Wie teuer ist uns unsere Gesundheit? - Geldspende für Biochemie-Unterricht am Gymnasium

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1989

Wie teuer ist uns unsere Gesundheit? - Geldspende für Biochemie-Unterricht am Gymnasium

R. Zwei Abiturienten vom Gymnasium am Ölberg in Oberpleis untersuchten die Kostenwege im Gesundheitswesen, erforschten die Einstellung der Oberpleiser Bevölkerung zum Reformgesetz und suchten vielfältige Möglichkeiten zur Gesunderhaltung. Beim Jugend-forscht­ Wettbewerb in Leverkusen erreichten Sie damit einen beachtlichen 2. Platz im Fachbereich Biologie. Ihre anschaulichen Ergebnisse stellten sie jetzt in der Oberpleiser Kreissparkasse aus. Angefangen hatte alles mit der Vorbereitung auf die letzte Schulprojektwoche zum Thema „Geld". Wo bleiben die 260 Milliarden Mark, die wir Bundesbürger jährlich für Gesundheit ausgeben? fragten sich Urte Gerhardt und Andre Bertram (beide aus Ittenbach). Sie fanden dabei unter anderem, daß die Gesundheitskosten im Bezug zum Bruttosozialprodukt nicht so stark gestiegen sind, wie das der Vergleich der absoluten Zahlen recht erschreckend ausweist. Die Kostenproblematik verdeutlichten sie mit vielen Schaubildern und vergleichenden  Informationen, die  sie auch aus Presseveröffentlichungen herauszogen.

In Oberpleis interviewten die beiden „Jufos" 420 Bürger mit einem ausgeklügelten Fragebogen. Rund 60 Prozent der Befragten halten die jetzige Kostenbelastung für tragbar, weil sich auch zeigte, daß die zukünftigen Belastungen durch die Altersschichtung, die Ärzteflut und die Pflegeaufwendungen nicht für so kosten treibend angesehen werden. Die Bürger sind sehr gut über die Bedeutung verschiedener Krankheits- und Todesursachen  informiert, doch offenbar andere Antworten, daß die aktive Umsetzung in wirkliches gesundheitsbewußtes Verhalten doch recht mager ausfällt. Die einzelnen Ergebnisse der repräsentativen Umfrage veranschaulichten die Schüler in ihrer Ausstellung mit computergraphischen Darstellungen.

Aufgrund ihrer Studien erarbeiteten sie Vorschläge, wie nach verhaltensbiologischen Grundsätzen gesundheitliche Vorsorge aktiviert werden könnte. Zu diesem letzten Teilbereich ihrer Arbeit stellten sie drei wichtige gesundheitliche Empfehlungen bildlich dar: Risikovermeidung durch Nichtrauchen, vielseitige Ernährung und Vorsorgeuntersuchungen; Stärkung des Kreislaufs durch Gewichtskontrolle, Radfahren und Sauna; Aktivierung der Abwehrkräfte über die Haut durch wechselwarmes Duschen, Trockenbürsten und vorsichtiges Sonnenbaden.

Viele dieser Aktionen bringen sogar Spaß, wobei die Urlaubszeit die beste Gelegenheit bietet, das Lebensgefühl allseits zu bessern. Doch leider sieht man oft die  Urlaubsfreuden durch Verkehrsstaus, Hitzeschocks, Alkoholmißbrauch und verseuchte Badestrände ins Gegenteil verkehrt. Auf dem Wettbewerb wußten die beiden Preisträger mit ihrer 15-seitigen schriftlichen Arbeit, mit dem Ausstellungsstand und ihrem wechselseitigen Kurzvortrag zum Prüfungsgespräch zu beeindrucken. Leider waren sich die Juroren über die eindeutige Zuordnung der Arbeit zum naturwissenschaftlichen Bereich nicht einig. Die Bundesgeschäftsführerin von „Jugend forscht" will sich dafür einsetzen, daß eine weitere Wettbewerbssparte für sozial empirische Arbeiten eingerichtet wird.

Als Anerkennung für ihre besonderen Anstrengungen werden Urte und Andre in den Sommerferien an internationalen wissenschaftlichen Jugendbegegnungen mit Flugreisen nach  Malga, Bissina in Italien und nach Keliba in Tunesien Teilnehmen. Die Spende der Kreissparkasse nahm der Betreuer Studienrat Peter Karbe für den Chemieunterricht im Gymnasium am Ölberg in Empfang. Das Geld soll dort für die spezielle Software-Ausbildung der Schüler verwandt werden. Das Schulamt stellt diesem Fachbereich zum neuen Schuljahr ein eigenes Computersystem zur Meßwerterfassung und - Verarbeitung zur Verfügung. Auch die nachwachsenden Jungforscher werden dafür dankbar sein.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 25, vom 22.06.1989; Foto und Bericht: R
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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