Aufnahme: 1966
Lageplan der Burg Pleis. Sie soll auf dem Gelände des heutigen Hauses Niederbach gestanden haben.
Aus der Vorgeschichte der Oberpleiser und Stieldorfer Landschaft, III. Folge
"Unsere letzte Folge Schloss mit der Einleitung des Kapitels „Es entstehen die „Dynastien" im Bereich des Auelgaues". Hierin beschreibt der Verlasser die Grenzen des Kölner Erzstiftes, eines der drei Dynastien in unserem Gebiet. Von hier aus umschloss sie eine „Enklave", die wie ein Keil bis Ittenbach reichte, also von Königswinter über den Petersberg, Nonnenstromberg und über die Rosenau bis zur Spitze des Ölberges ging, dann hinab bis Ittenbach, wo sie kehrte und rückwärts über den Lohrberg zum Annatal und diesem entlang, nach Rhöndorf verlief. Diese Enklave war den Grafen von Sayn ein Dorn im Auge, und vermuteten sie nicht mit Unrecht, dass das Erzstift Köln die Absicht hege, von ihr aus ihr Gebiet zum Westerwald ausdehnen zu wollen. Sie sicherten durch die beiden starken Burgen auf dem Drachenfels und der Wolkenburg ihre Enklave. Sie hatten auch schon rheinaufwärts in Unkel und Erpel Fuß zu fassen gesucht; doch da stießen sie auf den Widerstand der Thüringer Grafen von Landsberg. Ihnen war der Streifen Landes zugehörig von Burg Windeck an der Sieg bis Hönningen und Linz am Rhein. (Altenwied) Wegen dieses Landstreifens war eine längere Fehde zwischen dem Grafen Heinrich III. von Sayn und dem Grafen Dietrich von Landsberg entstanden.
Durch Vermittlung des Propstes Bruno von Sayn (Kassiusstift in Bonn) konnte dieser Streit dadurch beendet werden, dass Graf Heinrich III. von Sayn Mechthildis, die Tochter des Grafen von Landsberg heiratete, und diese den o. a. Landstreifen mit in die Ehe brachte. Die Grafen von Sayn/Landsberg hatten als Gegenmaßnahme gegenüber den beiden Burgen Wolkenburg und Drachenfels auf der Löwenburg eine starke Feste errichtet, die als Sperriegel dienen sollte gegen das Vordringen der Kölner im Rheintal und von der Enklave aus in den Westerwald. Die Sayner Grafen betrachteten den Auelgau als ihr Anspruchsgebiet, während die Grafen von Berg den Deutzer Gau in Besitz nahmen. Die Grafschaft Sayn umfasste nicht nur den heutigen Siegkreis (außer der freien Stadt Siegburg mit dem Michelsberg) sondern auch den Westerwald bis Hachenburg und das schöne Wied- und Saynbachtal abwärts zum Rhein hin bis zu ihrer Stammburg im Brextetal, einem kleinen Seitental des Saynbaches, der bei Bendorf in den Rhein mündet.
Dort fanden sie auch in der Abtei ihre letzte Ruhestätte. Ihre Nachbarn im Wiedtal, die Fürsten von Wied standen des Öfteren in Fehde mit den Sayner Grafen. Als dann ein Fürst Arnold von Wied Erzbischof von Köln wurde, benutzte er diese nun größere Machtstellung um im Verein mit dem Bischof von Trier im Jahre 1152 diese Sayner Stammburg zu zerstören. Doch die Grafen von Sayn bauten nicht nur ihre Stammburg wieder auf, sondern errichteten als Vergeltung auf dem Blankenberg — angesichts des Michelsberges in Siegburg — eine starke Festung, die größte im rechtsrheinischen Raum. Sie diente auch als Sperrriegel, um den Kölner Herren den Weg ins Siegtal zu verlegen. Damit zerstörten sie den Plan des Erzstiftes, das Siegtal aufwärts über Siegen in den westfälischen Gau vorzudringen, um das große Erbe, das sie beim Sturz des Sachsenherzogs Heinrich des Löwen durch Kaiser Barbarossa auf dem Reichstag zu Gelnhausen erhalten hatten (1180) mit dem Erzstift am Rhein zu vereinigen, um damit zu einer beherrschenden Großmacht im norddeutschen Raum zu gelangen. Mit dem nachfolgenden Kapitel „Burgenbau in Oberpleis" nähern wir uns nunmehr dem äußerst interessanten II. Teil unseres neuen Heimatberichtes, den wir in der nächsten Folge auch unter einem anderen Titel: „Die Landschaft um Oberpleis", abdrucken werden.
Der Verfasser, Herr Gottfried Emans, wird im weiteren Verlaufe der Abhandlung, anhand von Unterlagen, Zeichnungen und Erläuterungen die genaue Lage der ehemaligen stolzen Wasserburg, die irgendwo in oder bei Oberpleis gestanden haben muss, festzulegen versuchen. Dabei ist gerade der Standort dieser Burg „heiß" umstritten, da wirklich ganz exakte Angaben hierüber nicht vorhanden sind. Während Herr Gottfried Emans davon überzeugt ist, dass diese Wasserburg auf dem Gelände des heutigen Hauses Niederbach gestanden hat, verlegt Herr Dr. Robert Flink in seiner Dissertation: „Die Geschichtet von Oberpleis" ihren Standort (wenn sie überhaupt in Oberpleis gestanden habe!) auf das Grundstück der heutigen Wahlfelder Mühle.
Pastor Erwin Düster (früher Kaplan an St. Pankratius in Oberpleis), hingegen, schreibt in der „Festschrift zur Tausendjahrfeier der Pfarrgemeinde St. Pankratius Oberpleis" 1948, dass seiner Ansicht nach, diese Burganlagen, innerhalb des alten Ringwalles bei Bennerscheid, zu suchen seien. Wir werden die unterschiedlichen Meinungen der Verfasser den Auslegungen von Herrn Emans gegenüberstellen. Wir waren weiterhin bemüht, den Heimatbericht durch eigene Nachforschungen, Photos usw. zu beleben. So stellte uns unter anderem, der langjährige Verwalter der Gräflich von Hillesheim-Speeschen Besitztümer in Oberpleis, Herr Johann Bennerscheid aus Eisbach, dem wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank aussprechen, bisher noch unveröffentlichte Schriftstücke zur Verfügung, die wiederum die Theorie des Verfassers unseres heimatkundlichen Beitrages bekräftigen.
Wir freuen uns schon darauf all dies unseren Lesern zur Diskussion stellen zu können. (Die Red.)
Der Burgenbau in Oberpleis
Um ihren Besitz im Siebengebirge noch weiter zu schützen, stiftete der Abt von Siegburg in Oberpleis eine Propstei mit einem großen Gutshof (ungefähr 100 Morgen). In diese wurde auch der vom Bonner Kassiusstift gegründete Fronhof einbezogen. Dadurch geriet die Abtei Siegburg mit dem Kassiusstift in einen lang dauernden Streit wegen der Einkünfte. Doch der Erzbischof von Köln unterstützte die Abtei und suchte sie auch weiterhin durch allerlei Zuwendungen an Gütern und Einkünften zu stärken. Die Grafen von Sayn starben mit Heinrich III. 1247 aus. Durch Vererbung gelangte die Grafschaft an Adelheid von Sponheim, eine Schwester des Grafen Heinrich III.
Ihr Sohn Heinrich heiratete eine Tochter des Grafen von Heinsberg und nannte sich Graf Heinrich von Heinsberg zu Blankenberg. Die Heinsberger Grafen betrachteten die Propstei in Oberpleis als einen Stützpunkt der Abtei Siegburg bzw. des Erzstifts Köln. Als Gegengewicht gründeten sie zwei neue Wasserburgen, eine in Oberpleis und eine an der Agger bei Lohmar. Dieser Burgenbau forderte wiederum die Abwehr des Erzstiftes und der Abtei heraus. Graf Dietrich I. von Blankenberg geriet dieserhalb mit dem Grafen Adolf VI. in Fehde, weil er sich „in seinen Landen durch diesen Burgenbau ernstlich bedroht fühlte". Man fragt sich, inwiefern er sich bedroht fühlte, da doch diese Burgen weitab von der bergischen Grenze lagen. Aber der Graf von Berg war Schirmvogt der Siegburger Abtei und machte so die Sache Siegburg zu seiner eigenen. Hinter Siegburg stand natürlich das Erzstift Köln. Graf Dietrich wusste wohl, dass er gegen diese drei verbündeten mächtigen Gegner einen Kampf nicht wagen konnte, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, gänzlich zu unterliegen."
(Fortsetzung folgt)
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