Aufnahme: 1989 (Text)

Podiumsdiskussion zur geplanten Schnellbahn - Überfüllt war die Aula bei der Podiumsdiskussion

st. Nichts Neues in Sachen Schnellbahn. Diesen Eindruck gewannen mehrere hundert Besucher einer Podiumsdiskussion über den Bau der seit Jahren geplanten Schnellbahntrasse durch das Siebengebirge. Die rechtsrheinischen Bürgervereine und Bürgerinitiativen unter ihrem Sprecher Hans Remig hatten zu dieser Veranstaltung in die Aula des Schulzentrums Oberpleis eingeladen. Neun Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Verbänden, Vereinigungen und der Bundesbahn äußerten ihre Meinung zu der umstrittenen Schnellbahnplanung durch das Siebengebirge und den Westerwald. So standen die beiden Vertreter der Deutschen Bundesbahn, Dipl.­ Ing. Peters und der Projektleiter der Neubaustrecken, Dir. Wilfried Zieße, mit ihren Argumenten ziemlich alleine da. Sie mußten sich als einzige Befürworter der Trasse die vielen kritischen Diskussionsbeiträge der Podiumsredner und auch der Zuhörerinnen und Zuhörer im Saale erwehren. Denn Bürgermeister Günter Hank, Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz, der Bonner Universitätsprofessor Dr. Salzwedel, Landrat Dr. Franz Möller, Heinz Lindlar vom Wasserbeschaffungsverband Thomasberg und Dr. Richard Faßbender, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins für das Siebengebirge, sprachen sich ganz entschieden gegen jedwede Trassenführung durch das Siebengebirge aus. Dr. Ritter vom Düsseldorfer Umweltministerium ließ das Fähnchen nach jeder Richtung wehen. Zwar sei das Land für eine Schnellbahn, doch wie und wo, das überlasse man der
Bundesbahn bzw. dem Bund.

Einen schweren Stand hatte Landrat Dr. Möller. Er betonte, daß er die Trassenführung über Vilich als die schlimmste Planung ansehe. Darauf eine Stimme aus dem Zuhörerraum: „Und die anderen können dann gebaut werden?" Möller: „Nein, auch diese halte ich für schlimm, doch die Führung über Vilich finde am schlimmsten. Im Übrigen hat der Kreistag sich gegen die Meinungen aus Königswinter und Bad Honnef für eine Führung über Siegburg ausgesprochen. Ich habe dabei die Meinung vertreten, daß auch diese Trasse entlang der Autobahn nicht gebaut werden darf. Doch die Mehrheit entschied anders und ich habe mich dieser im Kreistag zu beugen." Im Übrigen betonte Dr. Möller, daß er, bevor alle Umweltverträglichkeitsprüfungen und mögliche Gutachten beurteilt worden sind, niemals einem Bau zustimmen werde. Als Diskussionsredner trat auch der Bonner Journalist Wolfgang Wentsch auf. Er stellte die dreistündige Veranstaltung unter das Motto „Schnellbahn auf dem Prüfstand". Rief ein Zuschauer: „Wenn der Bürger zu entscheiden hätte, brauchte die Bundesbahn überhaupt keine Pläne auf den Prüfstand zu stellen." Den Reigen der Redner eröffnete der Vorsitzende des VVS, Dr. Faßbender. Er sagte, daß der Bau der Schnellbahn durch das Siebengebirge zwar keine finanziellen Einbußen bringe, aber einen Imageverlust. Seit fast zwei Jahrzehnten besitze das Siebengebirge als ältestes deutsches Naturschutzgebiet das Europadiplom. Es sei ein Unding, jetzt die Bahn zu bauen, denn die Kommission zur Verleihung des Diploms künde die Rücknahme an, falls es zum Bau der Bahn kommen würde.

Landrat Dr. Möller berichtete, daß er noch am Vormittag mit Bundesverkehrsminister Zimmermann gesprochen habe. Dieser habe ihm mitgeteilt, daß noch über keine der rechtsrheinischen Varianten entschieden worden sei. Dies bestätigte Dir. Zieße und erklärte, daß  über den genauen Verlauf der Trasse noch nicht bestimmt sei, lediglich sei im Juli darüber entschieden worden, daß die Bahn rechtsrheinisch gebaut wird. Der Hauptausschuß des Rates der Stadt Bonn habe sich für einen Anschluß der Bundeshauptstadt über Vilich ausgesprochen. Laut Dr. Möller habe NRW-Minister Zöpel sich bisher nicht klar und deutlich über die Neubaustrecke ausgesprochen. Nach seiner Meinung soll die Trasse gebaut werden, die am schnellsten und billigsten errichtet werden kann. Dr. Möller: „Das kann doch aus ökologischen Gründen nicht richtig sein." Bürgermeister Hank: „Alle Fraktionen im alten Rat der Stadt haben sich gegen jegliche Linienführung ausgesprochen. Man kann es einfach nicht verstehen, daß man eine solche Strecke mit 250 Kilometer pro Stunde durch das älteste Naturschutzgebiet bauen kann. Ich hoffe, daß ein Gericht bei einer Klage der Stadt Königswinter nicht anders entscheiden wird. Ich hoffe, daß auch der neugewählte Rat alles in seinen Kräften stehende tun wird, um jede Trasse zu verhindern."

Dir. Zieße, der oft durch Zwischenrufe, Gelächter und Buh-Rufe unterbrochen wurde, erklärte, daß die Bundesbahn fünf verschiedene Varianten rechts- und linksrheinisch untersucht habe. Die Bahn habe sich dann für die schnellste und umweltfreundlichste Trasse entschieden. Und das sei die sogenannte Westerwaldführung. Bei dieser Planung·gäbe es die wenigsten Schwierigkeiten bei der Umweltverträglichkeit. Diese Äußerung löste den Unwillen der Zuhörer aus. Auf die Bemerkung, wenn schon gebaut werden müsse, dann solle man das gesamte Siebengebirge untertunneln, meinte der Dipl.-Ing. der Bundesbahn, Peters, daß auch Tunnels umweltverträglich sein müßten. Bei einer Tunnelführung würde das Gebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg stark in Mitleidenschaft gezogen, denn bei einer Tunnellösung müsse die Bahntrasse noch tiefer gelegt werden, als vorgesehen. Das würde viel Schwierigkeiten mit sich bringen. Zudem müsse das ausgehobene Erdreich irgendwo deponiert werden. Dazu fehlt das Gelände. Und zudem würde das Kosten von fünf Milliarden DM noch gewaltig in die Höhe treiben. (Auf den weiteren Verlauf der Veranstaltung kommen wir in der nächsten Ausgabe noch zurück. Die Redaktion).

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 46 vom 16.11.1989; Foto und Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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