röttgen
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