Aufnahme: 1997

An die Bücher des Oberpleiser Autors Werner Heinen kommt man nur noch schwer heran

Oberpleis. In der schönen Natur des Siebengebirges ist er immer gern gewesen. Viel darüber gelernt und geschrieben hat er auch. Aber nicht nur davon. Die Schaffensbreite des Autors Professor Werner Heinen reicht von Heimatromanen über naturkundliche Literatur bis hin zu Gedichten. Im Mittelpunkt vieler Bücher steht immer wieder sein Geburtsort Oberpleis. Am 23. Oktober 1896 herrschte große Aufregung in der alten Löwen-Apotheke an der Dollendorfer Straße in Oberpleis: Der erste Sohn der Familie Heinen kam zur Welt. Vier Söhne und zwei Töchter sollten folgen. „Gern und viel in der Natur gespielt hat er, als er noch ein Kind war", erzählt seine spätere Frau, Elisabeth Heinen, die vor kurzem ihren 80. Geburtstag feierte. Da sein Vater Apotheker war, habe er sich auch früh für Pflanzen interessiert. Diese Vorliebe sollte später auch zu seinem Hauptberuf werden. Nach der Volksschule in Oberpleis besuchte er das Gymnasium in Siegburg. Ein Studium der Biologie in Bonn und Köln schloß sich an. Nach seiner Promotion wurde Heinen 1957 Biologie-Professor in Köln. Dabei hat ihn immer die gesamte Bandbreite der „Wissenschaft des Lebens" interessiert, von der allgemeinen Biologie bis zur Humanbiologie. Neben wissenschaftlichen Texten verfaßte er auch viele populäre Bücher ,,Agrion", in dem die Geschichte einer Libelle erzählt wird, oder naturphilosophische Betrachtungen mit dem Titel „Biologische Plaudereien". Biologische Kenntnisse in Prosaform brachte Heinen mit dem Buch ,,Architektur im Roggenhalm" zu Papier.

Heinen hat jedoch lange vor seiner wissenschaftlichen Karriere zu schreiben begonnen. Sein Debüt als Autor gab er in den 20er Jahren mit seinem 1935 veröffentlichten Jugendroman „Tristan Röder", der in Köln spielt und authentisch das Leben und Wirken der dortigen Studenten und Künstler beschreibt. In Köln lebte er auch mit seiner späteren Frau, Elisabeth Heinen, die er 1941 geheiratet hatte. Drei Kinder brachte Heinen aus erster Ehe mit. Zusammen mit Elisabeth Heinen hatte er nochmals vier Kinder. Die jüngste Tochter, Beate Heinen, lebt heute in Maria Laach und ist eine bekannte Kunstmalerin. Aus erster Ehe stammt die 1919 geborene Tochter und spätere Ufa-Schauspielerin Johanna Edwards. Durch und durch also eine sehr künstlerisch ambitionierte Familie. Daß ihm das Schreiben literarischer Bücher immer mehr zum Bedürfnis wurde, dokumentiert eine Fülle von Werken. Weit über ein Dutzend Titel erschienen von 1931, „Rubin im Basalt", bis 1962, „Woher stammt der Mensch?". Die meisten Gedichte, Romane, Erzählungen und Novellen sind in den 30er und 40er Jahren entstanden: „Der junge Genius", ein Roman über den Mönch und Erbforscher Johann Gregor Mendel, oder der Gedichtband „Das singende Jahr". Dabei blieb er seinem Geburtsort immer verbunden. Der Roman „Die Glocke von Oberpleis", in der es um die Separatistenkriege geht, spielt in dem Siebengebirgsort. Ebenso der autobiographische Kindheitsroman „Die Insel", den Heinen mit den lyrischen Worten  „Die Liebe ist ein Rosenstrauch. Wo blüht er, wo blüht er?", enden läßt. Den Umschlag zu diesem Werk hat Heinens Schwester Tony Bachern illustriert. Sie ist in Oberpleis unter anderem durch ihre Wandbemalungen in der Gaststätte Bramkamp bekannt.

Noch keine Neuauflagen
Wer sich um die Bücher des kurz vor seinem 80. Geburtstag, am 22. Oktober 1976, gestorbenen und in Köln begrabenen Autors bemüht, wird es nicht einfach haben. Die Ausgaben sind offenbar nicht mehr im Buchhandel erhältlich. Einige Exemplare befinden sich noch in der Familie und Verwandtschaft Heinens. Wer viel Glück hat, kann vielleicht in den Bonner und Kölner Antiquariaten das eine oder andere Werk auftreiben. Elisabeth Heinen hat versucht, „Die Insel" und weitere Werke neu aufzulegen: „Die heutigen Verlage lassen sich zum Nachdruck aber nur schwer bewegen. Bisher ist es mir nicht geglückt", sagt sie. Da werden wohl diejenigen, die nun Appetit auf den Heimatautor Werner Heinen bekommen haben, einigen Antiquariaten einen Besuch abstatten müssen.
 
Von den Separatistenkriegen erzählt Werner Heinens Roman „Die Glocke von Oberpleis". Der Biologie-Professor schrieb auch Gedichte und Novellen.

Quelle
General Anzeiger vom 20. Februar 1997; Text: Johannes Seiler
Zur Verfügung gestellt von
Angelika Reuter, GA; Eva Wehnert-Heinen und Ursel Grund (Foto);
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