Aufnahme: 1941

Werner Heinen: Ein Gestalter deutscher Landschaft

Textabschrift:
Der Dichter Werner Heinen erblickte nicht weit von hier, nämlich in nächster Nähe des Siebengebirges, in Oberpleis im Jahre 1896 das Licht der Welt. Dort erlebte das Kind und erst recht der heranwachsende Knabe die Natur mit all ihren Wundern und die stille Schönheit der deutschen Landschaft. Im Elternhaus öffnete ihm die feinsinnige Mutter die Augen für die Schätze deutscher Kultur. Heinens Vater, ein Apotheker, entstammte einer rheinischen Familie. Werner Heinen studierte u.a. bei Heinrich Hertz, dem Entdecker der elektrischen Wellen, und bei Kekulé, dem Entdecker des Benzolrings. Wissenschaft und Forschung waren daher maßgebende Faktoren in seinem Entwicklungsgang.

Schon vor Abschluß der Schulzeit am Siegburger Gymnasium war Werner Heinen im Roten Kreuz tätig und anschließend zwei Jahre Kriegsfreiwilliger. Dann begann e seine Studien in Bonn und Köln, wo er als Werkstudent alle Nöte der Inflationszeit und als Wohlfahrtsbeamter das Elend des verarmten Volkes tiefinnerst erlebte. Aber in der Natur und in der Musik holte sich der junge Mensch immer wieder neue Kraft, In jene Jahre fallen auch seine ersten literarischen Versuche. Nach Abschluß der Studien war Werner Heinen als Studienrat in Köln und Bergneustadt tätig. Seit 1929 wirkt er am Burgymnasium in Essen. Sein Werk spiegelt sein Wesen. Weil die deutsche Landschaft in ihm lebendiges Erleben geworden ist, gestaltet er sie immer wieder in seinen Arbeiten und stellt sie uns in ihrer ganzen Vielseitigkeit vor Augen. Seine Bücher führen uns nicht nur in die weite Einsamkeit der Heide und in die Tiefe der Wälder, sondern auch auf die bunte Sommerwiese, an die lieblichen Bergwässer, an den gewaltigen Rheinstrom, den er so liebt, und nicht zuletzt die Großstadt, die Hunderttausenden schaffender Menschen die Heimat bedeutet. Sie sind durchwebt von der großen Ehrfurcht vor allem Lebendigen, sind beseelt vo tiefer Liebe zu allen Geschöpfen und wurzeln in der Verbundenheit mit seinem Volke.

Sein erster Roman ‚Rubin im Basalt‘ behandelt das Schicksal des Landes hinter den Sieben Bergen. Der Roman ‚Brot aus den Steinen’versetzt uns in die kargen Höhen zwischen dem Bergischen Land und dem Sauerland. ‚Tristan Röder‘ ist die Geschichte eines Werkstudenten. Es spielt in Köln in den schlimmen Jahren tiefster deutscher Not. Den Kölnern ist Werner Heinen nicht unbekannt. Die Kölner Bühne brachte vor einigen Jahren sein historisches Drama ‚Rebellen am Rhein‘, das die Idee des Großdeutschen Reiches behandelt, zur Aufführung. Unstreitig sein bedeutendstes Werk ist das Lebensbild Johann Gregor Mendels, des Entdeckers der Vererbungsgesetze, das kürzlich erschien. Es ist zu hoffen, daß Werner Heinen seinem Volke und besonders uns Rheinländern aus dem großen Reichtum seines Wissens und Erlebens noch manches Wertvolle schenken wird.
Hildegard Knaab.

Quelle
General-Anzeiger vom 12.02.1941; Archiv: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Abt. Digitalisierung
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Willi Joliet Prof. Dr. Werner Heinen, Schriftsteller und Dichter - Prof. Dr. Werner Heinen bei Wikipedia
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