Aufnahme: 1989
Interview mit Herrn Klaus Breuer, Direktor des Gymnasiums Am Ölberg in Oberpleis
Herr Breuer, schildern Sie uns doch zunächst einmal ihren beruflichen Werdegang.
Ich habe das Gymnasium Bad Honnef besucht und dort auch mein Abitur gemacht. Im Anschluß daran habe ich die Lehrfächer Englisch, Erdkunde und Geologie studiert. Mein Examen habe ich in 1966 in Bonn bestanden. Danach war ich in Köln zwei Jahre als Referendar tätig und wurde 1968 fest in das Lehramt übernommen. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Wechsel in das hiesige Gymnasium (April vorigen Jahres) war ich auf dem Troisdorfer Gymnasium tätig, wo ich zum Schluß als Projektleiter der Oberstufe gewirkt habe.
Wie kam ihr Wechsel zum Gymnasium Am Ölberg zustände? Hat man Sie versetzt oder sind Sie auf eigenen Wunsch nach Oberpleis gekommen?
Das Letztere trifft zu. Ich habe mich für die neu zu besetzende Direktorenstelle beworben.
Welche Beweggründe haben Sie zum Wechsel veranlaßt?
Mich haben die neuen Aufgaben, die mit dem Direktorium eines Gymnasiums anfallen, gereizt. Ich habe dies als persönliche Herausforderung angesehen, um eine Schule mitzugestalten.
Sie sind jetzt seit 1 1/2 Jahren in Oberpleis, Haben sich Ihre Erwartungen und Hoffnungen bestätigt?
Ja, in allen Punkten – Ich muß schon sagen, daß mir die Arbeit insbesondere mit einem so engagierten Kollegium sehr viel Freude bereitet und ich bin froh, daß wir eine Schule mit Atmosphäre, aber auch Leistungsanforderungen sind.
Nun zu einer sehr persönlichen Frage. Wie ist Ihre Einstellung zur Religion?
Ich bin Katholik mit allen Zweifeln, aber auch der Überzeugtheit der Sache Christi. Ich bin acht Jahre im Pfarrgemeinderat meines Wohnortes tätig gewesen und meine sagen zu können, daß ich ein aktiver Christ bin.
Herr Breuer, wie sehen die Verbindungen Ihrer Schule zu den ortsansässigen Kirchengemeinden (katholisch evangelisch) aus?
Wir haben im Schuljahr zwei ökumenische Gottesdienste eingeführt, die von Schülern, Lehrern und Kirchengemeinden gemeinsam gestaltet werden in der Anerkennung einer gemeinsamen kirchlichen Wirklichkeit der beiden Konfessionen. Über die Religionskurse der Oberstufe und die Fachkonferenz Religion sind Verbindungen bei Sonderanlässen und Ausstellungen zu den ortsansässigen Kirchen gegeben.
Finden Gesprächskreise zwischen der Fachkonferenz Religion und den Pfarrern statt?
Nein. Es bestehen lediglich Verbindungen einzelner Lehrer zu den Pfarrern.
Wäre es nicht möglich, wie dies auch in den anderen Schulen (Real- und Hauptschule) durchaus üblich ist, bei Schuljahresneubeginn und während des Schuljahres regelmäßig Gottesdienste mit den verschiedenen Stufen zu halten?
Dies wäre zu überlegen und könnte Thema der nächsten Fachkonferenz Religion sein. Allerdings könnte ich mir aus unterrichtsorganisatorischen Gründen unter Schulgottesdiensten allenfalls einen vierteljährlichen Turnus vorstellen. Auf einen anderen Aspekt von Religion in der Schule möchte ich noch verweisen: Ich bedaure es, daß Mittelstufenschüler sich immer noch vom Religionsunterricht abmelden können, ohne, wie dies in der Oberstufe erforderlich ist, das Fach Ethik bzw. Philosophie belegen zu müssen. Hier könnten junge Menschen verstärkt in die Thematik einer lebenswürdigen Zukunft der Menschheit eingeführt werden. Ich möchte zum Thema Religion auf unserer Schule doch auch noch auf andere Aktivitäten aufmerksam machen, die mir sehr wichtig erscheinen. Schule soll eingebettet sein in das Leben des Ortes bzw. der Gemeinde. So erhalten Schüler/innen der Klassen 9 – 12 Gelegenheit, sich zu engagieren: in Altenheimen der Stadt, in Sozialstation und Behindertenschule, um so die Flucht ins ausschließlich Private zu überwinden. Sie sollen erfahren, nicht darauf zu vertrauen, daß nur Andere an der Schaffung einer mitmenschlichen Gesellschaft arbeiten.
Herr Breuer, wir bedanken uns für Ihre offenen und interessanten Antworten und wünschen Ihnen noch viele erfreuliche Jahre auf Ihrer Schule.
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