Aufnahme: 1938

Kreuzgang mit Quadrum an St. Pankratius Oberpleis

Unser Land - Blätter für Heimatkunde, 5. Teil

Das Auge verliebt sich in den mannigfachen Reiz des Kreuzganges. Man wird die Zierlichkeit der schlanken Säulen rühmen dürfen, die denen des Bonner Münsterkreuzganges verwandt sind, als um weniges jüngere Geschwister und gleich ihnen ‚eine Fundgrube für die Bauzier der Stauferzeit‘. Am Ende der Bogenschwünge, die steigen und fallen mit der edlen Leichtigkeit eines Spieles, steht ein barocker Grabstein, eines jener Steinmetzwerke, die in der gemessenen Eleganz - hier ist das Wort zu seinem Ursprung und seinem Sinn geführt, der ‚eligere‘ gleich ‚erwählen‘ sein läßt, um den Verdacht der Leichtfertigkeit von einem längst verstorbenen Künstler abzuwenden - die also in Eleganz den Ernst und die Dunkelheit des Todes mit Feierlichkeit zu überwinden wissen. Die Inschrift sagt, daß am 7. März des Jahres 1736 der sehr edle Herr Christian Everhard von Stael als Propst hier gestorben ist. Mit der Nennung seines Namens wird man zugleich seiner Vorgänger gedenken, der Herren Bertram von Ans und des von Nesselrode, die an der Stelle der in Not- und Kriegszeiten schadhaft und unwohnlich gewordenen Bauten die neue Propstei schufen, ein schlichtes Haus des 17. Jahrhunderts, erwogen in den Formen und wohlgestaltet, und jenes bezaubernden Tores, in ländlichem Baustil, das zum Wirtschaftshof hinüberführt.

Weniger Schritte nur bedarf es, um aus dem Bezirk klösterlichen Friedens und der abgeschlossenen Weltverlorenheit eines Gartens, in dem zerbrochene Säulen und Mauerreste vor Propstei und Kreuzgang ein erinnerungsvolles Gestern sind, zu dem ungleich lebhafteren Reich landwirtschaftlichen Waltens zu gelangen. Ein anderer Name steht darüber. Der Propst Walbott von Bassenheim schuf, gleichfalls ein schon früher Gewesenes erneuernd, den großen Wirtschaftshof mit dem bestens gefügten Winkelzug der Ställe, mit dem schönen Nebeneinander von leuchtendem Fachwerk und solidem Steinbau im Jahre 1701. Er scheint ein derberer Herr gewesen zu sein, als der Propst von Nesselrode, der sein Wappen sehr zierlich führte, und auch als der von Stael, um dessen Namen der Hauch des französischen Esprits, nicht einmal ganz zu Recht vielleicht, ist. Indes wer seine Phantasie gern spielen läßt, mag sich die Pröpste von St. Pankratius nach ihren Schöpfungen vorstellen, vornehm und der höheren Kunst zugetan oder auch breit und von behäbiger Diesseitigkeit, die gern die fröhliche Sorge für das Tägliche trägt.

Gewiß aber muß man die schöne Anlage des Walbott von Bassenheim, die helle Geräumigkeit der Bauten um den malerischen Ententeich, die die Wappen und die Jahreszahl als sein Werk bezeichnen, auch heute noch als gültig und brauchbar anerkennen müssen, denn sie dient in ihrer jetzt mehr als zweihundertjährigen bedachtsam erwählten Form auch heute noch ihrem ihm bestimmten Zweck bestens. Der mauerumschlossene Propsthof, der ehedem, adligen Gütern gleich, mit Rechten und Freiheiten reichlich ausgestattet war, ist für den Besucher der Propstei der Beschluß seiner Wanderung. Und allzu bald entläßt das tiefgeschwungene romanische Tor mit der gestuften Zier seiner schönen Profilierung aus diesem friedlichen Nebeneinander von täglicher Arbeit und glücklicher Weltabgeschiedenheit, von tätigem Schaffen und geweihter Stille.

Quelle
Unser Land, Teil 5, General-Anzeiger vom 10.-11. September 1938; Foto: Karl Balensiefen
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet: Text; Klaus Reinecke: Foto
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