Aufnahme: 1955
Naturräumliche Analyse der Landschaften um Oberpleis - Grundlagen der Geschichte von Oberpleis
Oberpleis ist - neben Stieldorf - der Mittelpunkt des „Pleiser Hügellandes", das eine natürliche Kleinlandschaft im Sinne der Geographie darstellt. Seine naturräumlichen Gegebenheiten sind folgende:
1. Es ist die nördlichste Gebirgslandschaft des Westerwaldes, die mit ihrem Nordrand an die Kölner Tieflandsbucht grenzt. Das Gebiet des Unterlaufs der Sieg von Hennef bis zur Mündung in den Rhein ist ebenfalls eine Kleinlandschaft, die „Siegburger Bucht". Sie ist durch die flachen, sandig bis lehmigen Siegterrassenböden gekennzeichnet, auf denen im Raume Hangelar -Niederpleis Flugsand aufgeweht ist, die „Hangelarer Heide". Es ist berechtigt, diese aus ökologischen und kulturgeschichtlichen Gründen als Kleinlandschaft auszugliedern. Sie ist ein Teil der Wald- und Heideterrasse (Wahner Heide). Der Abfall vom Gebirge zum Tiefland mit kaum 100 m Höhenunterschied ist verhältnismäßig sanft. Der Übergang vom Tiefland in das Pleiser Hügelland weist verkehrsgeographisch keine besonderen Schwierigkeiten auf. Er wird durch das Gewässernetz des Pleisbaches erleichtert. Die Ähnlichkeit der Böden der Hangelarer Heide und des nördlichen Teiles des Pleiser Hügellandes verklammern Tiefland und Gebirge.
2. Das Pleiser Hügelland ist nach Westen vom Rheintal durch die verkehrs- und siedlungsfeindliche Gebirgs- und Waldbarriere des Siebengebirges (und der Linzer Höhen) scharf getrennt.
3. Das Pleiser Hügelland setzt sich nach Süden durch den steilen Höhenanstieg von etwa 200 Metern vom unwirtlichen und verhältnismäßig siedlungsfeindlichen Waldgebirge der Westerwalder Hochflächen ab. Nur wenig südlicher folgt nach diesem Höhenanstieg die Wasserscheide von Sieg und Wied. Diese ist zugleich eine Kulturscheide. Nach Osten ist dieser Höhenanstieg geringer, etwa 100 Meter.
4. Im nördlichen Teil hat das Pleiser Hügelland unfruchtbare Sandböden, im Süden fruchtbare Lößlehmboden. Dadurch ist das Bild der Urlandschaft im Norden und Süden verschieden. Im Norden war es ein lichterer Wald, der in die Hangelarer Heide überleitete, die einen steppenheidenähnlichen Charakter aufwies. Hier war Ackerbau ohne große Rodungsarbeit möglich. Im Lößlehmgebiet war ein dichter Eichen- Hainbuchenwald, der nur durch eine Rodungsgemeinschaft siedlungsmäßig erschlossen werden konnte. Das eigentliche Westerwaldgebiet mit seinen wenig fruchtbaren, nassen und kalten Böden und dem rauhen und feuchtkalten Klima konnte erst zuletzt erschlossen werden. Es blieb im wesentlichen Waldland. Vergleichen wir die Lage des Novalzehntbezirks der Kirche zu Oberpleis von 948 mit den Naturlandschaften, so erkennen wir, daß dieser Bezirk sich über Teile von zwei Naturlandschaften erstreckt. Die Südwestgrenze fällt mit der Grenze der Wald- und Gebirgsbarriere des Siebengebirges und der Linzer Höhen zusammen. Der Nordwestteil des Bezirks deckt sich mit dem südlichen Teil des Pleiser Hügellandes, der Süd- und Südostteil liegt auf der „Uckerath - Limbacher Hochfläche". Die Unterscheidung des Unter- und Oberkirchspiels Oberpleis entspricht diesen naturräumlichen Tatsachen. Die Bedeutung dieser Teile ist eine verschiedene. Das Unterkirchspiel mit seinen fruchtbaren Lößlehmböden und dem günstigeren Klima ist das eigentliche Siedlungszentrum und die reiche Kornkammer. Damit ist es auch das Zentrum der geschichtlichen Kräfte im ganzen Kirchspiel. Das Oberkirchspiel bleibt das arme Wald- und Waldweidegebiet. Hier erstreckte sich die große Oberpleiser Mark.
Zusammenfassend ergibt die naturräumliche Analyse folgendes:
1. Die Hangelarer Heide trug steppenheidenähnlichen Charakter; Ackerbau war dort ohne große Rodungsleistungen möglich. Für den nördlichen Teil des Pleiser Hügellandes gilt ähnliches. Der südliche Teil des Pleiser Hügellandes war Eichen-Hainbuchen-Waldgebiet, das nur durch organisierte Rodungsarbeit siedlungsmaßig erschlossen werden konnte. Der südöstliche Teil des Novalzehntbezirks von 948 liegt im Waldgebirge, dessen Besiedlung erst zuletzt angestrebt werden konnte wegen der dort erforderlichen großen Rodungsarbeitsleistung und der verhältnismäßig geringen Fruchtbarkeit.
2. Das Pleiser Hügelland ist nur nach Norden zur Kölner Tieflandsbucht geöffnet, obwohl es zur Mittelgebirgsschwelle gehört. Das Gewässernetz fließt nach Norden zur Sieg. Nach Westen und Süden ist es durch Wald- und Gebirgsbarrieren scharf, nach Osten weniger deutlich abgeriegelt. Diese naturräumlichen Gegebenheiten lassen die Vermutung zu, daß das Pleiser Hügelland auf Grund seiner Mittlerlage zwischen Gebirge und Tiefland als Kampfgebiet zwischen den politischen Mächten des Berglandes und des Tieflandes in Erscheinung treten wird.
Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis, Siegburg 1955
Seiten 21-23
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