Aufnahme: 1994

Jean Assenmacher ist tot

st. Der Oberdollendorfer Heimatdichter Jean Assenma­cher starb am vergangenen Samstagmorgen 79-jährig nach schwerer Krankheit. Assenma­cher, der schriftstellerisch in weiten Teilen des Rheinlandes und besonders im Siebengebir­ge sehr bekannt war, signierte seine über 500 Erzählungen stets mit „Jodokus". In seine unterhaltenden Geschichten, vielfach in Mundart, bezog er seine Frau Elisabeth als „Arnanda" mit ein. So entstand der Band „Die verrücktesten Geschichten von Amanda und Jodokus", in dem auf sehr hu­morvolle Weise Urlaubs- und Alltagserlebnisse ihren Nieder­schlag fanden. Seine vielen Werke, in denen auch die plattdeutsche Sprache der Altvorderen und Begriffe wie „Retzefäje on Schüerendresche" oder „Komkommere on Ketteplöck" ihre Erklärung fanden, wurden von Jean Assenmacher mit Federzeichnungen illu­striert. Nebenbei schuf er ganze Bildermappen mit Motiven der Heimat, die auch in Kalendern zusammengefaßt wurden. Um die Heimatgeschichte machte er sich verdient, mit Broschüren über die Heisterbacher Talbahn und „Das Erbe von St. Pe­terstal", in dem die Heisterba­cher Klostergeschichte von ihm aufgearbeitet wurde.

Besonders beschäftigte sich der Verstorbene mit der Ge­schichte der beiden Dollendorf und ihrer jahrelangen „Feind­schaft". In der Broschüre „Dolldep on Dolldep es zweierlei"  sind Schmunzelgeschich­ten, auch in Reimform, auf über 60 Seiten zusammenge­faßt. Viele Festbücher schrieb Jean Assenmacher für die Dol­lendorfer Ortsvereine. Seine Ideen gewann der Rentner - er war von Beruf Maler und An­streicher – bei seinen täglichen langen Spaziergängen. 1950 war er Mitbegründer der Oberdollendorfer Karne­valsgesellschaft „Küzengarde", schrieb die Texte zu zahlreichen Oberdollendorfer Karnevals- und Heimatliedern, ging in die Bütt mit selbstverfaßten Reden und schrieb später als Senator der „Küzengarde", Büttreden für Nachwuchskräf­te. Bereits 1985 wurde Jean Assenmacher mit dem Verdienst­orden des Bundes Deutscher Karneval in Gold geehrt.

Unter seiner Regie wurde die „Närri­sche Hilfsschule der Küzengar­de" ins Leben gerufen. Er entwarf zahlreiche Karnevalsorden mit heimatlichen Moti­ven sowie die vereinseigene Treuemedaille „Last not least". Der Festausschuß Siebengebirge verlieh ihm den Dankorden, und die „Küzengarde" ernann­te ihn zum Ehrenmitglied. Der Verstorbene, der am 3. März 80 Jahre alt geworden wäre, begann seine kreative Laufbahn in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft in Livorno. Er organisierte Veranstaltungen, schrieb Texte und malte die Kulissen. Nach der Rückkehr in die Heimat betätigte er sich als Unterhalter und Stim­mungsmacher bei Vereinsfe­sten. Sein erster Auftritt bei der Oberdollendorfer Kolpingfa­milie bescherte ihm einen riesigen Erfolg. Zehn Jahre zeich­nete er als Redakteur des Bru­derblattes der St. Sebastianus­ Junggesellenbruderschaft Oberdollendorf verantwortlich.

Die Stadt Königswinter ehrte Jean Assenmacher durch die Verleihung des „Ordens wider den quälenden Durst". Seine schriftstellerischen Fähigkeiten stellte er auch in den Dienst der Werbung für die Siebengebirgs­stadt. Er schuf Texte und Zeichnungen zum Weinwan­derweg, und zu den Feierlich­keiten anläßlich der Einwei­hung der Niederdollendorfer Longenburgschule entwarf er die Enbleme für T-Shirts. Als die Stadt Königswinter die Her­ausgabe eines Bildbandes plan­te, stand fest, daß Jean Assen­macher dazu den Textteil schrieb. Für all seine Verdienste um die Allgemeinheit ehrte ihn    die Bundesrepublik Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz. Im Jahre 1992 wurde ihm der Rheinlandtale des Landschaftsverbande Rheinland verliehen.

Jean Assenmacher war auch aktives Mitglied des Heimat­vereins Oberdollendorf und Römlinghoven und hat sich besonders um dessen Aufbau und in letzter Zeit um die Einrich­tung des Heimatmuseums im Brückenhof bemüht. Im No­vember des vorigen Jahres stiftete er den „Jodokus"-Heimatpreis. Noch kurz vor seinem Tode stellte er das Manuskript, für ein neues Buch fertig, das im Herbst 1994 in Erinnerung an den großen Heimatschriftsteller veröffentlicht wird. Es trägt den Titel „Meine kleine Welt" und schildert autobiografisch sein Leben im Siebengebirge. Die übrigen Bücher von „Jodokus" sollen in diesem Jahr alle neu aufgelegt werden, da sie größtenteils bereits vergriffen sind.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 5 vom 03.02.1994; Text: Günher Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ); Lothar Vreden: Foto
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