Aufnahme: 1997
Günther Steeg erhielt den Ehrenring der Stadt Königswinter
R. Montag abend fanden sich nach vorangegangener Ratssitzung nahezu alle Ratsmitglieder und Reporterkollegen im Haus Bachem ein, wo zwei verdienten Bürgern durch Bürgermeister Krämer und Stadtdirektor Bernert Ehrenringe der Stadt Königswinter verliehen wurden. Durch einstimmigen Ratsbeschluß waren Theo-Josef Kurenbach, von 1971 bis 1988 Leiter des Hauptamtes und danach Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, und Günther Steeg, seit 1964 und noch bis Ende dieses Jahres Mitarbeiter und wesentliche Stütze in der redaktionellen Arbeit für die Siebengebirgs-Zeitung, zu Trägern des Ehrenringes bestimmt worden.
Wenn wir hier über die Verleihung des Ehrenringes an Günther Steeg zuerst berichten, so deshalb, weil er sich den Bericht über die Verleihung an Theo-Josef Kurenbach als eine seiner letzten Arbeiten vor dem selbstgewählten Ruhestand für sich selbst vorbehalten hat. Wir kommen darauf in der nächsten Ausgabe zurück. In seiner Laudatio zur Verleihung des Ehrenringes der Stadt Königswinter an Günther Steeg hob Bürgermeister Herbert Krämer die Punkte besonders hervor, die das Engagement des Geehrten als Berichterstatter für die Drachenfelsstadt besonders verdeutlichen.
„Günther Steeg: Lokalreporter mit Herz, Leib und Seele. - Reporter aller Stadtteile unserer Stadt. - Ein Original unserer Stadt. - Durch ihn sind alle Ortsteile in unserer Stadt bekannt geworden. - Mit seiner Arbeit hat er einen wesentlichen Beitrag für das Zusammenwachsen der Stadt Königswinter seit 1969 geleistet." Der Bürgermeister zeichnete dann den Lebensweg von Günther Steeg nach, der in besonderer Weise von der jüngeren deutschen Geschichte geprägt wurde. Geboren am 9. März 1930 in Oberkassel. Die Mutter, jüdischer Abstammung, wurde 1944 verhaftet und kam über ein Auffanglager in Köln nach Mitteldeutschland, dort geflohen wurde sie von guten Freunden bis Kriegsende in Königswinter versteckt. Günther Steeg besuchte die Volksschule in Oberdollendorf, ab 1940 das Beethovengymnasium in Bonn. Nach einem Jahr mußte er dort aber abgehen, dann drei Jahre Mittelschule in Königswinter bis er auch dort wegen seiner Abstammung die Schule verlassen mußte.
Beruflich war er von 1949 bis 1989 40 Jahre beim DidierWerk in Niederdollendorf als Lohnbuchhalter beschäftigt. Die Arbeit als Reporter war bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1989 nebenberuflich. Tagsüber Arbeit, abends Termine, nachts geschrieben. Seine Reportertätigkeit kam aus der katholischen Jugend und aus der Pfarrarbeit heraus. 1949 veranstaltete der Kirchenchor der Katholische Kirche St. Laurentius ein Konzert. Günther Steeg verfaßte einen Bericht und schickte ihn an die Oberkasseler Zeitung, die ihn auch veröffentlichte. Daraufhin fragte die Redaktion der Beueler Nachrichten an, ob er für sie arbeiten wolle, und so geschah es bis zur Fusion mit der Bonner Rundschau im Jahre 1971. Für die Rundschau war er dann als Lokalreporter zehn Jahre für Beuel zuständig, danach für Bad Honnef und ab 1991 nur noch für Königswinter. Ab 1964 begann er seine Tätigkeit als Berichterstatter für die Siebengebirgs-Zeitung. Der Bürgermeister führte dann eine kleine Statistik an, die den zeitlichen Aufwand der Berichterstattung von Günther Steeg verdeutlicht: Für die Rundschau ab 1971 rund 30000 Zeilen jährlich. Das waren in 26 Jahren rund 780000 Zeilen. Für die Siebengebirgs-Zeitung 7500 Zeilen pro Monat, 90 000 Zeilen pro Jahr, macht in 33 Jahren rund 3000000 Zeilen.
Hinter den Berichten und Fotos steht: Günther Steeg war in allen Ortsteilen bei allen Veranstaltungen dabei. Ob Stadtrat, Ausschüsse, große Veranstaltungen, große Feste, große Konzerte oder Fünf Mann -Veranstaltungen, überall hieß es „Wo ist der Günther?" Ob bei Kälte, Wind, Regen, Glatteis, Hitze: Günther Steeg war, selbst in kurzer Hose, auf der Bühne. Ob große Ortsteile oder Gratzfeld, Sassenberg, Kappesbungert - er kennt sie alle. Und er kennt alle Verantwortlichen in den Vereinen und Organisationen . Er ist bekannt wie ein bunter Hund! Mit der Bruderschaft in Brügge auf der Straße: „Tag Herr Steeg." Ja, und wenn er die Gruppenfotos zusammenstellt! Ob Außenminister Genscher, Regierungspräsident Antwerpes, ob Goldhochzeit oder Klassenfoto, ob Hund oder Mensch, alle müssen sich nach ihm ausrichten.
Einmal hatte er ein Problem. Theateraufführung in der Aula Oberpleis mit Schauspieler Völz. Steeg auf der Bühne. Der Schauspieler dreht sich um und sagt: „Sie gehören nicht hierhin." Das Volk brüllt vor Lachen. Steeg geht schnell runter. Später stellte sich heraus, der Satz des Schauspielers gehörte zum Text des Stückes. „Aber denken wir daran", so der Bürgermeister abschließend, „diese manchmal störenden Reporter, diese Berichte und Fotos sind für die Leser und Veranstalter gleichermaßen wichtig. Die Zeitungen holen uns unser buntes, vielfältiges gesellschaftliches Leben in die Wohnzimmer. Wir wissen, daß Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Engagement in Königswinter sehr gut ausgeprägt sind. Dafür brauchen wir Unterstützung und Motivation. Die besteht besonders in der Bekanntmachung durch alle Presseorgane unserer Stadt.
Günther Steeg beendet seine journalistische Tätigkeit - 33 Jahre Reporter der Siebengebirgs-Zeitung
Bg. Seit 1964, kurz nach dem Erscheinen der ersten Ausgaben der Siebengebirgs-Zeitung, übernahm Günther Steeg die lokale Berichterstattung für unsere Heimatzeitung. Gleichzeitig war er als Berichterstatter noch tätig für den WDR-Hörfunk, für die Kirchenzeitung und für die Bonner Rundschau. Günther Steeg prägte in 33 Reporterjahren die Berichterstattung in der Siebengebirgs-Zeitung aus Vereinen, den politischen Parteien, der Kommunalpolitik und aus der Verwaltung der Stadt Königswinter. Günther Steeg deckte das gesamte Spektrum des öffentlichen Geschehens ab. Kein Wunder also, daß er in Königswinter bald - vielleicht schon nach dem Bürgermeister - die bekannteste Person wurde. Unübertroffen seine Art, Neuigkeiten und Hintergründe zu ermitteln sowie bei Fototerminen „seine Schäfchen zurechtzustellen".
Sein Engagement wurde 1979 mit der Verleihung des Ordens „Wider den quälenden Durst" von der Stadt Königswinter gewürdigt. 1991 folgte auf Anregung des Herausgebers der Siebengebirgs-Zeitung die Ehrung mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Landrat Dr. Franz Möller. In der amtlichen Vorschlagbegründung hieß es damals treffend: „Herr Steeg hat sich als Lokalreporter auszeichnungswürdige Verdienste erworben und sich damit um das allgemeine Wohl verdient gemacht."
Aber auch als Mitglied vieler Vereine seines Heimatortes Oberdollendorf wurde Günther Steeg im Laufe der Jahre mit Ehrungen und Orden ausgezeichnet, ebenso vom Bund Deutscher Karneval und vom Festausschuß Siebengebirge. Krönender Abschluß seiner journalistischen Tätigkeit war nun die Ehrung mit der Verleihung des Ehrenringes der Stadt Königswinter.
Daß Günther Steeg nun nach den vielen Jahren des journalistischen Schaffens den Stift beiseite legen und die Schreibmaschine schließen möchte, ist verständlich, wenn es auch für die Siebengebirgs-Zeitung schwer sein dürfte, wieder einen Lokalberichterstatter seiner Art zu finden. Verlag und Redaktion wünschen ihm jedenfalls alles Gute, wenngleich wir glauben, daß es Günther Steeg auch in Zukunft noch des öfteren in den Reporterfingern jucken dürfte.
Günther Steeg: „Eme dobei"
R. Viele Vereine und Gemeinschaften der Stadt Königswinter dankten unserem Lokalreporter Günther Steeg für die langjährige Berichterstattung. Beispielhaft sei hier die Niederdollendorfer Longenburgschule und ihr Förderverein genannt , die Günther Steeg mit einer Urkunde ehrten, in der es heißt: „Für seine permanente Berichterstattung in Wort und Bild - 25 Jahre Longenburgschule, 21 Jahre Förderverein und 20 Jahre I-Dötzchen-Treffen - verleihen wir Günther Steeg die besondere Auszeichnung ,Eme dabei' .
Wir würdigen damit seinen stetigen Einsatz bei jedem Wetter und zu jeder Zeit und danken ihm sehr herzlich. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute für die Jahre danach. "
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