Aufnahme: 1938
Die Propsteikirche in Oberpleis
Unser Land - Blätter für Heimatkunde, 1. Teil
Mit dem Verklingen des Siebengebirges und des Westerwaldes beginnt, südlich begrenzt und überragt noch vom Oelberg, in stilleren Formen ein sanft hügeliges Land, vom Rhein geschieden zwar, doch von seiner Nähe anmutvoll bestimmt. In vielen Windungen führt die Straße vom Strom her, Höhen überwindend und Senkungen durchlaufend. Zu ihren Seiten liegen die hellen, freundlichen Ortschaften, Häuser im schönen Schwarzweiß des ‘rheinischen Fachwerkes‘, gehegte Gärten und gedehnte Weiden. So öffnet sich dem Wandernden die Schönheit eines gesegneten Ländchens, das minder durch Großartigkeit als durch Lieblichkeit gefällt. Bald hinter dem Friedhof in Oberdollendorf, in dessen Mauer alte Kreuze mit derber Ikonographie eines mittelalterlichen Memento mori stehen, beginnt die wechselnde Folge tiefgrüner Wiesen und weiter Felder, die gemächlich mit den Schwüngen und Steigungen des Geländes gehen. Zuweilen noch eröffnet sich zwischen den Bergkulissen der Ausblick zum Rhein hinüber, und ein letztes Mal hat die beschauliche Kleinheit und trauliche Enge des Landes noch Teil an der Größe und mächtigeren Schönheit des Rheintales.
Dann freilich, wenn der barocke, gewaltige Torbogen der Abtei Heisterbach auftaucht mit den symbolischen Mönchsfiguren und dem tanzenden Gitter darüber, mit der ernsthaften, nahezu italienischen Anmut einer Allee steiler Pappeln, die schnurgerade auf die berühmte Ruine hinzuführen scheinen, auf jenen köstlichen Rest zisterziensischer Baukunst, dann freilich ist das Bild des Rheines ganz vergangen. Und vollends ist das Land von ihm getrennt, wenn die erste Steigung des Oelberges überwunden ist. Es breitet sich dann mit dem langsamen Zutalgehen eine Gegend, um deren Reichtum und Reiz es sich wohl verlohnte zu streiten, wie es vordem die Herren des Bonner Stiftes von St. Cassius oft und heftig getan. Ja, sie trugen sogar ihre Klagen um das Gebiet, das hinter dem Siebengebirge der Sieg zugekehrt liegt, und um den Ort Oberpleis, der ihr offenbarer Mittelpunkt ist, insbesondere bis zu den Ohren des Papstes. Bis endlich der Erzbischof Bruno II. von Köln die Fehde, deren anderer und nicht weniger streitbarer Teil die Abtei Siegburg war, im Jahre 1132 entschied, dergestalt, dass das begehrte Ländchen an der Pleis den Siegburgischen zufiel und die Herren von St. Cassius entschädigt wurden mit sechzig Mark Silber und Einkünften von Ramersdorf.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.