Aufnahme: 1966
Ortszentrum von Oberpleis mit Blick auf den Oelberg
Aus der Vorgeschichte der Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft, II. Folge
Da die Franken schon Christen waren und ihre Toten nicht mehr verbrannten und in Urnen einschlössen, sondern sie lang in der Erde begruben, sind deren Gebeine schnell zu Staub und Asche verwittert. Deshalb fehlen bei uns leider die Urnengräber. Aus jener Zeit sind nur ein Steinsarg in Oberpleis und ein Frankengrab, das der Besitzer des Burghofes in Oberholtorf im Acker anpflügte, nebst einigen dabei lagernden Eisenwaffen, bekannt.
Und so verbleiben uns zur Bestimmung der Zeit, wann die Besiedlung erfolgte, nur die Ortsnamen. Die Franken nahmen zuerst das von ihren Vorgängern verlassene Land auf der Heideterrasse in Besitz, etwa um 500 n. Chr., und es weisen noch einige Ortsnamen mit den Endungen -mar und -lar auf jene hin, z.B. Holzlar, Hangelar, Eschmar... Von da aus stießen die Franken allmählich weiter vor, zunächst nur in Form von Einzelhöfen, die die Eltern ihren aussiedelnden Söhnen bauen halfen und die außer der Endung hoven - Hufe— noch den Namen der Familie trugen, z. B. Birlinghoven — Hof des Birling.
Der Name Hof oder Hufe bedeutet einen Hof für ein Pferd in Größe von etwa 30 Morgen, ohne Wald und Weide. Eine Reihe von Ortschaften, die vorn am Rande der ansteigenden Höhenrücken liegen, tragen den Namen -hoven: Bechlinghoven, Edinghoven, Birlinghoven, Hoven, Edgoven. . . Ihnen folgten Siedlungen mit nur wenigen Häusern, die man Weiler oder Winkel nannte: Weiler, Winkel, 'Freckwinkel, Uthweiler. . . Dann machte man auch die sumpfigen Stellen durch Entwässerung siedlungsfähig. Diese Orte tragen die Endung -broich und -bruch: Schmierbroich, Dambroich. Im nächsten Zeitraum setzte die Besiedlung in stärkerem Maße ein.
Man gründete nach festgelegtem Plan Dörfer, je nach ihrer Anlage als Reihen-. Haufen- oder Kreuzungsdörfer. Sie liegen auch noch in der Ebene in einem weiten Ring vor den Höhenrücken: Rhöndorf, Dollendorf, Mülldorf, Stoßdorf und auf den sanft ansteigenden Höhen die Lößböden von Rauschendorf und Stieldorf (600-700 n.Chr.). Somit war man mit dem waldfreien Gelände zu Ende, und man sah sich nun gezwungen, dem Wald zu Leibe zu rücken. Mittlerweile waren die Eisenwaffen und Werkzeuge verbessert und letztere um die Säge vermehrt worden, sodass man den Kampf wagen durfte. Man fing allenthalben zu roden an, und es liegt ein ganzer Kranz von Dörfern rings um die Höhenrücken mit den Endungen: -rott, -holz, -busch, -hag, -haen, -höhn, -höhn, z. B. Hoholz, Holtorf, Großenbusch, Sonderbusch, Stieldorferhohn, Pleiserhohn, Rott, Bockeroth, Düferoth, Boseroth, Hasenboseroth Heisterbacherrott (um 800 n. Chr.)
So war man endlich auf den Höhen gelandet, und es tragen nun die neugegründeten Ortschaften naturgemäß die Endung berg, z. B. Sonnenberg, Nonnenberg, Hartenberg, Hühnerberg, Thomasberg, Aegidienberg, Himberg. .. (900 n. Chr.) Auf der Wasserscheide finden wir dann die Orte auf scheid: Hüscheid, Döttscheid, Ruttscheid, Sandscheid, Bennerscheid, Orscheid, Wülscheid... (um 1000 n. Chr.) und endlich die Namen mit -hausen: Rübhausen, Berghausen, Westerhausen (um 1100 n. Chr.), und so war etwa um 1200 unsere ganze Heimat besiedelt. Um dieselbe Zeit beginnt dann auch der Bau von Burgen, Propsteien und Klöstern. Das Christentum hält mit der Landnahme Schritt.
Die älteste Kirche im niederrheinischen Raum war die Domkirche zu Köln, Von ihr gingen viele Neugründungen von Kirchen aus. Da aber ihre Zahl stark anstieg, überwies Köln dem Kassiusstift in Bonn einen Teil seines Gebietes, und so konnte nun auch der Propst zu Bonn neue Kirchen bauen, einweihen und die Priester anstellen. So entstanden denn auch schon früh unsere Kirchen in Stieldorf um 780 und in Oberpleis, entsprechend seiner späteren Besiedlung um 948. Um diese Zeit entstand auch der Fronhof in Oberpleis (859), der ebenfalls wie die Kirche dem Kassiusstift in Bonn unterstand.
Die Franken teilen das Land in Gaue, Markgenossenschaften oder Honschaften ein.
Diese o. a. Besiedlung geschah zum großen Teil während der Regierungszeit Karls des Großen und dessen Nachfolgern. Er teilte das neubesetzte Land in Gaue ein und diese wieder in Markgenossenschaften und Honschaften. An der Spitze des Gaues stand der Gaugraf. Dieses hohe Amt wurde ihm vom Kaiser übertragen und war nicht erblich. Er hatte seinen Sitz auf dem Siegberg, später Michelsberg genannt. Nach der zweimaligen Teilung des fränkischen Reiches (843 und 870) verblieben wir mit Niederlothringen im ostfränkischen Teil, dem späteren Deutschland. Von nun ab nannte man die Gaugrafen Pfalzgrafen.
Der Name Auelgau kommt von dem Worte Auel her, das ist eine fruchtbare Wiesenlandschaft an Seiten eines Flusses oder Baches. So liegen viele Orte dieses Namens inmitten der Sieg- und Aggerlandschaft: Lützgenauel, Bülgenauel, Oberauel, Auel, Schachenauel, Rosauel, Haus Auel usw.
Manche Historiker möchten den Ölberg als Sitz des Gaugrafen gelten lassen. Doch das ist unwahrscheinlich, da doch der Olberg auch nie eine Burg getragen hat und ganz an der Peripherie des Gaues lag. Auch hätte man besonders beim Betrieb der beiden großen Steinbrüche, die ja bis zur Spitze des Berges hinaufreichten — irgendwelche Reste an Schutt oder Bausteinen finden müssen. Die gleiche Ansicht vertrat auch der ehemalige Hauptlehrer Schonauer, der über vierzig Jahre lang als Geologe das Siebengebirge betreute.
Dagegen liegt der Michelsberg mitten im Zentrum des Gaues. Sollte der Name Auel mit dem Töpfergewerbe zusammenhängen, so würde das für Siegburg mit dem Michelsberg in besonderem Maße zutreffen als Mittelpunkt der berühmten Siegburger Töpferei. Der beste Beweis aber ist der, dass der letzte Pfalzgraf auf dem Michelsberg seinen Sitz hatte, bis ihm Erzbischof Anno II. von Köln im Jahre 1064 diese Burg nahm und daraus eine starke Klosterfestung errichtete.
Es entstehen die „Dynastien" im Bereich des Auelgaues.
Nach dem Sturze des letzten Pfalzgrafen Heinrich des Wütenden entstanden die Dynastien, indem die Untergrafen, die vorher als Hochadel die Markgenossenschaften beherrschten, ihren Bereich möglichst auszuweiten und ihn erb- und eigentümlich zu machen suchten. In unserem rechtsrheinischen Raum waren es das Erzstift Köln, die Grafschaft Sayn und die Grafschaft Berg. Die Kölner Herren hatten den besten Teil erwählt, nämlich das schöne Rheintal von Bonn bis Honnef, und reichte ihr Besitz bis zu den rechtsrheinischen Höhen des Siebengebirges hinauf. Die Grenze verlief, von Niederkassel kommend, bis zur Mündung der Sieg, dann der heutigen Grenze des Amtes Menden gegenüber Bonn-Land folgend, über Pützchen — Niederholtorf — Ungarten und dann querfeldein dem sogenannten „Landgraben" nach, der heute noch im Felde sichtbar ist, dann bis Vinxel, Frankenforst und an Dollendorf vorbei bis Königswinter.
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