Aufnahme: 1966

Blick auf die Frontseite des Hauses Niederbach, VI. Folge

"Unsere letzte Folge Schloss mit der ausführlichen Beschreibung der ver­mutlichen Lage der Oberpleiser Wasserburg. Wir sagten uns, wenn die Theorie des Verfassers' unseres Heimatberich­tes stimmt, dann müssten doch an irgendeiner Stelle noch alte Mauer-, oder Fundamentreste zu finden sein. Eine solch große Anlage kann nicht restlos vernichtet werden. Bei einer ausführlichen Besichtigung des Ge­bäudes und seiner Anlagen entdeckten wir dann tatsächlich im Keller­gewölbe des Hauses Niederbach eine Fensternische, deren Mauerwerk evtl. auf alte Überreste der ehemaligen Burganlagen schließen lässt.

Unser untenstehendes Bild zeigt die alte Fensternische an der nordöst­lichen Seite des Hauses Niederbach. Das Mauerwerk ist an dieser Stelle etwa 2 m dick. Die Fensteröffnung verjüngt sich nach außen hin und schließt mit einem Eisengitter ab. Von hier aus führt ein Luftschacht außen bis zur Erdoberfläche.

Das Gemäuer unterscheidet sich von dem übrigen Mauerwerk des Ge­bäudes durch seine dunkelbraunen, feuchten und etwas glitschigen Steine. Eine Gesteinsprobe, die wir durch den Geologen, Herrn Dieter Lang cand. geol., Bonn, Venusberg, prüfen lie­ßen, ergab, dass es sich hierbei um Grauwacke handelt, die ja bekannt­lich zum Bau von Burgen in früher Zeit verwandt wurde. So wurde ja beispielsweise die Burg Blankenberg ebenfalls aus Grauwackesteinen er­baut. Einleitender Text: Heinz Wicharz.

 Die Kellernische               

 Die weißen Mörtelstreifen zwischen den einzelnen Steinen des Mauer­werkes auf unserem (Bild: s. unten), deutlich erkennbar, ist sog. Traß. Da unsere Vorfahren noch keinen Zement in der heutigen Form kannten, wurde als Bindemittel ausschließlich Traß gebraucht.

Traß hat die Eigenschaft im Wasser zu versteinern und war deshalb ein vollkommener Zementersatz. Traß ist ein Bodenerzeugnis der Eifel und wird in der Gegend von „Kruft Plaid" auch heute noch in wenigen Mengen gefördert. Er wird als Steine gebrochen, wird aufgeschichtet und muss mindestens 1 Jahr an der Luft trocknen, bis er gemahlen werden kann. Früher war auch bei Heisterbach ein Traßvorkommen; es heißt dort heute noch im Volksmund: „An der Traßmöll".

Das übrige Mauerwerk des Hauses Niederbach besteht aus einem we­sentlich helleren Gestein. Laut Prüfung durch den o. g. Geologen handelt es sich hierbei um einen quarzitischen Sandstein; der erst in späterer Zeit zu Bauzwecken Verwendung fand.

Könnte also diese Fensternische nicht tatsächlich noch ein Überbleibsel der ehemaligen Wasserburg darstellen, zumal solche unnormal starken Fun­damente seit Jahrhunderten in dieser Art nicht mehr gebaut werden.

 Natürlich sind alle die bisherigen Ausführungen letzten Endes nur bloße Vermutungen. Einen wirklich hundertprozentigen Beweis für die Lage einer Wasserburg an der Stelle des Hauses Niederbach könnten nur um­fangreiche geologische und wissenschaftliche Ausgrabungen und Nachfor­schungen erbringen.

Wir möchten an dieser Stelle die Meinung von Herrn Oberstudienrat Dr. Robert Flink, die er in seiner Dissertation: „Die Geschichte von Ober­pleis" vertritt, wiedergeben. Er schreibt hier unter anderem: (S. 120) „Die Zerstörung der Burg Pleis 1268. Im Zusammenhang der Fehden und Kämpfe, die für lange Zeit das Merkmal fast einer Epoche wurden, muss die Zerstörung der Burg Pleis gesehen werden. Theoderich von Heinsberg als Erbe des Landes Blankenberg war Besitzer der Burg in Pleis.

In welchem Pleis stand die Burg? U. E. ist kein Beweis zu erbringen, dass diese Burg in Oberpleis gestanden hat. Es kommt auch Niederpleis in Frage. Beide Orte besitzen eine Burg. Aul Grund der viel verkehrsgün­stigeren Lage von Niederpleis und des Sitzes des Propstes in Oberpleis, der Landesherr war, möchten wir eher eine Burg in Niederpleis annehmen. Sollte sie doch in Oberpleis gelegen haben, dann möchte man sich auf Grund des Textes und der Geländeverhältnisse und Flurnamen in Ober­pleis für eine Wasserburg auf dem Grundstück der heutigen Wahlfelder Mühle entscheiden."

An anderer Stelle (S. 33 Anm. 31) schreibt Herr Oberstudienrat Dr. Robert Flink: „In dem „Uebersichs Handriß der Flur Nr. I Elsfeld" von 1825 der an Ort und Stelle abgenommenen Gemarkungen für die preußische Katastrierung heißt eine Parzelle an der Wahlfelder Mühle „Auf der alten Burg". Ist mit dem Burgfeld zur alten Burg gehörendes Ackerland ge­meint? Die Parzelle „Auf der alten Burg" käme eher für die Lokalisierung der 1268 geschleiften Burg in Frage als die Motte (Ringwall) bei Benner­scheid. Die Burg scheint eine jüngere Gründung zu sein, zu der nur wenig Land gehört haben wird.

Sie wird nur militärischen Zwecken gedient haben. Sie verschwand daher völlig mit ihrer Schiebung. Die Burg an der Mühle in Wahlfeld kann man vielleicht mit dem (späteren) Rittersitz Nie­derbach in Verbindung bringen. Man könnte an eine Verlegung bzw. Fortführung denken." Soweit die Ausführungen von Herrn Oberstudienrat Dr. Robert Flink, der also auch die Möglichkeit nicht ausschließt, dass die Oberpleiser Wasser­burg auf dem Gelände des Hauses Niederbach gestanden hat. Wir wollen damit das Thema „Lage der Burg in Oberpleis" abschließen und uns nunmehr der weiteren Geschichte des Rittersitzes „Niederbach" zuwenden. Einleitender Text: Heinz Wicharz

Der Rittersitz Niederbach

Es liegen keine Urkunden von der Gründung des Hauses vor; nur wissen wir, dass es kurz nach dem Abschluss des Vertrags mit Berg, wodurch das Amt Blankenberg zu Berg kam (1370) durch ein ritterbürtiges Geschlecht derer von Zweiffel bewohnt war, und dass um 1400 zwei Ritter von Nidder­wich Heinrich und Notger 'im Amt Blankenberg bekannt waren. Später wird das Haus an die von Metternich und zuletzt an die von Hillesheim verkauft. (1636)

Das Rentbuch von 1643—45 nennt ein freiadliches Gut zu Nidderbach als einziges im Kirchspiel Oberpleis: „Junker Hillesheim hat allhier zu Ober­pleis zu Nidderbach einen adelichen Sitz unterhalb des Dorfes gelegen". Wie groß dieses Gut war ist nicht angegeben weil diese adelichen Höfe steuerfrei waren und demnach im Rentbuch nicht aufgeführt wurden. Außer­dem gehörten zu Gut Nidderbach noch zwei weitere Freihöfe, wie das Rentbuch aufweist: „Junker Hillesheim zu Nidderbach hat auch neben sei­nem adelichen Sitz noch einen Hof zu Wahlfeld, gelegen im Dorf, worauf ein Pferd gehalten wird. Junker Hillesheim hat auch ein Höfchen am Horrenberg und hat Ackerbau für ein Pferd".

Interessant ist weiter, dass das adeliche Geschlecht in Niederbach von „Ihrer Durchlaucht, dem Herzog von Jülich, Cleve und Berg" als ritterbürtig anerkannt wird, indem er ihm Fischerei und Jagdgerechtigkeiten zubil­ligt. Das Rentbuch sagt: „Der Oberpleeser Bach gehört Ihrer fürstl. Durch­laucht, jedoch fischen darin der Probst von Oberpleis und das Haus Nid­derbach.  Ihrer fürst. Durchl. haben hier selbsten in diesem Kirchspiel ihre größeren Jagten wie von altersher gehabt. Wie auch die kleinen Jagten außerhalb, die der Herr Probst und das Haus Nidderbach mit ge­brauchen wie von altersher."

Seit der Verhandlung zwischen der Grafschaft Berg und Heinsberg/Blanken­berg 1368 ist keine Urkunde mehr vorhanden über Burg und Burggelände, auch nicht über die Entstehung des Hauses Niederbach, bis plötzlich ein Rittersitz Niederbach auftaucht, etwa um 1400, und ebenfalls die Freund­schaft der Herrn von Niederbach mit ihrer fürstlichen Durchlaucht vom Her­zogtum Berg, welche ihnen die o. a. Vorrechte in Jagd und Fischerei ein­räumt. Es muss also das Haus Niederbach als eine Gründung der Herrn von Berg auf dem alten Burgengelände der Oberpleiser Wasserburg sein."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 29 vom 22.07.1966
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Scan: Heinrich Röttgen
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