Aufnahme: 1952
Prof. Dr. Werner Heinen, Schriftsteller und Dichter
Dr. Werner Heinen, * 1896 in Oberpleis, + 22.10.1976 in Köln, Sohn des Apothekers Dr. Franz Heinen, war literarisch vielseitig tätig. Im Hauptberuf Professor für das Fach Biologie an der Pädagogischen Hochschule Köln, veröffentlichte er zahlreiche fachbezogene Romane, u.a.: Agrion. Die Geschichte einer Libelle (1938); Räuber in der Nacht. Geschichte eines Wiesels; Der junge Genius. Johann Gregor Mendel. Biographischer Roman (1941); Zwiesprache mit Tieren (1942); Biologische Plaudereien (1956). Zu seinen heimatbezogenen Werken gehören zahlreiche Gedichte, das Spiel zur Oberpleiser Jahrtausendfeier (1949) und der autobiografische Roman “Die Insel - Geschichte einer Kindheit” (1953).
Zu Werner Heinens 75. Geburtstag würdigte Heinz Wicharz sein Leben und Werk:
„Es zieht mich immer wieder in die Heimat“
Am kommenden Samstag, dem 23. Oktober 1971, vollendet Prof. Dr. Werner Heinen in Köln sein 75. Lebensjahr. Er wurde am 23. Oktober 1896 als Sohn des Apothekers Dr. Franz Heinen und dessen Ehefrau Antonie geb. Mehliß in der alten Löwen-Apotheke in Oberpleis geboren. Vier Jahre besuchte er zunächst die alte Volksschule von Oberpleis und anschließend das Königliche Gymnasium in Siegburg. Später studierte er in Bonn Mathematik und Naturwissenschaften, hauptsächlich Botanik und Zoologie. Seine Assessorprüfung legte er in Köln ab, wo er 1923 auch promovierte.
Dann folgten Jahre als Studienassessor in Köln und Essen und als Studienrat in Bergneustadt und Essen, zuletzt in Oberhausen. 1947 wurde er Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Oberhausen, kam 1953 nach Köln und wurde dort Professor an der Hochschule Köln. Offiziell wurde er im Jahre 1962 pensioniert, blieb aber bis zum 70. Lebensjahr noch im Lehramt.
Auch heute ruht der unermüdlich Schaffende nicht. Er rezensiert für den „Literarischen Ratgeber" im Jahr 50 bis 60 Neuerscheinungen und ist auch weiterhin literarisch tätig. So wird er u. a. für die Siebengebirgs-Zeitung "Abenteuerliche Geschichten mit dem Bröhltalbähnchen" schreiben, mit deren Abdruck wir in Kürze beginnen werden.
„Für mich war die Schriftstellerei, wenn man so sagen will, eine Nebenbeschäftigung mein Leben lang, jedoch nie Hobby", erklärte uns Prof. Werner Heinen in einem Gespräch, "Sie war aber mein Hauptanliegen. Wie hätte ich wohl sonst über 20 Bücher veröffentlichen und zahlreiche Beiträge zu Sammelausgaben und Zeitschriften schreiben können." Prof. Heinen war auch 20 Jahre lang 2. Vorsitzender des Westdeutschen Autorenverbandes (WAV), dessen Ehrenmitglied er heute ist. Prof. Werner Heinen ist uns Oberpleisern vor allem durch sein Heimatspiel „Das Oberpleiser Tausendjahrspiel" bekannt. Er schrieb es auf Anregung des damaligen Pfarrers Hans Wichert, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband, zum 1000jährigen Bestehen von Oberpleis. Es wurde von der hiesigen Kolpingsfamilie während der Festwoche im Jahre 1948 mehr als zehnmal vor voll besetztem Hause aufgeführt. Ohne dieses Heimatspiel würde die 1000-Jahrfeier nicht einen solchen freudigen Widerhall in den Herzen der Oberpleiser gefunden haben.
Vergessen ist fast sein Gedicht „Die Glocke von Oberpleis", das er 1933 schrieb in Erinnerung an den Angriff der Separatisten auf Aegidienberg. In großer Aufregung hatte man in Oberpleis die Glocke zum Gegensturm geläutet, wobei sie zerbrach. Heute schmückt diese Glocke das Ehrenmal von Oberpleis. Die beiden Sprüche auf dieser Glocke haben ihre eigene Bedeutung: „Sum villanorum saltem sed non monachorum", zu deutsch: „Ich bin für die Bürger des Dorfes da und nicht für die Mönche", lautet der eine Spruch, und der andere fordert die Bürger auf: „Man sal mich lüdin zu Storme". Der Dichter Werner Heinen deutet es so in seinem Gedicht: Stand auf meinem Ring zu lesen: „Dieses Heiligtums Geläute sei nicht zu der Mönche Segen sondern für die Ackerleute!" "Für die Freien und die Bauern, die zur kleinen Kirche wallen, und es soll ihr starkes Klingen stets in Not und Sturm erschallen."
Dieses Gedicht ist von der Schwester des Dichters Tony Bachem mit Holzschnitten kunstvoll illustriert.
Noch eine weitere Schrift, das Buch „Die Insel", ist für uns Oberpleiser, besonders für diejenigen, die Alt-Oberpleis gekannt haben, von Bedeutung. Bei der Lektüre wird mancher Oberpleiser sich schmunzelnd seiner eigenen Jugend erinnern, wenn er etwa im Kapitel „Inselfahrten" liest: "So die Spaziergänge über Weiler hinaus, an klappernden Mühlrädern und dem von Entengrütze übergrünten Teich der Kluse vorbei zum Hartenberg. Auf dem Gipfel dieses Berges gab es wiederum lockeren Wald mit Buchen und Kirschen und einen finsteren Stollen. Vielleicht hatte man dort vor Zeiten Silber, Blei und Kupfer gegraben über den Hartenberg hinaus bis nach Jüngsfeld und zu den Orten mit solch verrufenen Namen wie Freckwinkel, was von verrecke kommen soll, und zum Düwelsarsch hinter Gut Eisfeld."
Und weiter erzählt uns der Dichter von der Wahlfelder Mühle; dem Bönnschenhof, dem Wasserschloss Niederbach, dem 700 Jahre alten Turm der Klosterkirche. Das „Bahnhöfchen" ersteht wieder neu vor unseren Augen mit den „fauchenden" Lokomotiven Emma und Margarete, den ratternden grünen Personenwagen und den verstaubten Basaltkippwagen. Wir gehen mit dem Dichter auf die Oberpleiser Kirmes und, zwei Mark Kirmesgeld in der Tasche, fahren wir Karussell, versuchen unsere Künste in der Schießbude, jubeln dem "Hännesche" zu, kaufen Leckereien beim Zuckerbäcker, bewundern die Überredungskraft des „Wahren Jakob" und zeigen unsere Kraft bei „Haut ihn, den Lukas", Ja, sein geliebtes Oberpleis hat Prof. Werner Heinen nie vergessen. „Obwohl ich seit meiner Studentenzeit in drei Großstädten und einer Kleinstadt meinem Beruf nachging, zog es mich doch immer wieder in die Heimat Oberpleis, und bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war ich fast alljährlich mit meiner Familie für ein paar Sommerwochen Gast im Elternhaus. Auch heute noch bin ich mit Oberpleis verbunden und komme immer gerne wieder in die Heimat."
Wie sehr er an seiner Heimat hängt, konnten die Oberpleiser noch vor einigen Jahren erleben, als er beim "Arbeitskreis Heimatkunde" im Volksbildungswerk Oberpleis einen Lichtbildervortrag über das alte Dorf Oberpleis hielt. Atemlose Stille herrschte in der überfüllten Aula der Oberpleiser Realschule, als der ergraute Professor seinen Vortrag hielt, und die meisten Zuhörer gingen tief beeindruckt von der Aussagekraft dieses Mannes nach Hause. Am kommenden Samstag kann Herr Prof. Werner Heinen auf 75 Jahre eines bewegten, aber auch erfüllten und erfolgreichen Lebens zurückblicken. Seine Werke haben allgemein Anerkennung gefunden, und darauf darf er mit Recht stolz sein. Und wir Oberpleiser sind stolz auf ihn. Wir grüßen ihn und wünschen von Herzen, dass er noch viele Jahre in Gesundheit und voller Schaffensfreude wirken kann, zum Wohle seiner großen Familie, zum Nutzen der Jugend, der sein wissenschaftliches, pädagogisches Werken gegolten hat, und zum Lobe seines geliebten Oberpleis.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.