Aufnahme: 1991

Wilhelm Koslar, Keramiker und Dichter

Wilhelm Koslar wurde1924 in dem kleinen Ort Kirchberg bei Jülich geboren. Nach der Volksschule besuchte er das Humanistische Gymnasium in Jülich. Bevor er sein Abitur machen konnte, wurde er 1943 zum Kriegsdienst einberufen. Auf Zypern wurde er schwer verwundet, ein Unterschenkel musste amputiert werden.1948 konnte er dann sein Abitur nachmachen und studierte zuerst Ägyptologie, wechselte dann aber zur Keramik, in der er 1960 seine Meisterprüfung ablegte. Seine erste Werkstatt hatte er in St. Augustin. Bis 1990 war er Technischer Lehrer für Keramik an der FHS Köln. 1968 verlegte er seine Werkstatt nach Königswinter- Eudenbach. Fast 20 Jahre lebte und wirkte Wilhelm Koslar in unserer Stadt. Zwei großflächige Werke zierten öffentliche Gebäude. In Oberpleis gestaltete er die Außenwand der Kreissparkasse zum Weilerweg hin mit dem für eine Bank sinnigen Spruch:“ Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, und für die Grundschule Sandscheid schuf er am Eingangsportal eine großflächige Sonnenuhr. Doch leider fielen beide Kunstwerke Umbaumaßnahmen zum Opfer und konnten nicht erhalten werden. Mit drei Ausstellungen bereicherte er die Kunstszene unserer Stadt. Zum ersten Mal nahm er 1970 an der vom Arbeitskreis Heimatkunde Oberpleis durchgeführten Ausstellung „ Künstler aus dem Oberpleiser Raum stellen aus“ teil. Es folgten noch zwei Einzelausstellungen im Rathaussaal Oberpleis statt, die bei der Bevölkerung großen Anklang fanden.

Und 1987 zog er noch einmal um. In einem wunderschönen, alten Fachwerkhaus in Rhens bei Koblenz, das allerdings sehr renovierungsbedürftig war, und für ihn eine Herausforderung bedeutete, richtete er Werkstatt, Ausstellungsräume und Wohnung ein. 1990 erhielt er einen Lehrauftrag für Keramik an der FHS Köln, Fachbereich Kunst und Design. Als erster Deutscher bekam er 1991 eine Einzelausstellung in Korea. Aus Dankbarkeit ermöglichten seine koreanischen Studenten ihm diese Einzelausstellung in dem bekannten Museum Kumho in Seoul. Sie stellte gleichzeitig Höhepunkt und Ende seines künstlerischen Schaffens dar.

Während seines Aufenthaltes in Seoul machten sich die ersten Anzeichen einer heimtückischen Krankheit bemerkbar, denen er allerdings keine Bedeutung beimaß. Doch bald sollte es zur Gewissheit werden, er litt an Lateralsklerose. Nach zweijähriger, schwerer Krankheit verstarb Wilhelm Koslar in Rhens, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Mit ihm verlor die Keramik einen ihrer bedeutendsten und eigenwilligsten Vertreter.

Was macht das Besondere an Wilhelm Koslars Werk aus?

Wilhelm Koslar ist nicht Sklave der Materie. Er wagt das Experiment und hält sich alle technischen Möglichkeiten offen, die das Material Ton zulässt. Nach seinem Standort befragt, sagte er:“ Ich möchte mir alle Möglichkeiten offen halten; und was ich schaffe, spielt sich im Raum der Freiheit ab.“ Koslar verfügt über einen unermesslichen Ideenreichtum, was sich in den Themen und der vielfältigen Gestaltung seiner Werke widerspiegelt. Oft bringen sie den unbefangenen Betrachter zum Schmunzeln, mit Humor persifliert er eine gewisse Idylle, andere regen zum Nachdenken an, und alle bestechen durch ihre Konzentration auf das Wesentliche und die Präzision der Ausführung. Er will keine Perfektion. Sie lähmt die künstlerische Gestaltungskraft. So stellt selbst die Herstellung eines banalen Gebrauchsgegenstandes, wie ein Teeservice, eine geistige Herausforderung dar. Präzision bedeutet aber auch Reduzierung auf das Wesentliche.

In seiner Eröffnungsrede, anlässlich seiner Ausstellung in der Galerie Kumho in Seoul am 19.10.1991, sagt Wilhelm Koslar über sich: Ich bin in Deutschland ein Außenseiter. Ich habe keinen Stil .Aber ich bin sehr neugierig, ich bin sehr hungrig, ich habe viel Lust auf Ton- ich liebe ihn. Und ich habe, glaube ich, viel Phantasie, oft grenzenlose. Der Ton ist weich, das heißt, er entspricht meiner Phantasie am besten. ... Wenn es für mich die Phantasie nicht gäbe, die Zwänge missachtet und Pflichten wenig respektiert, hätte ich bestimmt Stil entwickelt und gefunden. ... Sie hat mich jedoch immer zum Genauen des Realen erzogen, nie zum Nebel, zu Wolkigem, zum Formlosen...“

Mit der gleichen Präzision und Konzentration wie in seinen keramischen Werken schrieb Wilhelm Koslar auch eine Reihe von Gedichten, die er während vieler Jahre sehr zur Freude seiner Freunde und Bekannten in kleinen Gedichtbändchen herausbrachte. Aus der Vielzahl der Gedichte sei eins herausgesucht aus der Sammlung „ Schattenpflug, mein Stern“, das im Grunde das Wesen des Menschen Wilhelm Koslar und seine Einstellung zum Leben in einem wunderschönen Bild wiedergibt.

Mein Bruder
Komm herein!
Sieh dich um!
Gevierteilt ist mein Raum.
Gegenüber nah dem Fenster
wohnt mein Hund.
Und in der Stille der Nacht schleicht öfters
eine Katze ihm zur Seite.
Im schönen Korb wohnen sorglos
Dompfaff und Zeisig.
Ein Rebhuhn vom Feld drückt unbekümmert
sich ins Reisig, das ich hertrug.
Im andern Raum gedeiht ein Baum.
Und Gräser blühn und Blumen und manch Kraut.
Du wohn´ im dritten!
Sei so lieb!
Du bist ein Mensch!
Haus und Hof gehören dir wie mir.
Und lass, dass ich Tür und Fenster öffne weit,
weit, damit`s dem Wind im Haus gefällt.
Ich hab das Dach vor Jahren abgedeckt,
um Mond und Sterne anzusehen.


Quelle
unbekannt
Zur Verfügung gestellt von
Fritz Karl Birkhäuser Big Mac - Wilhelm Koslar (Wikipedia)
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