Aufnahme: 1966

Blick auf Oberpleis und das Siebengebirge I. Bericht

Das tausendjährige Oberpleis 

Am Fuße des Siebengebirges, inmitten eines breitgeschwungenen Tales, von einem kleinen Wasserlauf, dem Pleisbach, durchzogen, liegt in einem sanft hügeligen Land, das Dorf Oberpleis. Zwar verheißt dieser über 1000 Jahre alte Ort keinerlei Sensation, jedoch durch den Fleiß von Generationen Menschenhände geschaffen, fällt er dem Besucher weniger durch Großartigkeit als durch Lieblichkeit auf.

Von dieser anmutsvollen Landschaft um Oberpleis und Stieldorf erzählen Wir in unserem neuen Heimatbericht, mit dessen Abdruck wir in der heu­tigen Ausgabe beginnen. Aus der Vorgeschichte der Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft von Hauptlehrer i. R. Gottfried Emans

 „Aus der Vorgeschichte der Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft", lautet der Titel des ersten Teiles unseres neuen Heimatberichtes. Den Ver­fasser dieser neuen heimatkundlichen Artikelserie stellten wir in der letz­ten Ausgabe in Wort und Bild vor. Bevor wir uns dem eigentlichen Thema zuwenden, wollen wir einige Erklärungen vorwegnehmen.

Den Originaltext des Verfassers werden wir in normaler Schrift abdrucken, dagegen sämtliche Erläuterungen, Anmerkungen und Hinweise der Redak­tion, — die eifrig bemüht war, durch Photos,  Zeichnungen und Texte den Bericht des Autors zu erweitern und zu bereichern,— geben wir in Kursiv­schrift (d. h. also schrägstehende Buchstaben) wieder. Die Literaturangabe, soweit sie den Text des Verfassers betrifft, werden wir am Schlusse des gesamten Berichtes anführen. Einleitender Text: Heinz Wicharz

Die frühgerrnanischen Vorfahren bewohnten die „Heideterrasse" am Ostrande der Kölner Tieflandsbucht.

Die Geschichte der Landschaft und des Ortes Oberpleis reicht weit zurück in die vor- und frühgermanische Zeit. Dies besagt 'schon der Name „Pleysa", der sowohl für den Bach, wie auch für den Ort gebräuchlich war. Er ist keltischen Ursprungs, wie auch der Name der benachbarten Bäche und Flüsse: Rhenus-Rhein, Siegana-Sieg, Hannapha-Hanfbach-Hennef, Hunnapha- Honnef. Die Kelten waren ein vorgermanischer Volksstamm, der das nieder- rheinische Gebiet bis zur Nordsee bewohnte. Unter dem Druck der von Norden und Osten vordringenden germanischen Stämme zogen sie sich nach Süden zurück (Gallien). Nach ihnen beherrschten die Römer dieses Land, bis diese auch z. Zt. der Völkerwanderung zum Schutze ihres eigenen Landes und der Stadt Rom nach Süden weichen mussten. In die verlassenen Gebiete rückten germanische Stämme nach, die sich endlich zu dem starken Volke der Franken zusammenschlossen und ein mächtiges fränkisches Kaiserreich schufen.

Die Urbewohner auf der „Heideterrasse"

Die Urbewohner unserer Landschaft waren also noch Steinzeitmenschen, die ihre Geräte und Waffen aus Stein schufen, da ihnen Bronze und Eisen noch unbekannt waren. 'Mit diesen primitiven (Steingeräten konnten sie den Ur­wald mit seinen Untieren nicht bezwingen, mussten sich vielmehr auf die Besiedlung der flut- und waldfreien Dünensäume am Rande der Kölner Tieflandsbucht beschränken, die man wegen ihrer Bedeckung mit Heide­kraut die „Heideterrasse" nannte. Diese reichte von der Mündung der Sieg über die Hangelarer- und Niederpleiser Heide und weiter über Siegburg und Troisdorf  hinaus bis zu der weitausgedehnten Wahner Heide. Tausende „Hünengräber" mit ihren Urnen, Waffen und Schmuckbeigaben sind ihre Zeugen.

Unsere Oberpleiser und Stieldorfer Heimat weist auch mehrere solcher „Funde" auf, so die beiden geschliffenen Steinbeile von Eudenbach und Söven (jüngere Steinzeit 4000-2000 v. Chr.), Schaber und Speerspitzen von der Thelenbitze bei Wahlfeld und mehrere „Hallstatturnen" aus der Sandkaule bei Niederpleis.  Aus der anschließenden Bronzezeit (2000-1000 v. Chr.) sind der berühmte Bronzefund von Birlinghoven (Schloss Rautenstrauch) mit Halsring, Armbändern und zwei Bernsteinperlen und der ebenso berühmte Schatz von Stieldorferhohn mit 22 keltischen „Regenbogenschüsselchen" zu erwähnen. Unsere Gegend war damals noch nicht besiedelt, und diese Einzelfunde sind von jenen Menschen auf der Flucht entweder verloren ge­gangen oder vergraben worden.

Unser untenstehendes Bild zeigt Herrn Damian de Bück aus Eudenbach, Gemeinde Oberpleis. Der heute 87jährige Quarzit- und Klebsandgrubenbesitzer hat auf der „Rostinger: Heide", am Westausgang von Eudenbach und östlich des Ortes im Verlaufe seines langen Lebens zahlreiche Werkzeuge und Schmuckstücke unserer allerersten Vorfahren gefunden.

Im Alter von 18 Jahren eröffnete Herr Damian de Bück mit seinem Vater, dem Eudenbacher Volksschullehrer, Herrn Hermann-Josef de Bück einen Quarzitgrubenbetrieb in Eudenbach, der recht schnell zu einem leistungs­fähigen Unternehmen heranwuchs. Waren die einzelnen Parzellen von Quarzit ausgebeutet, so ging man daran, den darunterliegenden Klebsand zu bergen. Auf dem schließlich gänzlich ausgebeuteten Land wurden Obstkulturen angelegt und die später geernteten Früchte erlangten wegen ihrer guten Qualität am Bonner Erzeu­germarkt hohe Preise. Nebenbei eröffnete Herr Damian de Bück im Wester­wald bei Limburg mehrere Basaltbetriebe. Von hier aus belieferte er noch bis zum Jahre 1928 die Städte Köln und Frankfurt mit Kleinpflaster. Der rege Unternehmergeist von Herrn Damian de Bück übertrug sich auch auf seinen Sohn, der heute das Geschäft des Vaters weiterführt.

Auf seine gefundenen „Schätze" angesprochen, wird der noch sehr rüstige Eudenbacher (er fährt trotz seines hohen Alters fast täglich mit dem Fahr­rad) lebendig. Dann erzählt er von seinen vielen Erlebnissen in und um Eudenbach. Bei den vielen Erdarbeiten, die mit der Ausübung seiner Betriebe auto­matisch verbunden war, fand er die zahlreichen Gegenstände aus verschie­denen vorgeschichtlichen Zeitepochen. Es sind dies unter anderem: 3 Stein­beile, 2 Steinfaustkeile, 1 Schmuckbrosche, Schmuckperlen, 1 Steinkrug, Un­terteile von Bechern oder Gefäßen.

Weitere Funde aus unserer Heimat.

Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten, bisher bekannt ge­wordenen Funde, der näheren Umgebung von Oberpleis. An der Straße von Herresbach nach Berghausen wurde bei Feldarbeiten ein sog. Nephritbeil gefunden. Bei Rodungsarbeiten wurde in Frohnhardt 1939 von Hauptlehrer A. Bein­lich aus Stieldorf, ein Steinbeil entdeckt.

1905 fand man in Stieldorferhohn und 1950 in Hartenberg beim Dünnen eines Rübenfeldes jeweils sog. „Regenbogenschüsselchen". Es handelt sich hierbei um „Tropfen des Regenbogens", kleine, schüsselförmige Gold-, meist silberlegierte Münzen aus dem zweiten und ersten vorchristlichen Jahrhundert. In Oberpleis wurde ein Bronzearmring gefunden ohne nähere Fundnach­richten.

Die Franken dringen von der „Heideterrasse" die Bachtäler aufwärts bis zu den lößbedeckten Höhen vor und besiedeln unser Land.Unsere Heimatlandschaft mit dem vorgelagerten Siebengebirge bildete einst ein fast undurchdringliches Urwalddickicht mit Bären, Höhlen-Löwen und Höhlenhyänen. Besonders vom Rheintal aus mit seinen steilen Uferhängen und dem tief zerklüfteten Siebengebirge war eine Besiedlung fast unmöglich. Darum kann eine solche für unser Gebiet nicht vom Rhein her, sondern nur von der Tieflandsbucht aus, also von der Heideterrasse bei Hangelar und Niederpleis aus, erfolgt sein.

Sie folgte dann den Bachläufen des Pleis- und Lauterbaches aufwärts bis zu den Hochflächen der Bergrücken. Diese vollzog sich in jahrhundertelangen Zeiträumen, etwa von 500 bis 1100 n. Chr. Den Franken, die diese Besiedlung kräftig vorantrieben, waren Bronze und Eisen schon bekannt. Sie waren ein naturhaftes Volk von Ackerbauern, das sich unter der festen Regierung ihrer Könige .stark vermehrte und sich deshalb ausdehnen musste. Sie kannten schon alle Haustiere und fast alle Getreide­arten und bauten feste Holzhäuser in rundumschlossener sogenannter „frän­kischer" Hofform, sie brauchten also trockenen, waldfreien Ackerboden, weite Wiesenflächen und in der Nähe Wasser und endlich zur Herstellung ihrer Töpfe den Ton, sowie für die Geräte und Waffen das Eisen.

Dieses alles bot ihnen das Pleistal in reicher Fülle, besonders auch mit den waldfreien, lößbedeckten Hochflächen bei Stieldorf und Rauschendorf und weiter auf­wärts. Den Ton fanden sie in den mächtigen Tonlagern bei Niederpleis, Birlinghoven, im Dambroicher Wald und bei Oberpleis. Das Roheisen in Form von kopfgroßen „Knollen" und zentnerschweren zu Eisen „versteiner­ten Baumstämmen" lagerte reichlich in den Tonschichten. Mit Hilfe der Holzkohle wurde es verhüttet. Davon zeugt eine im Dambroicher Wald aufgezeichnete „Grube Gottessegen". (Messtischblatt) die bis zur Wende des 19. Jahrhunderts tätig war.

Herr Damian de Bück aus Eudenbach mit seinen gefundenen „Schätzen" aus vorgeschichtlicher Zeit.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 16 vom 22.04.1966
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Scan: Heinrich Röttgen Zu den Schriften
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