Aufnahme: 1972
Maler und Bildhauer G. F. Ris
Ein neues Buch über den Bildhauer G. F. Ris
Von Wilhelm Scheffen
Über das Werk des in Wahlfeld bei Oberpleis lebenden bedeutenden Bildhauers Günter Ferdinand Ris erschien im Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen, ein Buch, das einen Überblick über das Werk des Künstlers darbietet sowie eine ausgezeichnete Darstellung des Werks und der Persönlichkeit des Bildhauers aus der Feder des Kunsthistorikers Prof. Eduard Trier gibt, dem Nachfolger des kürzlich emeritierten Heinrich Lützeler auf dessen Bonner Lehrstuhl. In diesem Buch sind Abbildungen der ersten Zeichnungen und Gemälde von Ris enthalten sowie der ersten Plastiken bis hin zu den jüngsten Arbeiten. Auch Photographien der Brunnenanlage vor der von Scharoun gebauten deutschen Botschaft in Brasilia sind hier zu finden. Ris begann als Maler. „Das war weder eine Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten, noch war es . . . künstlerisch ein Umweg", schreibt Trier, der in dem Buch den Werdegang des Künstlers Ris zeichnet. Das Buch bringt Beispiele dafür, daß Ris zuerst gegenständlich zeichnete und malte. Das zerfurchte Antlitz eines alten Mannes ist ein gutes Beispiel für das zeichnerische Können von Ris. Die gegenständliche Phase dauerte bis 1953.
„Dann entwickelte Ris aus dem zeichnerischen Detail abstrakte Formen mit zunehmend konstruktivistischer Tendenz", bemerkt Trier. Das Entwerfen von Möbeln, technischen Einrichtungen, die Arbeit auf dem Gebiet der Innenarchitektur und der Entwurf für einen Ausstellungspavillon waren dann nach Trier die ersten Schritte auf das eigentliche Ziel hin, die Vorstellungen des Künstlers Ris räumlich dinglich zu verwirklichen. Das gelang ihm zum ersten Male im Betonrelief für das Kölner Hildegardis-Gymnasium, wo Ris strukturierte Flächen und plastische Elemente miteinander in räumliche Beziehung setzte. Ris gab schließlich im November 1960 das Malen endgültig auf und wandte sich ganz der Bildhauerei zu. Sein plastischer Erstling war eine etwa faustgroße, massiv gegossene und eigenhändig ziselierte Bronze. Innerhalb weniger Monate schuf Ris mehrere Skulpturen. Ein Aufenthalt in der Villa Romana zu Florenz 1963/64 öffnete Ris weiter den künstlerischen Blick. Er meinte anschließend selbstkritisch, daß er erst seit jener Florentiner Ausnahmesituation als Bildhauer vorhanden sei. Den hier gefundenen künstlerischen Anregungen folgten Arbeiten in Marmor. Die Werke, die bisher immer noch Anklänge an menschliche Körper erkennen ließen, vermeiden diese Anspielungen auf Gegenständliches immer mehr.
Die während der Mitte der sechziger Jahre geschaffenen Arbeiten variieren eines der Leitmotive des Künstlers: das Aufschneiden von Flächen, das Öffnen und Schließen impulsierender Bewegung. „Was die neueren von den älteren Werken unterscheidet, sind die weitere Räumlichkeit, die gesteigerte Sicherheit und größere Freiheit beim Einsatz der formalen Mittel", schreibt Trier. Es entstanden Plastiken, die wie technoide Gegenstände aussehen, darunter fallen auch die von Ris geschaffenen Edelstahlbrunnen. Ris benutzt eine Fülle verschiedener Werkstoffe, außer Bronze und Marmor auch Zement, Kunststoffe, Porzellan und Edelstahl. Die in dem Band aufgeführten Werke von Ris werden von Professor Trier einzeln besprochen. Das Buch bietet eine hervorragende Einführung in das Werk des Bildhauers, der auf bedeutenden internationalen Ausstellungen vertreten war und zur Zeit wieder in der Galerie Rothe in Heidelberg (bis zum 7. Mai) ausstellt. Vom 29. August bis zum 15. Oktober werden auch die Bonner Gelegenheit haben, 40 Werke von Ris in einer Ausstellung des Städtischen Kunstmuseums Bonn in der Rathausgasse zu sehen. Sie ist als Einzelausstellung nur Günter Ferdinand Ris gewidmet.
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